Ein Danke an die Helden des Alltags in der Krisenzeit. Sie sind an vorderster Front und haben Kontakt mit vielen Menschen. Die NÖN bat einige vor den Vorhang.

Von Ingrid Vogl, Peter Führer, Karin Katona, Denise Schweiger und Michael Bouda. Erstellt am 01. April 2020 (05:09)

Apotheker wie Andreas Hoyer sind nicht erst seit Einführung der Ausgangssperren im Dauerstress. Bereits zuvor wurden sie von besorgten Bürgern gestürmt, die auf der Suche nach Schutzmasken und Desinfektionsmitteln waren. „Der Run ist weiterhin da, aber er hat sich etwas entspannt, weil gewisse Dinge wieder lieferbar sind“, erklärt der 56-Jährige, der zwei Apotheken in St. Valentin betreibt. Mittlerweile wird auch häufiger die telefonische Beratung in Anspruch genommen.

Für diejenigen, die weiterhin in die Apotheke kommen, gibt es nun genaue Vorschriften. Das Desinfizieren der Hände ist vor Betreten der Apotheke Pflicht. Außerdem achtet man darauf, dass ein Sicherheitsabstand von zwei Metern eingehalten wird. Für Menschen,, die in Quarantäne sind oder keine Angehörigen haben, liefert Hoyer die Medikamente aber auch bis vor die Haustüre. „Wir machen einmal am Tag eine Runde“, verrät der Apotheker. Sehr gut funktioniere da auch die Zusammenarbeit mit den praktischen Ärzten. Vergessen sind alle Konflikte vor der Coronakrise.

Eigenen Schutz im Kaufhaus gebastelt

Während sich viele Menschen zuhause einigeln, steht bei Einzelhandelskauffrau Anita Aigner aus St. Georgen/Ybbsfelde nach wie vor viel Kundenkontakt auf dem Programm. Sie ist in den Kaufhäusern Reschauer in St. Georgen/Ybbsfeld und Ferschnitz beschäftigt. Vor allem am Freitag, 14. März, kurz nachdem die schärferen Coronamaßnahmen verkündet wurden, habe es einen regelrechten Ansturm auf den Nahversorger gegeben.

Mittlerweile hat sich die Lage beruhigt. „Es kommen aber mehr Junge, die auch für Ältere mit einkaufen. Viele kaufen auch lieber bei uns ein, weil meistens weniger los ist, als in den großen Geschäften. Außerdem fällt auf, dass die Menschen jetzt anscheinend mehr Zeit haben, selber zu backen und etwas ausprobieren. Das sieht man bei den Einkäufen“, berichtet Aigner.

Viele Kunden bestellen ihren Einkauf nun auch per Mail oder Telefon. Die Waren werden dann auch vor das Haus geliefert. Aigner hat auf die Corona-Verbreitung übrigens auch erfinderisch reagiert und im Kaufhaus in Ferschnitz einen Schutz aus Plastiktischtuch, Regalglas und Klebeband gebastelt. Zum Schutz werden Handschuhe verwendet. „Und das regelmäßige Händewaschen gehört ohnehin zu unserem Beruf“, weiß Aigner.

Essen – und Hygiene – auf Rädern

Sieben Tage pro Woche liefert das Rote Kreuz in Texingtal und Kirnberg „Essen auf Rädern“ aus. 33 Fahrer gibt es dafür – an und für sich. Die Coronakrise hat das Team nun aber vorübergehend zusammengeschrumpft: Zu zweit erledigen die beiden Texingtalerinnen Hannelore Punz und Veronika Köck bis auf Weiteres alle Fahrten. „Damit es so wenig wie möglich Kontakt gibt – zum Schutz unserer Fahrer und unserer Klienten“, erklärt Hannelore Punz.

Die 64-Jährige kann als pensionierte Krankenschwester mit der Zusatzausbildung zur Hygienefachkraft auftrumpfen. „Nach jedem Klienten desinfizieren wir uns die Hände, am Schluss der Runde desinfizieren wir das Auto“, beschreibt Punz einen Teil der Maßnahmen. Rund 25 Essen liefert sie, abwechselnd mit ihrer Kollegin, jeden zweiten Tag aus.

Patienten behandeln – mit „Rat auf Draht“

Die meisten seiner Patienten sieht Allgemeinmediziner Karl Brandstetter aus Purgstall derzeit nicht persönlich in der Ordination. „Die meisten trauen sich nicht her“, sagt Brandstetter. „Ich halte hauptsächlich Telefon-Sprechstunde.“ Das Problem: „Wenn man den Menschen nicht sieht, ist die Diagnose natürlich schwerer.“ Der Scheibbser Bezirksärztevertreter macht sich große Sorgen um seine Patienten mit chronischen Krankheiten, wie Herz-Kreislauf-Patienten oder Diabetiker. „Wenn ich hier eine weiterführende Behandlung brauche, bekomme ich sie nicht. Die Ambulanzen sind auf das Allernotwendigste heruntergefahren.“ Was Karl Brandstetter am meisten ärgert, ist die mangelnde Information über Covid-19-Fälle seitens der Behörde: „Die Daten werden nicht weitergegeben. Ob jemand positiv getestet wurde, erfahre ich nur, wenn er es mir selbst sagt.“

Bitte einsteigen in den „Geisterbus“

Sie sind derzeit überall zu sehen: Busse, in denen nur vereinzelt oder gar keine Fahrgäste sitzen. „Das wird zwar oft belächelt, aber das sehe ich überhaupt nicht ein. Schließlich geht es darum, dass auch nicht mobile Personen von A nach B kommen und lebenswichtige Besorgungen erledigen können“, verteidigt Mario Angerer die „Geisterbusse“. Der 52-jährige Wieselburger ist Busfahrer für die Ybbser Firma Mitterbauer. Seit zwei Jahren beginnt sein Arbeitstag um 4 Uhr Früh, eine Stunde später startet er seine Routen, etwa von Yspertal über Pöggstall nach Zwettl.

Naturgemäß bleiben in Coronazeiten Sitze leer, aber laut Angerer fahren viele Kinder mit dem Bus zur Betreuung in die Schulen, ältere Menschen zu den Supermärkten. Zum Schutz der Passagiere und der Fahrer werden die Busse zwischenzeitlich gereinigt. „Und wenn einmal mehr Leute mitfahren, wird Abstand gehalten. Das funktioniert super“, berichtet der Buschauffeur.

Neueste Infos, wenn noch alles schläft

Auch in Krisenzeiten steht die NÖN für aktuelle und regionale Berichterstattung. Damit die wichtigen Informationen möglichst früh zu den Menschen gelangen, braucht es Einsatz an vorderster Front.

Und da ist „früh“ das richtige Stichwort: Täglich zwischen 2 und 6 Uhr fährt Franziska Schwarz durch Ruprechtshofen, um Zeitungen zuzustellen, einmal pro Woche hat sie auch die NÖN mit im Gepäck. Der Coronapandemie geht sie bestmöglich aus dem Weg. „Ich habe das Glück, zu einer Zeit zu arbeiten, wenn fast niemand anderer unterwegs ist“, erzählt die 72-jährige pensionierte Krankenschwester.

Jede Woche frühmorgens ans Werk zu gehen, stört sie nicht. Im Gegenteil: „Ich mag die Ruhe und die Freiheit nachts auf den Straßen.“