Rechtsradikale Szene in Loosdorf und im Melktal?. Das „Hitla!-Video“ rückt Loosdorf und das Melktal in das „rechte Licht“. Die NÖN begab sich auf Spurensuche.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 26. November 2019 (04:52)
Extremismus-Vorfälle in den letzten Monaten: Manuel Lambeck (l.) mit dem Hitlergruß, Nazi-Schmierereien am Friedhof und Nazi-Symbole.
FPÖ, LPD NÖ, privat

Ein junger Mann, ein Video, eine eindeutige Geste. Mehr brauchte es nicht, damit Manuel Lambeck, Ex-Obmann der FPÖ Loosdorf, das Feld räumen und das Amt zwei Tage nach seiner Wahl zurücklegen musste. Das „Hitla!“-Video, in dem der 24-Jährige vor laufender Kamera den Hitlergruß macht, sorgt für Gesprächsstoff. Und wirft Fragen auf. Gibt es eine rechtsradikale Szene in Loosdorf und auch dem Melktal, wie es viele mittlerweile vermuten?

„Nein“, sagt Chefinspektor Herbert Oberklammer vonseiten der Polizei entschieden. Nachgefragt bei einer Sicherheitsfirma im Bezirk, die namentlich nicht genannt werden möchte, zeichnet sich ein ähnliches Bild. Zumal „die üblichen Verdächtigen von damals zwischenzeitlich erwachsen geworden sind“, heißt es. Auf die Frage, ob es bestimmte Regionen mit vermehrten „braunen“ Ecken gebe, lächelt der Sicherheits-Profi.

„Ich weiß schon, dass es Gemeinden wie Loosdorf, Mank oder Kilb gibt, die verschrien sind. Aber hier gab es noch keine Veranstaltungen, bei denen wir wegen Nazi-Sagern einschreiten mussten“, erklärt der Türsteher. In Mank sind er und sein Team einmal zu einem Fall hinzugekommen, im Zuge dessen Jugendliche Gräber mit Hakenkreuzen beschmiert hatten. „Die meisten Schmierereien mit Nazi-Symbolen werden von Jugendlichen gemacht, die oft keine Ahnung haben, was genau sie da sprayten“, erläutert der Security. Doch er betont: „Verharmlosen darf man aber nichts. Es ist nicht zu akzeptieren und es muss dem nachgegangen werden.“

Präventivarbeit beginnt bei Teenagern

Präventivarbeit gegen Wiederbetätigung beginnt für die Jugend- und Sozialberaterin Anna Zöchbauer vom „s’jugend“ in Loosdorf bei Teenagern. „Wir reden über Extremismus und behandeln aktuelle Themen. Derzeit wird natürlich viel über den viral gegangenen Hitlergruß und seine Auswirkungen debattiert.“

Neben Schmierereien sind Wunschkennzeichen mit Nazi-Codes auch im Bezirk ein Thema. Zwar sind diese, wie etwa „HH“, „88“ oder „SS“, seit 2015 durch eine Novelle des Kraftfahrzeuggesetzes verboten, doch für jene, die davor bewilligt wurden, gibt es eine Übergangsregelung. Bereits vergebene Wunschkennzeichen sind 15 Jahre gültig, danach können sie aber nicht mehr verlängert werden. Wenn ein Antrag auf ein Wunschkennzeichen bei der Bezirkshauptmannschaft einlangt, wird die gewünschte Zahlen- oder Buchstabenkombination überprüft.

„In den letzten Jahren hat es im Bezirk Melk keine Wunschkennzeichenanträge mit nationalsozialistischem Bezug gegeben. Ein solcher Antrag würde natürlich abgewiesen werden“, führt Bezirkshauptmann Norbert Haselsteiner gegenüber der NÖN aus.