Fotos aus der Vogelperspektive: Weitener berichtet. Markus Haslinger aus Weiten fasziniert als fliegender Fotograf. Ein Gespräch über seine Werke, seine Motivation, Höhenangst und Risiken – und warum er es trotzdem immer wieder wagt.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 05. Mai 2021 (04:56)
Markus Haslinger (Bild rechts) fasziniert als fliegender Fotograf. Fotos: www.extremfotos.com
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Markus Haslinger bekommt bei seiner Arbeit häufig Gesellschaft. Allerdings keine menschliche, denn sein Arbeitsplatz befindet sich in der Regel zwischen Himmel und Erde.

Per Gleitschirm & Rucksackmotor durch die Lüfte

„Vorbeifliegende Vögel inspizieren mich oft, ob ich denn einer von ihnen bin“, lacht er. Per Gleitschirm und Rucksackmotor segelt der 42-jährige Extremfotograf durch die Lüfte – und eröffnet mit seinen Aufnahmen einen Blick auf Landschaften, Gemeinden, Siedlungen oder Schlösser, der sonst nur Vögeln vorbehalten ist. Seine beiden Faszinationen – das Fliegen und das Fotografieren – zu vereinen, hatte Haslinger dabei anfangs gar nicht geplant.

„Ich hab‘ immer schon gern fotografiert, auch als Kind. Fliegen war damals schon ein Wunschtraum von mir – und als es in Göstling die Möglichkeit gab, eine Ausbildung fürs Gleitschirmfliegen zu machen, bin ich da heimlich hingefahren. Meinen Eltern hab‘ ich davon nichts erzählt“, schmunzelt der gebürtige Weitener.

www.extremfotos.com
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Den ersten „Fotoflug“ legte Haslinger, damals 18 Jahre alt, schon während des Kurses zurück. „Ich wollte das einfach ein wenig dokumentieren“, erinnert er sich zurück. Die Rückmeldung der Menschen habe ihn schlussendlich dazu bewogen, beruflich mit der Kamera im Gepäck zu fliegen. „Und das treibt mich bis heute an. Einerseits die Liebe zur Natur, andererseits diese positiven Energien“, erläutert er.

Ob das nicht unheimlich schwer ist, so im Flug zu fotografieren? Und ob er denn keine Angst, geschweige denn Höhenangst hätte? „Also Höhenangst hatte ich nie, aber es gab schon hin und wieder brenzlige Situationen. Ich fliege nur, wenn ich mich wirklich fit fühle und vertraue auf meine Erfahrungen und mein Equipment. Ich habe einen gesunden Respekt vorm Fliegen“, meint Haslinger.

Im Flug die Kamera richtig einstellen

Wind, Wetter, Schwerkraft – und dabei noch ein scharfes Foto schießen: Laut dem Wahl-Melker liegt in seinen Aufnahmen aus der Vogelperspektive viel Übung.

Übung, die sich bezahlt gemacht hat: Segelt Haslinger heute in Richtung Boden, fotografiert er aus der Hand, dreht im Flug an den Rädchen der Kamera, um die perfekte Einstellung zu finden. „Wichtig ist natürlich auch, dass nichts verwackelt.“

Foto: www.extremfotos.com
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Haslinger fängt „Sehnsuchtsorte“ aller Art ein. Er selbst bezeichnet sich als „ein bisschen wachausüchtig“, liebt aber auch das kroatische Istrien an der Adria. Zwischen Olivenbäumen und im Trüffelhain ist der Fotograf schon gestartet, um die Region von oben abzulichten.

Aber so schön es am Boden auch ist: „Dieser Moment, wenn man gemeinsam mit Vögeln fliegt – da geht einfach nichts drüber. Das sind so harmonische Begegnungen, ich bin auch schon mit einem Seeadler geflogen. Es gibt nichts Schöneres.“