Hilfe für die heimischen Fledermäuse

Erstellt am 06. Oktober 2021 | 05:15
Lesezeit: 3 Min
Wenig Nahrung, wenig Unterschlupf: Wie die Schüler der Öko-Mittelschule Pöchlarn den Tieren helfen.
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„Wow, ist die cool!“ Die kleine Bartfledermaus zeigt ihre Zähne, flattert mit den Flügeln – die Schüler der Öko-Mittelschule Pöchlarn staunen. So nah waren sie noch nie an einer Fledermaus dran.

„Das war natürlich das Highlight“, lacht Katharina Bürger. Im Rahmen des Projekts „Naturlandschätze – meine Gemeinde macht mit“ informierte die Expertin von der Koordinationsstelle für Fledermausschutz und -forschung Österreich (KFFÖ) über die Tiere und ihre Lebensart. Und zwar vormittags im Klassenzimmer, abends im Brunnenschutzgebiet: Die dritten und vierten Klassen gingen bei einem Fledermausspaziergang auf die Suche nach den nachtaktiven Säugern. Und jene zähnezeigende Bartfledermaus ging ihnen dabei ins Netz. Erstaunlich scharf wirken die kleinen spitzen Zähne, die sie zur Jagd von Insekten benötigen.

„Die haben wir uns aus der Nähe angesehen, mittels Detektor konnten wir aber auch Rufe anderer Fledermäuse hören. Anhand ihrer Rufe lassen sich die Arten zum Teil bestimmen“, berichtet Bürger. Deswegen wurden auch drei Nächte lang Voruntersuchungen geführt. „Wir konnten in diesem Zeitraum neun Arten im Brunnenschutzgebiet nachweisen.“ Damit das auch so bleibt – und noch mehr Fledermäuse in Pöchlarn die Flügel spannen –, greifen die Schüler im Werkunterricht nun zu Holz, Hammer und Nägel.

Fledermausschutz im Werkunterricht

„Es gibt aktuell 25 Fledermausarten in Niederösterreich. Früher waren es 26: Die Langflügelfledermaus konnten wir aber schon seit 30 Jahren nicht mehr nachweisen, sie ist quasi regional ausgestorben“, informiert die Expertin. Das Insektensterben und die Zerstörung der Umwelt sowie ihrer Lebensräume gefährden die Tiere. „Jede Fledermausart ist individuell, etwa in der Auswahl der Quartiere. Manche leben gerne in Kirchtürmen, andere in Dachböden oder Spalten. Und: Sie beziehen im Jahr verschiedene Quartiere.“ Nach der Paarungszeit leben Männchen und Weibchen etwa getrennt. „Die Weibchen beziehen dann mit Artgenossinnen und ihrem Nachwuchs die sogenannten Wochenstubenquartiere“, gibt die Fledermausexpertin Einblick. Um bei der „Wohnungsnot“ zu helfen, bauen die Schüler jetzt Fledermausersatzquartiere. „Und zwar sogenannte Flachkästen, also im Prinzip ein sehr schmaler Kasten, dazwischen ein Spalt von ein bis zu maximal drei Zentimetern. Diese Unterkünfte sind bei Spaltenbewohnern beliebt“, erläutert Bürger.

Fledermaus im Haus: „Viele haben Angst“

Die Vielfalt der Fledermäuse hat die Wahl-Niederösterreicherin mit Wurzeln in Kärnten in den Bann gezogen – und dass, obwohl sie eigentlich Meeresbiologie studiert hat. Den Erstkontakt mit den Fledermäusen hatte Bürger in Panama: „Als ich wieder zuhause war, hab’ ich mich den heimischen Fledermäusen gewidmet. Und dann hat mich schnell die Faszination gepackt.“ Heute engagiert sich die Niederösterreich-Koordinatorin der KFFÖ auch für den Höhlenschutz.

Wer eine verletzte Fledermaus findet oder eine bei sich zuhause entdeckt, soll das übrigens bei der KFFÖ melden: „Wir kümmern uns um ‚Findlinge‘ und geben Rat. Viele haben Angst, wenn eine Fledermaus im Haus ist, dabei sind sie nützlich und verursachen – anders als Mäuse – keinen Schaden.“

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