Mutter nach Umzug: „Fühlen uns hier nicht willkommen“. Familie zog der Tochter zuliebe nach Melk. Wegen dem Verdacht auf Scheinmeldung schickt Gemeinde ihr nun Polizei vorbei.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 30. Juli 2019 (03:33)
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Symbolbild

„Ich dachte, es wäre ein Willkommensschreiben“, schüttelt die junge Mutter den Kopf. Doch damit hat jener Brief der Stadtgemeinde Melk wenig zu tun. „Mein erster Kontakt mit der neuen Gemeindeverwaltung ist eine Unterstellung, dass ich nur zum Schein hier gemeldet bin“, erläutert die Neo-Melkerin.

NOEN

Die Vorgeschichte: Ein Umzug von Emmersdorf nach Melk liegt hinter der Frau und ihrer Familie. Damit ihr zehnjähriges Kind die NMS Melk besuchen kann, verlagerten sie ihren Lebensmittelpunkt in die Bezirkshauptstadt. Die Umsiedlung war die einzige Lösung, die starre Regelung der Schulsprengel in Niederösterreich zu umgehen (die NÖN berichtete).

 „Wenn es einen Grund gibt, wird dem nachgegangen. Es gab bei uns schon Fälle von Scheinmeldungen.“ Patrick Strobl, VP-Stadtchef

 Der Brief liegt der NÖN vor (Auszug siehe Foto). Die erste, wie im Schreiben angekündigte, Polizeikontrolle ging auch schon vonstatten. „Erklären Sie einmal einem zehnjährigen Kind, warum die Polizei jetzt des Öfteren vorbeikommt und schaut, ob wir uns eh an unserem Hauptwohnsitz aufhalten“, ärgert sich die Mutter. Warum die Melker Politik sich für diesen Schritt entschieden hat, kann sie sich „beim besten Willen“ nicht erklären.

Stadtgemeinde sucht Gespräch mit Mutter nicht

„Mein neuer Hauptwohnsitz ist Melk und ich habe einen Zweitwohnsitz im Grünen, das ist überall dokumentiert“, erklärt sie. Am allermeisten stört sie, dass vonseiten der Stadtgemeinde niemand das Gespräch mit ihr sucht. „Wenn ich anrufe, heißt es, der zuständige Sachbearbeiter ist nicht da. Auch vom Bürgermeister hätte ich mir eine Erklärung gewünscht.“

 Strobl: „Gab schon solche Fälle bei uns“

 Diese liefert VP-Stadtchef Patrick Strobl gegenüber der NÖN. Die Stadtgemeinde stelle nicht alle Zuzügler unter Generalverdacht, sondern handle dem Meldegesetz entsprechend. „Wenn es einen Grund gibt, wird dem nachgegangen. Es gab bei uns schon Fälle von Scheinmeldungen.“

Außerdem bezweifelt er, dass es kein Gespräch zwischen Sachbearbeitern und der Betroffenen gab. Dass das für Letztere aber eine unangenehme Situation ist, kann er nachvollziehen. „Die Regelung der Schulsprengel verursacht leider immer wieder solche Situationen.“

Für die Mutter ist jedenfalls klar: „Bevor man mit mir redet, schickt man mir die die Polizei ins Haus. Das ist doch Steuergeldverschwendung. Wir fühlen uns hier nicht willkommen.“