Lieber zwei Mal schauen. Arbeiterkammer und Polizei raten zur Vorsicht vor 0800-Anbietern, die ihre Dienste im Internet bewerben und raten, auf regionsansässige Firmen zurückzugreifen.

Von Christian Eplinger und Walter Fahrnberger. Erstellt am 30. Juli 2014 (07:51)
NOEN, privat
»Fachmännische Arbeit sieht für mich anders aus«, sagt die Frau, die in der Vorwoche ihre Lehren aus dem Vorfall mit einer Schlüsseldienst-Firma gezogen hat.
Der Vorfall ereignete sich vergangenen Montag in Neumarkt. Ein 15-jähriger Bursch war alleine zu Hause. Beim Verlassen der Wohnung fiel die (unversperrte) Tür hinter ihm zu. Einen Schlüssel hatte er nicht bei sich – er hatte sich ausgesperrt.

Die Mutter, die beruflich den ganzen Tag in St. Pölten zu tun hatte, suchte über die Google-Webseite eine Schlüsseldienst-Firma und rief gleich die erste Nummer, die bei der Suchmaschine erschien, an. Ein 0800-Anbieter, der versprach, jede Tür schnell und meist absolut beschädigungsfrei zu öffnen.

„Ich rief ohne Bedenken diese Nummer an, man versprach mir, in einer Dreiviertelstunde vor Ort zu sein und die Tür zu öffnen. Ich informierte in der Zwischenzeit meine Mutter, um mit meinem Sohn gemeinsam auf die Firma zu warten“, erläuterte die Mutter gegenüber der NÖN.

Neues Schloss und  zerkratzter Türstock

Das Warten dauerte schließlich fast zweieinhalb Stunden. Doch das war noch das Harmloseste, was die Familie an diesem Tag erlebte. Denn gleich vorweg musste eine Blanko-Auftragserlaubnis unterschrieben werden. Außerdem sei alles in bar oder mit EC-Card vor Ort zu bezahlen, gaben die Mitarbeiter dieser deutschen Firma gleich zu verstehen, bevor sie sich an die Arbeit machten.

Und auch bei dieser war von fachmännischer oder zumeist beschädigungsfreier Arbeitsweise wenig zu erkennen. Denn die „Monteure“ bauten sofort das Türschloss aus und ein neues ein, zerkratzten dabei aber mehrmals den Türstock und das Türblatt.

Nach 45 Minuten waren sie fertig, kassierten 600 Euro und zogen wieder ab. „Als ich nach Hause kam, war ich entsetzt. Ich habe mich gleich an einen Fachhändler aus der Region gewandt und zur Sicherheit einen neuen Zylinder einbauen lassen. Ich hätte sonst nicht schlafen können“, schilderte die Frau der NÖN.

Firma hat ganz offiziell agiert

Der Fachhändler hat ihr auch bestätigt, dass das Tauschen des Schlosses völlig unnötig gewesen wäre. Das Öffnen der Wohnungstür hätte bei ihm rund 180 Euro gekostet und wäre sicher ohne jegliche Beschädigung über die Bühne gegangen.

Die Frau hat die Sache bei ihrer Polizeidienststelle angezeigt. Nicht die erste diesbezügliche Anzeige im Mostviertel. Allerdings ist die Polizei in diesem Fall machtlos, weil die Firma ganz offiziell agiert und auch die Auftragsbestätigung der Kunden in den Händen hält.

Auch die Konsumentenschutzabteilung der Arbeiterkammer ist inzwischen eingeschaltet. Mehr als einen Tipp kann aber auch die AKNÖ nicht abgeben. „Generell ist bei Internetanbietern, die man nicht kennt, durchaus Vorsicht geboten – egal, um welche Dienstleistungen es sich handelt“, betont der Melker AKNÖ-Bezirksstellenleiter Peter Reiter und verweist auf eine neue Verbraucherrechte-Richtline, die seit Juni in Kraft ist und dagegen helfen soll. Prinzipiell meint die AKNÖ, dass es meist besser ist, zwei Mal nachzuschauen und eine orts- oder regionsansässige Firma zu kontaktieren.