Neue Planstelle sorgt für Unmut. Mank und Kirnberg müssen sich eine Planstelle teilen. Eine Konsequenz bekommt auch St. Leonhard zu spüren.

Von Michael Bouda. Erstellt am 27. November 2018 (05:01)
Symbolbild

Drama wäre ein zu negativ behaftetes Wort, an plötzlichen Wendungen fehlt es der Arztsuche in der Region Mank aber nicht, an deren vorläufigem Ende der Wechsel von Allgemeinmediziner Hansjörg Fedrizzi von St. Leonhard nach Kirnberg steht.

Was ist passiert? Sowohl Mank als auch Kirnberg haben für eine Planstelle für Allgemeinmedizin angesucht. Die zuständigen Stellen – die Ärztekammer für Niederösterreich und die NÖ Gebietskrankenkasse (NÖGKK) – kamen bei ihrer Prüfung aber zu dem Schluss, dass eine Planstelle reiche. „Aufgrund der regionalen Nähe sowie unter Berücksichtigung der Einwohnerzahlen und des Pendlerverhaltens ist in dieser Region maximal Bedarf für eine weitere Planstelle gegeben“, erläutert Barbara Mann von der Pressestelle der NÖGKK die Entscheidung.

"Es kann nicht sein, dass ein Arzt an einem Apothekenstandort finanziell benachteiligt wird.“Martin Leonhardsberger, Bürgermeister, Mank

Die Lösung besteht nun darin, dass eine sogenannte „Alternativplanstelle“ geschaffen wird, „bei der der Bewerber selbst über den genauen Standort seiner Ordination entscheiden kann“, wie Barbara Mann weiter ausführt. Somit wird es nur in Mank oder in Kirnberg eine neue Planstelle geben.

Nach jetzigem Kenntnisstand wird diese Hansjörg Fedrizzi, seines Zeichens langjähriger Allgemeinmediziner in St. Leonhard, besetzen. „Ich war persönlich etwas überrascht, dass ich der einzige Interessent für diese neu geschaffene Kassenplanstelle war und dass mir diese daher auch zugesprochen wurde, was bescheidmäßig jedoch noch nicht ausgefertigt ist“, erklärt Hansjörg Fedrizzi.

Der praktische Arzt wird sich für Kirnberg als Ort für seine Ordination entscheiden. Eine maßgebliche Rolle bei diesem Entschluss hat die Möglichkeit der Führung einer Hausapotheke gespielt. Denn dies ist rechtlich nur möglich, wenn eine öffentliche Apotheke mehr als sechs Straßenkilometer entfernt ist, was weder auf Mank noch auf St. Leonhard zutrifft.

„Ich bin seit fast zwei Jahrzehnten als Kassenarzt für Allgemeinmedizin in St. Leonhard tätig und hatte von Anfang an die Möglichkeit der Führung einer ärztlichen Hausapotheke“, schildert Hansjörg Fedrizzi, dass damit Wirtschaftlichkeit wie Versorgung optimal sichergestellt gewesen seien. Nun stehe aber eine schwerwiegende Veränderung ins Haus. Fedrizzi: „Aufgrund des Apothekengesetzes werden die Hausapotheken in St. Leonhard mit 1. Jänner 2019 geschlossen. Somit ist ein wesentlicher Pfeiler für meine Arbeit als Landarzt nicht mehr gegeben.“

Nachdem in Kirnberg die Möglichkeit der Führung einer Hausapotheke besteht, fiel die Entscheidung Fedrizzis nun dahingehend aus. Unterm Strich bedeutet das: Kirnberg bekommt eine Ordination für Allgemeinmedizin, Mank geht beim Ansuchen um eine zweite Planstelle leer aus und St. Leonhard muss sich auf die Suche nach einem Nachfolger für Hansjörg Fedrizzi begeben.

Nachvollziehbarerweise ist die Freude in Kirnberg groß. „Ich wusste nicht, dass es so etwas wie eine Alternativplanstelle gibt“, erklärt Bürgermeister Leopold Lienbacher (VP) und fährt fort: „Aber wenn sich der Arzt für Kirnberg entscheidet, ist das natürlich eine ganz tolle Chance, erstmalig eine Ordination mit einem Arzt für Allgemeinmedizin zu bekommen.“

"Bemühen uns, ein Ärztezentrum zu entwickeln"

Ebenfalls nachvollziehbar ist, dass sich die Freude in Mank und St. Leonhard in Grenzen hält. „Wir bemühen uns, ein Ärztezentrum zu entwickeln. Und da war die zweite Kassenstelle von Beginn an ein Baustein. Es wird jetzt nicht unmöglich, aber deutlich schwieriger“, spricht Manks VP-Ortschef Martin Leonhardsberger von einem Rückschlag für das Projekt. Anton Hikade, Gemeinderat und SP-Vorsitzender Mank-Kirnberg-Texing, weist ebenfalls darauf hin, dass ein Ärztezentrum wünschenswert wäre: „Das würde die Stadt Mank und die ganze Region aufwerten.“

Den konkreten Personen könne man dabei keinen Vorwurf machen, betont Leonhardsberger, vielmehr kritisiert er die rechtlichen Rahmenbedingungen: „Die Aufteilung zwischen Ärzten und Apotheken müsste vernünftig geregelt werden. Es kann nicht sein, dass ein Arzt an einem Apothekenstandort finanziell benachteiligt wird.“ Es müsse die medizinische Versorgung der Bevölkerung im Vordergrund stehen.

Zwei Nachbesetzungen im nächsten Jahr

In dieselbe Kerbe schlägt sein St. Leonharder Amtskollege Hans-Jürgen Resel (VP): „Die Leidtragenden sind die Leute in den Gemeinden, die Patienten.“ Geht der Wechsel, wie geplant, über die Bühne, wäre die Stelle in St. Leonhard voraussichtlich im Herbst 2019 nachzubesetzen. Erschwerend kommt allerdings hinzu, dass mit Ende 2019 Ingrid Lebersorger-Berger, die zweite praktische Ärztin in der Gemeinde, in Pension geht und nächstes Jahr somit zwei Allgemeinmediziner gesucht werden müssen. Resel: „Wir stehen vor einer Herausforderung.“

Hansjörg Fedrizzi betont, dass es ein Abschied mit einem lachenden und einem weinenden Auge sei. Einerseits spreche viel für Kirnberg, andererseits: „Die Entscheidung, meine Ordination unter den genannten Umständen zukünftig zu verlegen, ist mir nicht leicht gefallen, da dies naturgemäß zu berechtigten Irritationen meiner lieb gewonnenen Patientenschaft in St. Leonhard und Umgebung führen wird.“

Das Resultat ist ein Gewinn für Kirnberg und ein zumindest zwischenzeitlicher Verlust für Mank und St. Leonhard. Dass damit nicht alle in der Region zufrieden sind, kann auch Peter Gonda, Präsident der NÖ Apothekerkammer, nachvollziehen: „Vielleicht wurde da etwas nicht bedacht bei der Ausschreibung.“