Mit 100 km/h durch 30er-Zone vor Schule. Stadt führte an neuralgischen Punkten Messungen durch. Lenker vor Schule mit über 100 km/h gemessen.

Von Markus Glück. Erstellt am 14. August 2018 (04:00)
An mehreren Tagen und zu unterschiedlichen Zeitpunkten führte die Stadtgemeinde Melk im Stadtgebiet Geschwindigkeitsmessungen durch. Als Raser-Hotspot kristallisierte sich dabei die Dorfnerstraße heraus. Erschütternd sind die Ergebnisse auch vor der Schule.
Google Maps; Foto: bibiphoto/shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

Anfang 2017 führte die ÖVP Bürgerstammtische durch. Ein Hauptanliegen damals: eine vermehrte Kontrolle der Geschwindigkeitsbeschränkungen. VP-Stadtparteichef Patrick Strobl versprach der Bevölkerung Besserung und vermehrte Kontrollen, wirklich gebessert hat sich die Situation seither aber nicht.

Ein gutes halbes Jahr später wagte Grünen-Stadtrat Emmerich Weiderbauer in Sachen Tempolimits einen Vorstoß. Sein Wunsch nach einer 30er-Zone in der ganzen Stadt erteilte VP-Vize-Bürgermeister Wolfgang Kaufmann eine Absage: „„Man kann nicht alles umsetzen, was man sich einbildet. Eine 30er-Zone durch die gesamte Stadt ist schlichtweg utopisch und auch nicht sinnvoll.“

Da sich die Probleme betreffend Nicht-Einhaltung der Geschwindigkeiten in der Stadt aber fortsetzten, führte die Stadtgemeinde bereits im Sommer 2017 Messungen durch, die aber aufgrund von Fehlern im Gerät zu keinen Ergebnissen führten, ähnlich negativ verlief eine zweite Testmessung.

Messung an elf neuralgischen Punkten

Im Frühsommer klappte jetzt die Messung an insgesamt elf neuralgischen Punkten in der Stadt. Der NÖN liegen die Ergebnisse exklusiv vor.

„Wir haben uns diese Punkte herausgesucht, wo wir und die Bevölkerung vermuten, dass zu schnell gefahren wird“, erklärt Kaufmann.

Messpunkte waren unter anderem die B1, die Wiener Straße im Bereich des Friedhofs, die 30er-Zone vor der Schule oder die Spielberger Straße.

Im Rahmen der Auswertung kristallisierten sich die Top-5- Straßen heraus, die in naher Zukunft vermehrt in den Fokus rücken. Überrascht ist Kaufmann dabei aber, dass die Wiener Straße nicht dazugehört. Bei rund 14.500 Fahrzeugen waren nur 0,9 Prozent (132 Fahrzeuge) über 65 km/h unterwegs. Ebenso wenige Überschreitungen gab es in der Spielberger Straße.

Von mehr als 9.000 Lenkern fuhren knapp 7.000 Autofahrer über die erlaubten 30 km/h vor der Schule.
Markus Glück

Erschütternd sind dafür die Ergebnisse der fünf Straßen, wo die meisten Überschreitungen stattfanden. Alle Zahlen beinhalten bereits die abgezogene Messtoleranz.

Dorfnerstraße (1): Gemessen wurde unter der Woche von Dienstag auf Mittwoch in Fahrtrichtung Melk, von Winden kommend. Insgesamt rund 6.500 Fahrzeuge passierten den Messpunkt im 50er-Bereich. Satte 36,5 Prozent (2.368 Fahrzeuge) waren über dem gesetzlich Erlaubten unterwegs. Zwischen 71 km/h und 80 km/h fuhren 916 Lenker (15 Prozent). Ein Fahrzeuglenker brauste gar mit über 110 km/h durch den Bereich auf Höhe des Landespflegeheims. Als erste Maßnahmen wird laut Kaufmann in diesem Bereich ein Fahrbahnteiler installiert. Im Zuge des WET-Wohnbaus ist ein zweiter Teiler geplant.

B1-West (2): Wie zu erwarten war, gehört auch die Bundesstraße im Bereich Koloman zu den Raserstrecken in der Stadt. Bei 9.668 Fahrzeugen waren 2.650 Lenker (27,4 Prozent) deutlich zu schnell unterwegs. Der Höchstwert lag gar bei über 120 km/h. Während in der Dorfnerstraße bauliche Maßnahmen angedacht werden, ist eine Umsetzung auf der Bundesstraße schwierig. Daher wird die Stadtgemeinde als Erst-Maßnahme künftig Geschwindigkeitstafeln aufstellen. Hält sich der Lenker an die Regeln, sieht er einen lachenden Smiley.

Abt-Karl-Straße (3): Für den Vize-Stadtchef sind die Zahlen im Bereich der Schule in der Abt-Karl Straße am erschreckendsten. An drei Tagen fuhren 9.071 Fahrzeuge durch die 30er-Zone. Im strafbaren Bereich, sprich mit über 45 km/h, waren knapp 2.000 Lenker (21,2 Prozent) unterwegs. Knapp 7.000 fuhren zwischen 30 km/h und 60 km/h. Drei Lenker waren sogar deutlich über 100 km/h unterwegs. Als Sofortmaßnahme kündigt die Polizei verstärkte Kontrollen an. „Für mich müssen diese Lenker sofort gestraft werden“, ärgert sich Kaufmann.

Mühlweg (4): Trotz enger Straßen zählt der Mühlweg zu den Straßen, wo zu stark aufs Gas gestiegen wird. Eigentlich als 30er-Zone ausgelegt, fuhren im Rahmen der Messung von 1.364 Fahrzeugen rund 1.200 Lenker über 30 km/h im Siedlungsgebiet. „Dort kann man eigentlich nur auf Sicht fahren“, wundert sich Kaufmann.

Ursprungstraße (Pielach, 5): Bei 2.538 Messungen gab es rund 319 Überschreitungen (12,6 Prozent), knapp jeder Zweite fuhr aber deutlich über den erlaubten 50 km/h. Nach einer zuerst angedachten und schlussendlich verworfenen Lösung mit Speed Bumps, wird es auch dort in Zukunft zu verstärkten Radarmessungen kommen.

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