Melker Politiker zu Regierungskrise: „Image angekratzt“

Während ÖVP-Bezirkschef Strasser Kurz verteidigt, teilen die anderen Bezirksparteien hart gegen Ex-Regierungschef aus.

Erstellt am 13. Oktober 2021 | 04:16
Sebastian Kurz im Höhenflug
Sebastian Kurz
Foto: APA

Als Bauernbund-Präsident war ÖVP-Bezirksobmann und Nationalratsabgeordneter Georg Strasser in der ersten Reihe der türkis-grünen Regierungskrise. Trotz der zahlreichen Vorwürfe und Chatnachrichten macht Strasser Ex-Bundeskanzler Kurz weiterhin die Mauer: „Für seinen Schritt in den Klub zu wechseln, spreche ich Sebastian Kurz Respekt und Anerkennung aus. Er sorgt mit diesem Schritt für Stabilität in der Regierung.“ Strasser musste in den vergangenen Tagen aber auch Kritik einstecken. So schmeckte nicht allen Bauernbund-Funktionären die aktuelle Vorgehensweise und gerade auf Strassers Facebookseite und der des Bauernbundes setzte es deftigere Töne. „Vorverurteilungen lehne ich ab, weil über Schuld und Unschuld die Gerichte entscheiden. Ich stehe zu Parteiobmann und Partei“, betont Strasser.

„Kurz-Partie scheinheilige und machtgeile Truppe“

Persönlich finde er zwar die Wortwahl von Kurz in den Chatnachrichten nicht angemessen: „Kurz hat aber deutlich zum Ausdruck gebracht, dass er solche Formulierungen, nicht mehr verwenden würde.“ Und er ist sich sicher: „Alle Vorwürfe werden sich entkräften lassen.“

Deutlich härter urteilt Grünen-Bezirkssprecher Emmerich Weiderbauer. „Die Partie rund um Kurz ist eine scheinheilige, machtgeile Truppe, die alles tut, um ihre Macht zu erhalten. Ich frage mich, wie dies mit der ÖVP und ihren christlichen Werten zusammenpasst. Kurz hat keinen Anstand“, teilt Weiderbauer aus. Froh ist er allerdings trotzdem, dass die Regierungsarbeit fortgesetzt werden kann. „Kurz‘ politisches Image ist zwar so angekratzt, dass er sich eigentlich vertschüssen müsste. Positiv ist aber, dass wir Grünen noch einige wichtige Punkte umsetzen können“, sagt Weiderbauer.

Gewohnt deftig urteilt FPÖ-Bezirksobmann Richard Punz. Für ihn zeigen das „weinerliche Schauspiel“ und die „moralische Verwahrlosung“ der ÖVP ein Sittenbild, das das Vertrauen in die Politik erschüttert. „Skandale, Bestechung, Korruption und Verrat scheinen die Eckpfeiler im türkisen Staat zu sein. Da gibt es nichts schönzureden, das geht sich einfach nicht aus. Anstatt Verantwortung zu übernehmen, flüchtet Kurz als Klubobmann in die parlamentarische Immunität“, ärgert sich Punz.

Für SPÖ-Nationalratsabgeordneten Alois Schroll ist der Schritt ebenso „völlig unzufriedenstellend“: „Das System Kurz bleibt. Die Chatverläufe sind beschämend. Er muss aus allen Ämtern zurücktreten. Mir tut besonders weh, dass durch seine Machtspiele eine Kinderbetreuung für 1,2 Milliarden Euro zunichtegemacht wurde.“

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