„Braucht politische Erinnerungsarbeit“. Verein MERKwürdig und Arbeitsgruppe B9 Quarz wollen Stollen unter Denkmalschutz stellen. Bisher ist Versuch gescheitert.

Von Markus Glück. Erstellt am 27. November 2018 (04:00)
Verein MERKwürdig
Die Stollenanlage wurde im Jahr 1944 errichtet.

Die Gedenkfeierlichkeiten zum Anschluss an Nazi-Deutschland im Jahr 1938 bringen auch weniger bekannte Erinnerungsorte wieder ins öffentliche Blickfeld. Einer davon ist das NS-Stollensystem in Roggendorf. Die Planungen für die Errichtung einer unterirdischen Rüstungsanlage der Steyr-Daimler-Puch-AG gehen auf das Jahr 1944 zurück, als die Bombardierung der Alliierten stärker wurde und eine Produktionsverlagerung in den Untergrund erfolgte. Vom KZ-Außenlager Melk, welches eigens dafür entstand, wurden die mehr als 10.000 Zwangsarbeiter per Zug nach Roggendorf transportiert. Nach Kriegsende gab es zwar Versuche, die Stollenanlage zu sprengen. Dies scheiterte aber und noch heute sind rund acht Kilometer Stollen erhalten.

In den folgenden Jahrzehnten waren die Stollen immer wieder Abenteuerspielplatz für die örtliche Jugend und hatten magische Anziehungskraft für Höhlenforscher. Nachdem die Anlage immer wieder rechtsextreme und neonazistische Gruppen anzog, wurde der reguläre Zugang versperrt und ein Betretungsverbot verhängt. So wurden Neonazi-Umtriebe gestoppt.

Verein MERKwürdig
Im Jahr 2018 wurde das bestehende Mahnmal entlang der Westbahnstrecke revitalisiert.

Neben der Arbeitsgemeinschaft B9 Quarz engagierte sich in den letzten Jahren auch der Verein MERKwürdig für die Anlage. Christian Rabl vom Verein MERKwürdig betont die Wichtigkeit, die Stollenanlage, die zur größten bestehenden ihrer Art in Österreich gehört, zu erhalten und als Gedenkort zugänglich zu machen: „Aufgrund der historischen Bedeutung gibt es seit mehreren Jahren den Versuch, die Anlage unter Denkmalschutz zu stellen. Dies scheiterte bisher aber immer an den unklaren Zuständigkeits- und Besitzverhältnissen.“

Hauer: „Wir dürfen jetzt nicht mehr warten“

Für den Verein MERKwürdig-Obmann Alexander Hauer ist es wichtig, das Areal der Stollenanlage in Roggendorf rasch unter Denkmalschutz zu stellen. „Wir arbeiten aktuell intensiver denn je daran. Es braucht politische Erinnerungsarbeit. Wir dürfen jetzt nicht mehr warten“, glaubt Hauer daran, dass 2019 das Gelände endlich unter Denkmalschutz gestellt werden könnte. Er dankt dabei auch der Arbeitsgemeinschaft B9 Quarz, diese habe „wesentliche Basisarbeit“ geleistet.

Für Rabl sind die Orte Melk und Roggendorf in ihrer historischen Bedeutung direkt miteinander verknüpft: „Der Stollen Roggendorf ist nicht ohne die Gedenkstätte Melk denkbar!“ Zuletzt verstärkte der Verein die Vermittlungsarbeit der KZ-Gedenkstätte Melk und zog dabei auch die Stollenanlage in Roggendorf intensiv mit ein. Ein weiterer Schritt war die Revitalisierung des bereits seit dem Jahr 2002 bestehenden Mahnmals bei der ehemaligen Verladerampe entlang der Westbahn in Rogendorf. Für 2019 ist auch eine eigene Gedenkveranstaltung in Roggendorf geplant. „Diese soll das Bewusstsein für die Existenz der Stollenanlage in der lokalen Bevölkerung verankern“, betont Rabl.

Eine NÖN-Anfrage an das Bundesdenkmalamt zum Thema Denkmalschutz der Stollenanlage blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.