„Testen macht frei“: Aufregung über Nazi-Vergleich. Für laute Kritik sorgt ein Posting in der der WhatsApp-Gruppe der Bischofstettner Gemeinderäte.

Von Michael Bouda. Erstellt am 30. Dezember 2020 (12:06)
Von links nach rechts: SP-Gemeinderat Franz Punz, VP-Bürgermeister Werner Nolz, FP-Gemeinderat Hannes Grenl.
privaz (Punz und Grenl) bzw. NÖN

FP-Mandatar Hannes Grenl veröffentlichte gestern Abend eine Fotomontage, auf der, in schwarz-weiß, der Eingang zum Konzentrationslager Auschwitz zu sehen ist, statt der Aufschrift „Arbeit macht frei“ ist „Testen macht frei“ zu lesen.

SP-Gemeinderat Franz Punz
privat

„Das war für mich etwas so Erschütterndes“, blickt SP-Gemeinderat Franz Punz im Gespräch mit der NÖN auf das Posting zurück. „Für diesen Vergleich findet man eigentlich keine Worte“, kritisiert Punz, dass damit die „Verbrechen der NS-Diktatur gröblich verharmlost“ würden.

"Während ich auf der einen Seite den Unmut vieler über die derzeitige Situation verstehen kann - psychische Belastungen, finanzielle Schäden usw. -, so hört mein Verständnis an dem Punkt auf, wenn die Schrecken und das Leid von sechs Millionen Menschen, die im Holocaust gestorben sind, mit den Schwierigkeiten der Pandemie verglichen werden."

VP-Bürgermeister Werner Nolz
NOEN

Kein Verständnis zeigt auch Bischofstettens VP-Bürgermeister Werner Nolz. „Das hat keinen Platz“, sagt Nolz und fügt hinzu: „Das ist natürlich verwerflich.“

Gegenüber der NÖN rechtfertigt FP-Gemeinderat Grenl das Posting, weil durch die Coronamaßnahmen der Bundesregierung Menschen in ihren Freiheitsrechten eingeschränkt würden. Das Bild, das er nicht angefertigt, sondern nur weitergeleitet habe, sei „nicht verharmlosend“, weil die Ausgangsbeschränkungen samt weiterer Maßnahmen einem „Kriegszustand“ gleichen würden.

„Ich habe mir gedacht, das passt mit dem Einsperren. Bei den angedachten Maßnahmen darf ein Nicht-Geimpfter das nicht und darf das nicht – ein Jude darf das nicht und darf das nicht. Das ist für mich nicht richtig, deshalb stimmt für mich der Vergleich sehr wohl“, sagt Grenl und betont, dass dies seine Meinung als Privatperson sei. „Das ist meine private, persönliche Meinung und hat nichts mit der Partei zu tun.“

FP-Gemeinderat Hannes Grenl
privat

Er sei dabei explizit „kein Corona-Leugner“. „Die Krankheit gibt es“, sagt Grenl. „Es gibt viele Tote dadurch und jeder einzelne ist zu beklagen. Aber das alles sollte meiner Ansicht nach in Relation gesetzt werden zur Grippe oder anderen Pandemien.“

Auf die Frage, warum er die Kritik mit einem Bild der Nazi-Zeit transportierte, meint Grenl: „Es geht um die Form, die Herrschaft. Jede Meinung, die von der des Mainstreams abweicht, ist falsch. Es gibt nichts mehr außer Schwarz und Weiß.“

Mehr zum umstrittenen Posting lesen Sie in der nächsten Ausgabe der Melker NÖN sowie im ePaper.