Stift Melk ist für Brand gewappnet. Der Sicherheitsbeauftragte im Stift, Gerhard Scheiber, gab der NÖN Einblicke ins Sicherheitskonzept.

Von Markus Glück. Erstellt am 24. April 2019 (09:04)

Der verheerende Brand in der Pariser Kathedrale Notre Dame sorgte auch beim Melker Gerhard Scheiber (Bild) für Kopfzerbrechen. Er ist Sicherheitsbeauftragter des Stift Melk und in seiner Funktion für die Brandsicherheit im barocken Stift Melk zuständig. „Das Stift Melk ist Identität der Region und mit seinen Verbindungen zu den Babenbergern auch die Wiege von Österreich. Natürlich macht einen so ein Brand betroffen und man hofft, dass so etwas bei uns nicht eintreffen wird“, erzählt Scheiber.

Damit ein derartiger Großbrand im Stift Melk verhindert werden kann, gab Scheiber der NÖN einen exklusiven Einblick in das umfassende Sicherheitskonzept.

So achten 23 Brandschutzwarte, darunter drei Patres, auf die Sicherheit im Benediktinerstift. Neben 230 Feuerlöschern sind mehr als 900 Brandmelder im gesamten Gebäude verteilt, die direkt mit der Bezirksalarmzentrale verbunden sind. Einmal am Tag wird zudem die Leitung zwischen Einsatzzentrale und Scheiber überprüft. Neben vier Steigleitungen für die Löschwasserzufuhr sind zwei Steigleitungen, eine davon direkt bei der Altane, vom Donaualtarm mit dem Stift verbunden. Ein 400m -Löschwasserbecken im Stift sorgt zudem für Wassersicherheit. Einmal im Jahr findet darüber hinaus eine Begehung mit allen Einsatzkräften statt. „Damit sich Polizei, Rettung und Feuerwehr im Notfall auch auskennen“, erklärt Schreiber.

Im Ernstfall gibt es für das Stift, das jährlich mehr als 550.000 Touristen anlockt, auch einen Sonderalarmplan, der im schlimmsten Fall auch die Feuerwehren St. Pölten und Ybbs miteinbezieht. Die Sicherheitsmaßnahmen im Stift sind aber nicht erst in den letzten Jahrzehnten entstanden. „Bereits in den 1740er-Jahren wurden am Dachboden 19 Feuermauern eingezogen“, erzählt Scheiber.

 Besondere Vorkehrung bei Renovierungen

 Besondere Sicherheitsvorkehrungen gelten im Stift bei Renovierungsarbeiten: Werden Heißarbeiten durchgeführt, müssen die Arbeiter einen Feuerlöscher sowie einen zehn Liter umfassenden Kübel mit Wasser bei sich haben. Sind die Arbeiten beendet, muss dies gemeldet werden. Nach einer gewissen Zeit wird von einem Brandschutzwart Nachschau gehalten.

Ein Einsturz wie bei der Notre Dame könnte im Stift übrigens verhindert werden. Denn Teile der Fassade verfügen, etwa bei der Stiftsbibliothek, über ein Drucksystem, bei dem das Wasser bei zu viel Wasserdruck über ein Loch in der Fassade ablaufen kann. Scheiber: „Damit können wir das Gewicht reduzieren, aber auch die Bücher in der Bibliothek schützen.“ Um die Gefahr eines Kurzschlusses zu reduzieren, werden zudem gewisse Bereiche bei Nicht-Benutzung stromlos geschaltet.

Ähnlich zur Notre Dame gibt es auch im Stift Melk einen Notfallplan für die Rettung wichtiger Kunstgüter. Ganz oben auf der Liste steht das weltberühmte Melker Kreuz, welches im Schadensfall mit einem Spezialkoffer an einen sicheren Ort gebracht wird. Für die Kulturgüterschutz-Bergung gibt es zudem eigene Laufkarten zur besseren Orientierung der Einsatzkräfte. Für die Feuerwehr sind die Schätze auch mit speziellen Schildern gekennzeichnet.

Ein Ernstfall wurde zuletzt gemeinsam mit dem Bundesheer im vergangenen Herbst geprobt. Damals lautete die Übungsannahme „Hochwasserereignis“. „Bei allen Ereignissen hat aber der Schutz der Menschen Vorrang gegenüber der Bergung von Kulturgütern“, betont der Sicherheitsbeauftragte.