„Watschn“ als trauriger Höhepunkt im Wahlkampf. Wild-West-Szenen spielten sich auf Ball der Landjugend in Pöggstall ab. Gemeinderat Simoner teilte an VP-Mandatar Ohrfeige aus.

Von Markus Glück. Erstellt am 21. Januar 2020 (05:12)
Liste Leben-Vizebürgermeister Anton Eder teilt gegen Martin Aigner aus. Für Johannes Simoner war es kein „politischer Streit“.
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Eine Ohrfeige für einen VP-Lokalpolitiker beim vergangenen Bezirksball der Landjugend in Pöggstall sorgt derzeit für einiges an Gesprächsstoff in der Gemeinde. Monatelange Anfeindungen und Verunglimpfungen gegen VP-Gemeinderat Martin Aigner gipfelten beim Ballereignis in einer Ohrfeige von Gemeinderat Johannes Simoner (Liste Leben).

Vor wenigen Monaten waren beide noch Parteikollegen bei der VP-nahen Liste Leben, im Herbst entschied sich Aigner bei der kommenden Gemeinderatswahl für die ÖVP anzutreten – danach begannen laut Aigner die Anfeindungen in seiner Katastralgemeinde Neukirchen am Ostrong. Ab dem Zeitpunkt war Aigner der Buhmann, auch Vizebürgermeister Anton Eder (Liste Leben), ebenso aus Neukirchen und dort von einigen als heimlicher Ortskaiser bezeichnet, drohte Aigner. „Er hat mir gesagt, dass ich in Neukirchen keine Freunde mehr haben werde. Es ist gerade absolut keine leichte Zeit für mich. Ich habe aber Freunde, die mir helfen“, erklärt Aigner.

„Sollte sich die Sache bewahrheiten, werden wir ihm nahelegen, auf sein Mandat zu verzichten.“Anton Eder, Vizebürgermeister, Liste Leben

Den Vorfall am Ball bestätigt der Gemeinderat. Er habe mit einer anderen Person gesprochen, als plötzlich die Ohrfeige von Simoner kam. Eine Anzeige bei der Polizei gab es dann aber nicht. „Ich wollte wegen den Wahlen keine Anzeige erstatten. Immerhin war ich nicht verletzt“, sagt Aigner.

Liste Leben-Vizebürgermeister Anton Eder teilt gegen Martin Aigner aus.
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Simoner, der die Watsche an Aigner austeilte, betont im NÖN-Gespräch, dass es beim Konflikt um nichts Politisches gegangen sei. „Es ist eine private Geschichte, bei der es um den Sportverein gegangen ist. Die Sache hat sich aufgestaut, nach einer halben Minute war der Konflikt aber vorbei“, meint Simoner.

Zwischen Simoner und Eder fand zum Vorfall noch kein Gespräch statt. „Ich war selbst nicht dabei, habe aber davon gehört. Sollte sich bewahrheiten, dass es zu Handgreiflichkeiten, in die einer unserer Kandidaten verwickelt war, gekommen ist, werden wir ihm nahelegen, auf sein Mandat zu verzichten“, so Eder. Dieser will auch den Grund für den plötzlichen Frontenwechsel von Aigner kennen. So habe Aigner der Gemeinde eine gewünschte Straße versprochen. Besagte Straße steht tatsächlich im beschlossenen Straßenbauprogramm für die nächsten Jahre. „Ein absoluter Blödsinn“, bekräftigt Aigner, „die Straße ist schon seit Jahren Diskussionsgegenstand. Eder wollte damals, dass wir 60 Prozent selber zahlen. Das haben wir damals abgelehnt.“

Das Auftreten von Vizebürgermeister Eder sorgt derzeit aber auch in Neukirchen für Verstimmungen. So soll Eder, der auch Feuerwehr-Kommandant ist, den Feuerwehrkollegen gedroht haben, kein neues Feuerwehrauto zu erhalten, wenn sie ihn nicht wählen würden.

Eder widerspricht Gerüchten über FF-Auto

VP-Ortschefin Margit Straßhofer wurde über den Vorfall informiert.
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„Stimmt nicht. Wir wurden von Bürgermeisterin Margit Straßhofer trotz vertraglicher Vereinbarung nicht zur Budgeterstellung eingeladen. Weil wir danach gegen das Budget gestimmt haben, will mir die ÖVP jetzt daraus einen Strick drehen. Man hat mir gedroht, dass es durch meine Enthaltung kein Feuerwehrauto geben werde“, ärgert sich Eder, der auf einen einstimmigen Gemeinderatsbeschluss zum Ankauf eines HLF3 verweist.

Straßhofer erklärt, dass sie von Aigner über den Vorfall informiert worden sei, und fordert gleichzeitig auch Konsequenzen: „Kein Bürgermeister hat eine Freude, wenn so etwas in einer Gemeinde passiert. In meiner Fraktion würde ich so einen Vorfall nicht dulden.“