Jungbunzlauer vor Unterschrift: Kritik hält an. Grüne küren Projekt zum Schildbürgerstreich, kritisieren ÖVP, EVN und Ecoplus und hoffen auf Hilfe von Stift Melk.

Von Markus Glück. Erstellt am 27. Februar 2018 (05:01)
Glück
Für die Grünen wäre der Werksbau ein Schildbürgerstreich. Im Bild: Bettina Schneck, Emmerich Weiderbauer, Helga Krismer und Helmut Paul Wallner.

Die geplante Errichtung eines Werks der Firma Jungbunzlauer veranlasste die Grünen, den geplanten Industrie-Bau auf der Donauwiese zum Schildbürgerstreich des Monats zu küren. „ Eine derartig große Industrieanlage wollen wir in diesem Gebiet nicht haben“, setzt sich die Grüne-Klubobfrau Helga Krismer für den Erhalt des Donauraums und das angrenzende Natura-2000-Gebiet ein.

Sie warnt auch vor dem Gestank und dem Lärm durch die Fabrik, der allerdings von Projektbefürwortern und Besuchern des Werks im Bezirk Mistelbach im Rahmen einer Betriebsbesichtigung in Abrede gestellt wird.

„Ich weiß, was in Niederösterreich gebogen und getrickst wird. Ich bin aber sicher, dass dieses Verfahren nicht durchgehen wird.“Helga Krismer, Grüne

Unterstützung für die Projektgegner gibt es auch von Noch-Landtagsabgeordneten Emmerich Weiderbauer (Grüne): „Ich will hier kein Kraftwerk, wo in drei Schichten das ganze Jahr gearbeitet wird und das Tag und Nacht beleuchtet ist. Das schadet der Region.“

Krismer: "Ecoplus soll anderes Grundstück suchen"

Nicht sparsam geht Krismer auch mit Kritik an den handelnden Person um. So versteht sie nicht, warum die Firma Ecoplus, deren Eigentümer das Land NÖ ist, dieses Grundstück für dieses Projekt vermittelt: „Ecoplus soll ein anderes Grundstück suchen, wo ein derartiger Bau besser verträglich ist.“

Nachgefragt bei Ecoplus erklärt Geschäftsführer Helmut Miernicki, dass die Firma Jungbunzlauer eines der international erfolgreichsten niederösterreichischen Unternehmen ist und aufgrund des Erfolges expandieren möchte: „Sie sind mit den Rahmenbedingungen in Niederösterreich zufrieden und wollen neue zukunftsträchtige Arbeitsplätze schaffen.“ Ecoplus hat für die Vorhaben gemeinsam mit Jungbunzlauer in verschiedenen Regionen das Projekt evaluiert, dabei ist die Region in der engeren Auswahl. „Um ein Projekt zu realisieren, braucht es aber entsprechende verwaltungsbehördliche Verfahren“, betont Miernicki.

Auf dieses behördliche Verfahren hofft auch Krismer, und zwar, um das Projekt doch noch zu verhindern: „Ich weiß, was in Niederösterreich gebogen und getrickst wird. Ich bin mir aber sicher, dass, im Sinne des Landschaftsbildes, dieses Verfahren nicht durchgehen wird.“

In die Mangel nimmt die Grüne-Klubobfrau aber auch die EVN, die Besitzer der meisten betroffenen Grundstücke ist. „Mikl-Leitner soll zum Hörer greifen und klar machen, dass das Land NÖ als Hauptaktionär der EVN, das nicht möchte,“ poltert Krismer und nimmt dabei auch die VP-Abgeordneten aus dem Bezirk in die Pflicht: „Diese befinden sich trotz Mehrheit im Land bei diesem Thema auf Tauchstation.“

Grüne hoffen auf Hilfe von Stift Melk

Der Pressesprecher der EVN, Stefan Zach, bestätigt auf NÖN-Anfrage, dass die Firma Jungbunzlauer an die EVN herangetreten ist, und auch erste gute Gespräche geführt wurden. „Da kein Bedarf an thermischen Kraftwerken gegeben ist, benötigen wir das Grundstück nicht mehr. Wir setzen auf erneuerbare Energie“, betont Zach.

In der Tat erwarb die EVN vor fast 40 Jahren für den Bau eines Kohlekraftwerks einige Grundstücke in diesem Bereich, der Plan wurde danach allerdings zugunsten des Donaukraftwerks Melk verschoben.

Eine nicht unwesentliche Rolle spielte damals auch der Tourismusmagnet Stift Melk, auf dessen Hilfe die Grünen jetzt wieder hoffen: „Die Stifts-Verantwortlichen haben bereits damals die Kraftwerkspläne zum Teufel geschickt. Ich wünsche mir, dass das Stift wieder für die Bürger und den Tourismus kämpft.“