Auch im Bezirk Melk wird vor dem Bildschirm musiziert. Seit einem Jahr keine Auftritte wegen Corona. Unterrichtet wird aber trotz der vielen Herausforderungen.

Von Lisa Schinagl. Erstellt am 14. April 2021 (05:25)
Leopoldine Salzer und Chiara Luger beim Online-Unterricht. Foto privat
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Die Kamera wird direkt auf die Tasten gerichtet und ein altes Aufnahmegerät muss kurzum als Mikrofon dienen – ein normaler Musikschulalltag für Lehrer und Schüler. Nach einem Jahr Pandemie ist das Distance Learning bereits geübt, weswegen die neuerliche Umstellung auf Online-Unterricht im abermaligen Lockdown fast nahtlos überlief.

Ganz ohne Probleme lief das vergangene Jahr aber nicht ab, denn anfänglich war die plötzliche Umstellung alles andere als einfach, das bestätigt auch Bernhard Thain, Leiter der Musikschule Nibelungengau. Das Distance Learning führt außerdem dazu, dass Ensemble- oder Orchesterkonzerte ausbleiben müssen, was Thain sehr bedauert. Er meint: „Es fehlt das miteinander musizieren.“

Marlene Heisler und Daniela Flora beim digitalen Klassenabend der Musikschule.   Foto: privat
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Die fehlenden Auftrittsmöglichkeiten wirken sich außerdem auf die Motivation der Schüler aus. „Es ist so, als würde ein Koch sein Menü nicht servieren dürfen“, erklärt Martin Fußthaler, Leiter der Musikschule Südliches Waldviertel. Für ihn ist der Online-Unterricht überdies nicht mit den regulären Präsenzstunden vergleichbar.

Die Leiterin der Musikschule Alpenvorland Leopoldine Salzer erklärt, dass der Unterricht online mit manchen Instrumenten einfacher zu gestalten ist, die Musik aber schlichtweg „vom Persönlichen lebt“. Ihre Devise ist es, die Kinder weiterhin mit kreativen Alternativen wie Online-Klassenabenden oder Videoaufzeichnungen zu motivieren. Jedoch ist derartiges Alternativprogramm nicht für jeden Schüler eine Option. Bernhard Thain musste feststellen, dass einige Schüler vorerst aus dem Unterricht aussteigen.

„Den Schülern geht das Feuer ab“, schlussfolgert er und verweist auf die Unpersönlichkeit des Online-Unterrichts. Technische Schwierigkeiten im Rahmen des Homeschoolings stellen dem friedvollen Ablauf der Musikstunden ebenfalls ein Bein, erklärt Walter Loibl, Leiter der Musikschule Schallaburg. Fehlendes Equipment und schlechte Tonqualitäten sind oftmals nur das geringste Übel, ganz zu schweigen von Unterbrechungen im Wlan-Netz, gesteht er.

Noch dazu kommt, dass die Konzentration der Schüler von lauten Umweltgeräuschen gestört wird. Für Loibl und Fußthaler ist besonders ärgerlich, dass potenzielle Musikschüler pandemiebedingt nicht vor Ort für Instrumente begeistert werden können. Trotz alledem sehen die Musikschulen der kommenden Zeit positiv entgegen und freuen sich auf neue Gesichter im Unterricht.

„Es ist so, als würde ein Koch sein Menü nicht servieren dürfen.“Martin Fußthaler

Daniela Flora, Querflötenlehrerin an der Musikschule Nibelungengau, ist vom Homeschooling direkt betroffen. „Jetzt gerade sitze ich zuhause“, antwortet sie auf die Frage, wie ihr Arbeitsalltag zurzeit vonstatten geht. Sie verbringt ihren Tag im häuslichen Arbeitszimmer mit Laptop, Mikrofon und Notenstapel.

Via Videokonferenzen nimmt sie Kontakt zu ihren Schülern auf und weiß, dass es durch Zeitverzögerungen oft zu Komplikationen kommen kann. Das Unterrichtstempo muss sie ebenfalls etwas verlangsamen, wodurch aber präziseres Lernen möglich ist. Obgleich Strapazen nicht ausbleiben, habe das Distance Learning nicht nur Nachteile.

Gerade ältere Schüler ersparen sich längere Anreisezeiten und können sich die Zeit so besser einteilen. Das weiß auch Loibl: „Die Kinder schalten das Handy ein und sind bereit.“ Das Unterrichten von Anfängern ist besonders herausfordernd und benötigt geänderte Methoden, gesteht Flora. Sie ist aber erfreut, dass manche Schüler ihre Erfolge im vergangenen Jahr über Videos präsentierten, was zeigt, dass die Schüler trotz Distanz voller Elan das fehlerfreie Spielen ihrer Instrumente anstreben.

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