Bezirk Melk: Gastro sucht dringend Personal. 130 Jobangebote gibt es laut AMS derzeit im Bereich Gastronomie. Allerdings: Nur 57 Personen auf Jobsuche.

Von Markus Glück. Erstellt am 23. Juni 2021 (05:22)

Die Nicht-Eröffnung von zwei Hager-Filialen in Bischofstetten und St. Leonhard aufgrund mangelnden Personals sorgt im Bezirk Melk für Gesprächsstoff. Wie berichtet sucht die Bäckerei-Kette insgesamt 20 Mitarbeiter. Kritik gab es von Hager wegen mangelnder Unterstützung auch am AMS.

AMS-Bezirksstellenleiter verständnisvoll

Verständnis für die Frustration, gepaart mit Sorgen und Ängsten, in den Gastronomiebetrieben äußert AMS-Bezirksstellenleiter Helmut Fischer. So können zwar die wenigen Jobsuchenden in der Gastronomie im Bezirk Melk aus einer Fülle von Jobangeboten wählen, für Betriebe sei es aber dagegen sehr schwierig, das gewünschte Personal zu rekrutieren.

Aktuell gibt es im Bezirk Melk in der Gastronomie – vom Abwäscher bis zum Chefkoch und von der Servicehilfskraft bis zum Chef de Rang – rund 130 Jobangebote. Diesem Angebot stehen allerdings nur 57 arbeitslos vorgemerkte Personen gegenüber. Bei genauerer Analyse haben aber viele der vorgemerkten Personen Vermittlungseinschränkungen, etwa aus gesundheitlichen Gründen, fehlender Sprachkenntnisse oder Kinderbetreuungspflichten.

AMS-Vorwurf: Zu viele „weggeschult“ ?

„Das erschwert eine Arbeitsaufnahme“, weiß Fischer. Sollte ein Betrieb diesen Personen dennoch die Möglichkeit eines machbaren Jobs anbieten, gibt es aber einen Lohnkostenzuschuss in Form der Eingliederungsbeihilfe als Unterstützung vom AMS Melk. Insgesamt sind seit Jahresbeginn mehr als 2.500 Personen wieder in ein Arbeitsverhältnis gekommen.

Kritik gab es zuletzt am AMS, dass Personen aus der Gastronomie sozusagen „weggeschult“ werden. Ein Vorwurf, den Fischer nicht unkommentiert lassen möchte: „Natürlich hat das AMS die Lockdown genutzt, Personen aus dem Gastronomiebereich, zum Beispiel im Tourismuscenter, eine Höherqualifikation anzubieten, das ist auch im Interesse der Gastronomiebetriebe. Vorrang hat aber eine Vermittlung. Ist das nicht möglich, erarbeiten wir mit unseren Kunden individuelle Strategien“, betont Fischer.

AMS Melk und Gastronomie arbeiten zusammen

Der AMS-Bezirksstellenleiter bekräftigt gegenüber der NÖN nochmals die wichtige Partnerschaft zwischen Arbeitsmarktservice Melk und der Gastronomie. So konnten 2021 – trotz Lockdown – rund 60 Stellenangebote im Bezirk in der Beherbergungs- und Gastronomiebranche besetzt werden.

Angesprochen auf die aktuelle Personalnot in der Gastronomie weiß Michael Schachner vom Hotel Schachner in Maria Taferl von der herausfordernden Situation der Mitarbeitersuche in der Branche.

Schachner bildet viele Mitarbeiter selbst aus

In ihrem Betrieb werden viele Mitarbeiter selbst ausgebildet. „Als Hotelbetreiber müssen wir flexibel sein. Einige Mitarbeiter können nur an bestimmten Tagen oder bestimmten Zeiten arbeiten. Manche können nur 15 Stunden pro Woche arbeiten, da gilt es, flexibel zu sein“, erklärt Schachner, dass es in ihrem Betrieb derzeit keine Probleme bei der Personalsuche gibt.

Direkte Auswirkungen hat der derzeitige Personalmangel auf die Tastedillery Melk von Fabian Sautner. Er kann seinen Gastgarten derzeit nur von Donnerstag bis Samstag öffnen, für die anderen Tage fehlt eine bisher nicht gefundene Servicekraft. „Während Corona haben sich viele aus der Gastro umschulen lassen. Wir suchen derzeit eine Servicekraft“, kennt Sautner die Gründe für die aktuelle Misere.