Anonymer Brief fordert Bürgermeister zum Rücktritt auf. Mitmasser soll ohne Gemeinderatsbeschluss 48.000 Euro Ablöse an Pächterin überwiesen haben. Der Ortschef dementiert.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 20. November 2018 (04:15)
SP-Ortschef Manfred Mitmasser steht aufgrund einer Auszahlung in der Kritik.
Gemeinde Persenbeug-Gottsdorf

Es sind schwere Anschuldigungen, die ein anonymer Kritiker gegen Persenbeug-Gottsdorfs SP-Bürgermeister Manfred Mitmasser erhebt.

48.000 Euro soll er „leichtsinnig im Alleingang verpulvert haben“, steht in dem namenlosen Schreiben, das an mehrere Medien ging. „Um keine gesellschaftlichen Probleme zu bekommen“, hüllt sich der Verfasser nach eigenen Angaben lieber in den Mantel der Anonymität.

Café Mariandl im Fokus: Ortschef unbeeindruckt

Stein des Anstoßes ist eine Debatte, die bereits vor einem Jahr geführt wurde: Ende Juni 2017 sperrte das Café Mariandl am Rathausplatz zu. Es kam zu Diskussionen mit den damaligen Mietern über die Ablöse – vor allem über die Höhe der Summe (die NÖN berichtete).

Laut der anonymen Kritik soll Mitmasser die Ablöse an die Vorbesitzerin mit Gemeindegeldern bezahlt haben – und zwar ohne den dafür notwendigen Gemeinderatsbeschluss. „Eigentlich wäre das ein Rücktrittsgrund“, schließt der Verfasser sein Schreiben ab.

Mit den Vorwürfen konfrontiert, zeigt sich Mitmasser unbeeindruckt. „Es gab sehr wohl einen Gemeinderatsbeschluss. Die Höhe der Ablöse, die 48.000 Euro, habe ich mir auch nicht aus den Fingern gesaugt, das war das Ergebnis der Steuerberatung.“

Der Bürgermeister glaubt zu wissen, wer der Verfasser des Schreibens ist – seine Mutmaßung behält er gegenüber der NÖN aber lieber für sich. „Das ist nicht meine Art, ich spiele so etwas nicht über die Medien. Noch dazu ein anonymes Schreiben. Wer kritisiert, soll auch dazu stehen.“

Jemand, der mit seiner Kritik nicht hinterm Berg hält, ist Listen-Obfrau Christa Kranzl. Sie warf Mitmasser bei dem Streit um die Ablöse im Vorjahr genau diese Verfehlungen vor, wie sie jetzt anonym in der NÖN-Redaktion einlangten. „Ich stehe dazu: Wie das abgelaufen ist, verstößt meines Wissens nach gegen die Gemeindeordnung.“

Von dem anonymen Schreiben wusste Kranzl nichts. „Vor der Gemeinderatswahl 2015 wurde ich auch in einem Brief ohne Absender angeschwärzt“, kennt sie Mitmassers Situation. „Vielleicht rührt das daher, dass das Mariandl neu verpachtet wird.“