Verträgt die Stadt Melk zwei Apotheken?. Zuschlag für Apotheke in Löwenpark manifestiert Innenstadt-Sorge um weiteren Kundenabfluss zu Einkaufszentrum.

Von Markus Glück. Erstellt am 28. April 2021 (05:56)
Die Melker Innenstadt kämpft gegen menschenleere Fußgängerzone und um ihre Kunden.
Glück, Glück

Mit einem Hilferuf aus der Innenstadt wendet sich Maria Eva Graf vom Modehaus „Modegraf“ aus der Melker Innenstadt an Stadt- und Landespolitik sowie Vertreter der Wirtschaft. In einem Brief, der auch der NÖN vorliegt, schreibt Graf von ihrer Sorge über die Zulassung einer zweiten Apotheke in Melk und dem drohenden weiteren Aussterben der Innenstadt.

„Die Apotheke ist der größte Frequenzbringer. Die neue Apotheke im Löwenpark wird aber aufgrund der kostenlosen Parkmöglichkeit viele Kunden abziehen. Wir brauchen aber die Laufkundschaft“, bekräftigt Graf.

Die aktuelle Situation ist für sie durch zahlreiche innerstädtische Leerstände mit verwaisten Schaufenstern und speziell in der Nebensaison und in Zeiten der Pandemie anhand menschenleerer Fußgängerzone dramatisch. „Es muss dringend etwas passieren. Der Löwenpark funktioniert auch ohne Apotheke, die Altstadt wird aber trostloser “, erklärt Graf.

Wunsch: Vorhaben nochmals überdenken

Sie wünscht sich von den Verantwortungsträgern nicht nur, das Projektvorhaben „Löwen-Apotheke“ zu überdenken, sondern auch gestalterische Maßnahmen, wie etwa Spielgeräte für Kinder, und einen außenstehenden Innenstadtmanager samt eigenem Budget, der für die Innenstadt-Wirtschaft kämpft.

Innenstadt-Apothekerin Ulrike Diernegger-Gradwohl freut sich über die Unterstützung der Innenstadt-Betriebe und darüber, dass die Bedeutung der Landschaftsapotheke für die Frequenz der Innenstadt derart hoch eingeschätzt wird. „Ich bin zuversichtlich, dass sich der Kundenrückgang mit neuen Angeboten und unseren Serviceleistungen in Grenzen halten wird“, meint Diernegger-Gradwohl.

Die Sorge um die darbende Innenstadt kann sie aber teilen. Auch sie wünscht sich gezielte Werbemaßnahmen sowie eine „tolerante, kundenfreundliche“ Parkraumbewirtschaftung. „Es gibt Ideen vom Wirtschaftsverein Zunftzeichen, wie etwa Kinderspielmöglichkeiten. Diese vorhandenen Ideen müssen bitte bald umgesetzt werden“, meint die Apothekerin. Für sie geht es aber auch um Bewusstseinsbildung bei der Bevölkerung: „Ein lebendiges Stadtzentrum bedeutet Wohn- und Lebensqualität.“

Stadträtin Ute Reisinger (ÖVP) versteht die Sorge der Innenstadtbetriebe, auch ihr sei es ein Anliegen, die attraktive Innenstadtwirtschaft zu fördern und zu erhalten. Zudem habe die Stadt keinen Einfluss auf die Vergabe einer Konzession für eine zweite öffentliche Apotheke.

„Die Voraussetzungen sind offensichtlich gegeben, da andernfalls die eingeschaltete Berufungsinstanz diese Konzessionserteilung widerrufen hätte“, erklärt Reisinger. Für sie sei es jetzt wichtig, dass die Apotheke und andere Innenstadtbetriebe mit geeigneten Maßnahmen eine entsprechende Kundenbindung erreichen: „In diesem Bemühen werden wir die Innenstadtwirtschaft unterstützen.“

In der Diskussion verweist Reisinger aber auch auf das laufende, extern beauftragte Innenstadt-Monitoring, welches eine überdurchschnittlich gute Belegung der Räumlichkeiten sowie eine überdurchschnittliche Kaufkraft der Kunden zeigt. Im Rahmen des Stadterneuerungsprozesses STERN XL befinden sich zudem Projekte zur Förderung von Aufenthaltszonen in der Konzeptionsphase. Vorerst ad acta gelegt ist das im Jänner 2020 vorgestellte Pop-Up Store-Konzept. Der damals in Betracht gezogene Standort, die ehemalige Bipa-Filiale, ist bekanntlich vermietet. „Bei Bedarf kann das Konzept aber jederzeit umgesetzt werden“, versichert Reisinger.

FPÖ kritisiert erneut Parkgebühren

Etliche Betriebe haben sich laut SPÖ-Gemeinderat John Haas auch betreffend der Thematik an die SPÖ gewandt. „Viele Betriebe befürchten, dass sie von der Gemeinde vernachlässigt werden. Wir werden in den nächsten Wochen eine Diskussionsveranstaltung zur Thematik abhalten.“ Bei den Grünen sieht man es positiv, dass der jetzige Hilferuf direkt von der Wirtschaft kommt.

„Es ist wichtig, die Innenstadt vor dem Aussterben zu schützen. Die Innenstadt besteht nicht nur aus Gastrobetrieben und die Betriebe können auf unsere absolute Unterstützung zählen“, erklärt Gemeinderat Gabriel Kammerer (Grünen). Für FPÖ-Gemeinderat Rudolf Kuntner ist der Löwenpark eine zu große Konkurrenz für die Innenstadt und er kritisiert einmal mehr die Parkgebühren: „Mit den Parkgebühren ist die Altstadt uninteressant für Kunden geworden.“