Gert Kratzer: „Wir knallen SPÖ nicht die Tür zu“. ÖVP will Antrag überdenken, wenn SPÖ ein faires Angebot macht. SP-Vize Scheuchelbauer von VP-Aussagen erschüttert.

Von Markus Glück. Erstellt am 08. Juni 2018 (05:00)
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SP-Vizebürgermeister Herbert Scheuchelbauer wirft der ÖVP Doppelzüngigkeit vor. VP-Parteichef Gert Kratzer betont, dass hinter dem Antrag die gesamte Partei steht.

Mehr als eine Woche nach dem Misstrauensantrag von ÖVP und FPÖ gegen SP-Stadtchef Alois Schroll haben sich die Wogen in der Stadt noch immer nicht geglättet. Die ÖVP steht dabei besonders im Mittelpunkt, da viele den Antrag als überzogen erachten und sich sogar einige Ybbser Wirtschaftsbosse verärgert bei der Wirtschaftspartei gemeldet haben sollen.

VP-Parteichef Gert Kratzer versucht im NÖN-Gespräch, die Sachlage nochmals zu erläutern: „Nach dieser Gebarungseinschau konnten wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Der Stadtchef ignoriert diesen Bericht und nimmt unsere Kritik nicht ernst. Die Entscheidung war intern abgesprochen.“ Für Kratzer war es zudem wichtig – in für ihn ungewohnten Worten – auf den Putz zu hauen. „Uns wird stets ein Neubeginn der Zusammenarbeit versprochen, der aber nie passiert ist. Wir lassen uns bei den Gemeinderatssitzungen nicht mehr als Vollidioten hinstellen“, ärgert sich Kratzer.

Stellung nimmt er auch zu den Gerüchten, dass die ÖVP den Misstrauensantrag wegen der internen Kritik sowie dem Druck aus der Wirtschaft zurückziehen werde. „Das ist überhaupt kein Thema. Wir stehen hinter diesem Antrag. Aber: Wir knallen der SPÖ nicht die Tür zu. Wenn Schroll ein ehrliches Angebot für den Neubeginn verlautet, können wir darüber reden. Daran glaube ich aber nicht“, hält Kratzer ein Umdenken beim Stadtchef für unwahrscheinlich.

„Wenn du netter bist, überleg ich es mir noch“

Erschüttert von den Aussagen der ÖVP zeigt sich SP-Vizebürgermeister Herbert Scheuchelbauer: „Als Gemeinde- und Stadtrat hat man eine Vorbildfunktion. Im Gemeinderat bin ich der Würde des Amtes verpflichtet.“ Die Gerüchte, dass die ÖVP den Antrag zurückziehen könnte, kennt auch er. Für ihn sei ein Misstrauensantrag das härteste Mittel in einer Gemeinde. „So etwas macht man nicht aus Jux und Tollerei und sagt dann, wenn du netter zu mir bist, überleg ich es mir nochmals“, schüttelt Scheuchelbauer den Kopf.

Und er kritisiert die ÖVP, die stets über mangelnde Information klagt. „Denn“, so Scheuchelbauer, „jeder Gemeinderat hat das Recht auf Einblick in alle Zahlen und auf Einhebung aller Informationen. Zudem wirft er der ÖVP auch Doppelzüngigkeit vor. „Im Gemeinderat wird gesagt, der Bürgermeister betrügt und kurze Zeit später wird im ,Nicht-öffentlichen Teil‘ finanziellen Aufträgen zugestimmt.“

Stellung nimmt Scheuchelbaer auch zu möglichen Rücktrittsgerüchten um Stadtchef Schroll, der letzte Woche auf Urlaub weilte. „Die Stadt erlebt einen Aufschwung. Es läuft gut bei uns. Das ist anscheinend einigen ein Dorn im Auge.“