Orndinger fand 5.000 Jahre alten Dolch. Bisher unerkannt hatte ein Orndinger einen Feuersteindolch aus der Zeit des Ötzi in seiner Sammlung.

Von Michael Unger. Erstellt am 07. März 2017 (05:00)
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Dieser knapp fünf Zentimeter große Feuersteindolch stammt aus den Bergen bei Verona.
Binsteiner

Der Geologe und Geoarchäologe Alexander Binsteiner spricht von einem „spektakulären Artefakt“, das es möglich mache, die Handelsverbindungen vor rund 5.000 Jahren zu rekonstruieren. Die Rede ist von einem nur knapp fünf Zentimeter großen Feuersteindolch aus der Jungsteinzeit.

Fundstück aus Lessinischen Bergen

Gefunden hat diesen Christian Enengl aus Ornding. Der Sammler wusste aber zunächst nicht, was er da in Händen hält. Bei einer Materialaufnahme im Auftrag der niederösterreichischen Landesarchäologie erkannte Binsteiner nun, was es mit dem kleinen Steinwerkzeug auf sich hat. Nach genauer mikroskopischer Analyse stamme das Stück „ohne den geringsten Zweifel“ aus den Lessinischen Bergen (Monti Lessini) nördlich von Verona in Oberitalien.

„Dort lagen die Bergwerke, aus denen die Zeitgenossen des Ötzi die Feuersteine zur Herstellung ihrer Geräte gewannen“, erklärt der Geologe. Der Dolch stammt aus der Spätphase des Neolithikums, er wurde etwa zwischen 3.300 und 3.000. vor Christus angefertigt. Es ist der einzige Dolch dieser Art in ganz Österreich. Wie hat er es aus dem über 600 Kilometer entfernten Gebirge in den Bezirk Melk geschafft?

Über Inn und Donau nach Melk geschafft

Die wertvolle Handelsware wurde wahrscheinlich über den Alpenhauptkamm nach Norden und dann via Inn und Donau nach Melk transportiert.

Darauf deuten ähnliche Funde in Passau (Donau) und bei Rosenheim (Inn) hin. Wasserwege seien die „Autobahnen der Jungsteinzeit“ gewesen, sagt Experte Binsteiner. Auf diese Weise ist es mit Funden wie diesem möglich, die Handelswege aus der Zeit des Ötzi nachzuzeichnen.

Ursprünglich dürfte das Werkzeug um einige Zentimeter länger gewesen sein. „Dann brach, wie bei vielen dieser Dolche, die Spitze ab. Der Besitzer wollte offenbar auf sein gutes Stück nicht verzichten und arbeitete das Gerät im Vorderteil einfach nach. Die Griffzunge an der Dolchbasis, die in einer Holzschäftung steckte, blieb dabei unverändert erhalten“, fasst Alexander Binsteiner die Ergebnisse seiner Untersuchung zusammen.