Autor fordert Platz nach NS-Widerstandskämpfer benennen. St. Pöltner Autor fordert Gemeinde Persenbeug-Gottsdorf auf, öffentlichen Platz nach NS-Widerstandskämpfer zu benennen.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 03. März 2019 (04:00)
Schweiger, privat
In Manfred Wieningers (kleines Foto) Buch „223 oder Das Faustpfand“ thematisiert er aus Revierinspektors Franz Winklers Sicht das „Massaker von Hofamt Priel“. Er schlägt vor, einen öffentlichen Platz nach dem NS-Widerstandskämpfer zu benennen.

Es ist, auch nach all den Jahren, ein regionales Tabuthema: das Massaker von Hofamt Priel.

1945 – der Zweite Weltkrieg neigte sich dem Ende zu. Auf der Baustelle für das Kraftwerk Ybbs/Persenbeug waren Zwangsarbeiter aus Ungarn untergebracht. Es war mitten in der Nacht, als die SS-Angehörigen kamen. Die Leute dachten, sie können endlich zurück nach Hause. Doch dem war nicht so. Vom 2. auf den 3. Mai fanden rund 230 Juden in Hofamt Priel den Tod: Sie wurden aus den Baracken geholt und erschossen.

„Es war also extrem mutig von Winkler, noch zu Zeiten Hitlerdeutschlands nachzufragen und zu recherchieren“Autor Manfred Wieninger

Dieses geschichtliche Ereignis beleuchtete der St. Pöltner Autor Manfred Wieninger in seinem Buch „223 oder Das Faustpfand“. Das Werk erschien vor fünf Jahren, er wurde dafür mit dem Theodor-Kramer-Preis ausgezeichnet. Jetzt wandte sich der Autor mit einem Vorschlag an die Marktgemeinde Persenbeug-Gottsdorf: Zu Ehren des damaligen Revierinspektors Franz Winkler, der nach dem Blutbad gegen die SS-Anhänger ermittelte, sollte man einen öffentlichen Platz nach ihm benennen. „Nach dem Massaker wollte niemand im Ort etwas davon gehört oder gesehen haben. Es war also extrem mutig von Winkler, noch zu Zeiten Hitlerdeutschlands nachzufragen und zu recherchieren“, erläutert der St. Pöltner.

Nachgefragt bei SP-Bürgermeister Manfred Mitmasser, betont er, sich diese Sache genauer anzusehen. „Das müssen wir innerhalb der Gemeinde natürlich prüfen. Zudem es eigentlich auch keine Straße oder einen Platz gibt, den wir umbenennen könnten“, lässt der Ortschef wissen. Wieninger betont, dass sein Buch „wasserdicht“ recherchiert ist: Mithilfe zeitgeschichtlicher Dokumente aus Tatbestandsaufnahmen Winklers erzählt er die Geschichte über das Massaker und das schweigende Persenbeug-Gottsdorf.

Dreijährige Recherche mithilfe von Historikern

„Für die Recherche habe ich gut drei Jahre gebraucht. Quellensuche, Zeitzeugengespräche und natürlich der Re-Check mit Historikern. Das Ergebnis ist ein Roman, in dem alle Namen echt sind und der auf Fakten basiert“, gibt der Autor Einblick in seine Arbeitsweise. Warum er seinen Vorschlag an die Gemeinde erst fünf Jahre nach der Veröffentlichung vorbrachte? „Ich dachte, es passiert vielleicht von selber etwas“, zuckt er mit den Schultern.

Tobias Hochstöger aus Persenbeug befasste sich im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit mit dem „Massaker von Hofamt Priel“. Er unterstützt die Idee Wieningers: „Es wäre begrüßenswert und ein schönes Zeichen vonseiten der Gemeinde. Bislang erfolgen Gedenkinitiativen meist über Privatpersonen.“