Ganz ohne Bling Bling: „Knecht Albrecht“ im Interview. Ganz ohne Bling über sein Rap-Debüt, Proll-Gehabe und seine Heimat Melk.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 02. März 2019 (04:00)
Matejschek
Bis 8. März gibt es noch die Chance, an den „Open Stage Concerts“ teilzunehmen. Der Gewinner darf als Supporting Act von Jakob Kammerer alias „Knecht Albrecht“ in der Tischlerei spielen.

Der 27-jährige Jakob Kammerer aus Melk erobert seit 2015 mit dem „Kammerer Orköster“ die Jazz-Szene Österreichs. Jetzt lässt er als Rapper „Knecht Albrecht“ aufhorchen.

NÖN: Ein Eklat bei einer Eisdisco im Vorjahr zeigte: Gangsta-Rap und Melk, diese Kombination steht unter keinem guten Stern. Oder beweisen Sie das Gegenteil?

Jakob Kammerer: Ich kann nur so viel sagen: Wäre dort „Knecht Albrecht“ gelaufen, hätte es keinen Eklat gegeben (lacht). Ich bin jedenfalls keiner, der nur Kraftausdrücke aneinanderreiht.

Trotzdem sind das ganz andere Töne, als man von Ihnen gewohnt ist. Als einer der Gründer vom „Kammerer Orköster“ sind Sie seit 2015 – sehr erfolgreich – im Jazz zuhause.

Kammerer: Man sollte es nicht glauben, aber da gibt es schon Parallelen. Beim „Kammerer Orköster“ komponiere ich, als „Knecht Albrecht“ schreibe ich die Songs und Texte. Da sitzt man jedes Mal aufs Neue vor einem weißen Blatt. Unterschiedlich wird es auf der Bühne. Als Schlagzeuger agiere ich von der hinteren, als Rapper von der vorderen Bühnenkante aus.

Und als Gangsta-Rapper erfüllen Sie jegliches Klischee der Szene und rappen über Geld, Frauen und glitzernde Besitztümer?

Kammerer: Das ist aber jetzt wirklich das Klischee par excellence. Ich mag wohlformulierten, melodischen Rap. Selber texte ich über das, was ich erlebe und was mir gefällt. Mein erster Song handelt etwa von Hummeln. Die sollten nämlich aufgrund der Größenproportionen von Körper und Flügel gar nicht fliegen können, aber sie tun es einfach. Im Song stell ich mir die Frage, was dann eigentlich noch alles so möglich sein müsste.

Das klingt wirklich nicht nach Proll-Gehabe.

Kammerer: Aber natürlich hab ich aber auch einen etwas prolligen Song, schließlich bin ich Rapper (lacht).

Sie absolvieren derzeit Ihren Master in Komposition in Köln, haben Ihre Wurzeln in Melk. Was verbindet Sie mit der Heimat?

Kammerer: Meine Familie und Freunde, aber auch die Wachaukultur Melk. Ich habe alle meine Ferialjobs bei den Sommerspielen verbracht und als die Tischlerei vor zehn Jahren entstand, hab ich auf der Baustelle mitangepackt. Toll, was daraus geworden ist. Ich freue mich immer sehr, hier zu sein!