Bad-Rettung: Die Uhr tickt in Pöchlarn. Vertrag mit bisherigen Betreibern kam nicht zustande. Stadt arbeitet an Problemlösung.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 07. April 2021 (04:57)
Das Pöchlarner Stadtbad.
Haunschmid, Haunschmid

Die Überraschung stand Indira und Niko Hasic ins Gesicht geschrieben. „Wir dachten eigentlich, dass über dieses Thema im Rahmen der Gemeinderatssitzung noch einmal gesprochen wird“, sagt Niko Hasic. Elf Jahre betrieb er als Pächter und Bademeister gemeinsam mit seinen Mitarbeitern das Pöchlarner Stadtbad. Diese Zeiten gehören nun der Vergangenheit an. Denn man sei, wie ÖVP-Bürgermeister Franz Heisler es bei der Gemeinderatssitzung vergangenen Dienstag formulierte, „trotz mehreren Gesprächen mit Hasic zu keinem Ergebnis gekommen“. Gespräche zwischen ihm und der Stadtgemeinde habe es laut Hasic in der Tat viele gegeben – aber dass man „zu keinem Ergebnis gekommen ist“, will er so nicht stehen lassen.

„Erst hieß es, dass der Vertrag auf drei Jahre aufgesetzt wird, und auch der rechtliche Vertragsinhalt stand in Absprache mit dem Bürgermeister und dem Vizebürgermeister. Beim letzten Treffen vor der Gemeinderatssitzung legte uns der Bürgermeister dann plötzlich einen Ein-Jahres-Vertrag vor“, schüttelt er den Kopf. Dann herrschte bis zur Sitzung Funkstille. Während die bisherigen Betreiber also mit einem Gespräch bei der Gemeinderatssitzung gerechnet hatten, zog Heisler den Schlussstrich.

Niko Hasic räumt diese Woche das Feld

„Wir hätten das Stadtbad gerne weitergeführt, aber nicht unter den vorgegebenen Bedingungen.“ Niko Hasic

„Wir hätten das Stadtbad gerne weitergeführt, aber nicht unter den vorgegebenen Bedingungen“, betont Hasic gegenüber der NÖN. „Wozu hätte ich sonst mein TÜV-Zertifikat für Chlorgas und Chlorgranulat erneuert, damit ich weiter als Bademeister tätig sein kann? Das hat mich 3.000 Euro gekostet. Zwei Tage nachdem ich das Zertifikat bekommen habe, wurde uns dieser Ein-Jahres-Vertrag vorgelegt“, schildert er. Zudem sollte das Unternehmen Hasic, wie er ausführt, die gesamten Kosten, die für den Betrieb der Anlage anfallen, selbst tragen: „Wie kommt man als Pächter dazu? Das war so nicht vereinbart. Wir haben das Bad elf Jahre sehr gerne und nach bestem Wissen und Gewissen geführt, wir konnten immer alle Auflagen erfüllen. Wir hätten nicht gedacht, dass es so enden muss.“

Diese Woche räumen die Hasics die Anlage – und nehmen alle Maschinen, die sie im Laufe der Jahre für den Betrieb des Stadtbades für rund 34.000 Euro angeschafft haben, mit. Währenddessen arbeitet die Stadtgemeinde an einer Lösung zur Rettung der kommenden Badsaison in Pöchlarn. Dass es bei der Gemeinderatssitzung so gut wie keine Wortmeldungen der Mandatare zu dem plötzlichen Pächter-Aus gab, verwunderte angesichts der akuten Problematik.

„Die Zeit drängt“, sagt Stadtchef Heisler. Und das tut sie wirklich: Es gibt aktuell keinen Betreiber in Aussicht und die Badesaison startet in Pöchlarn traditionell bei Schönwetter rund um den Muttertag Mitte Mai, also in weniger als fünf Wochen. Für die Öffnung von Freizeitanlagen im zweiten „Corona-Sommer“ gibt es derzeit zwar noch keine Vorgaben vonseiten der Regierung, ohne Betreiber droht das Planschen in der Nibelungenstadt aber ins Wasser zu fallen. Und noch dazu: Eigentlich sollte laut Gemeinderatsbeschluss aus dem Jahr 2017 die in die Jahre gekommene Anlage an ihrem Standort erneuert werden. Die notwendigen Arbeiten sind jetzt erstmal aber vom Tisch, wie der zuständige FPÖ-Stadtrat Andreas Willatschek berichtet – der Bad-Ausschuss ist jetzt am Zug, um in den nächsten Wochen eine Lösung zu präsentieren.

Nachgefragt bei Bürgermeister Heisler, warum es keine Einigung mit Hasic gab, betont dieser, dass man „auf keinen Nenner kam“: „Jeder hatte andere Vorstellungen. Aus vergaberechtlichen Gründen mussten wir den Vertrag auf ein Jahr aufsetzen. Die Familie Hasic hat gute Arbeit geleistet und es wäre uns natürlich recht gewesen, wenn sie das Bad weiterbetrieben hätten.“

Dass es schwer wird, in der kurzen Zeit einen neuen Pächter – mit allen Qualifikationen für diesen Job – zu finden, bestreitet Heisler nicht. „Ich gehe davon aus, dass wir als Gemeinde die Anlage betreiben werden.“

Bereits bei der Gemeinderatssitzung startete der Stadtchef einen Aufruf an die Mandatare zur Mithilfe beim Badbetrieb: „Wir sind 23 Gemeinderäte. Es gibt Arbeiten im Bad, die wir erledigen können.“ Jeder Gemeinderat könne ja, wie Heisler meinte, „mal einen halben Tag mit anpacken“.