"Ritter der Au“: Weltkulturerbe als Joker?. Da möglicher Firmenstandort nah an Wachau liegt, wittern „Ritter der Au“ Chance, Werkspläne zu kippen. Jungbunzlauer-Vertreter zeigt sich davon aber unbeeindruckt.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 13. März 2018 (04:40)
Christoph Schaufler
Scheitern die Jungbunzlauer-Pläne vielleicht an der Nähe zur Wachau und dem Stift Melk? Die „Ritter der Au“ pochen auf Unesco und UVP-Verfahren. Die rot eingekreiste Stelle zeigt die mögliche Werksansiedlung.

An der „Tafelrunde“ der „Ritter der Au“ sitzen zwei neue Gesichter. Die Anwälte Wolfgang List und Paul Nagler verstärken die Bürgerinitiative im Kampf gegen die mögliche Zitronensäurefabrik von Jungbunzlauer in Bergern. Und für die Rechtsvertretung ist klar: Diese Werkspläne bringen sie zu Fall. Als Ass im Ärmel sehen sie die Lage des möglichen Firmenstandorts. Zu nah sei es an der Wachau und ihrem Wahrzeichen, dem Stift Melk.

List: "Zerstörungsprojekt direkt an Toren der Wachau"

„Dass so ein Zerstörungsprojekt direkt an den Toren der Wachau geplant wird, ist rechtlich äußerst problematisch“, hält Wolfgang List fest, „Österreich ist schließlich zum Erhalt des Weltkulturerbes verpflichtet.“ Auch wenn das betroffene Gebiet nicht im Weltkulturgebiet liegt. Übrigens auch nicht im Areal von Natura2000 – das macht einen Bogen um Bergern und grenzt somit nur daran. „Dennoch hätte so eine Produktionsstätte zweifelsohne direkte Auswirkungen auf diese schützenswerten Flächen“, sagt List.

Von den Konsequenzen wären auch Flora und Fauna, etwa Silberreiher und Silberpappel, direkt betroffen: „Grenzen, die der Mensch zieht, gelten nicht für Tiere. Sie machen keinen Unterschied, ob die Au im Unesco-Gebiet liegt oder nicht.“

„Wir pochen auf eine Umweltverträglichkeitsprüfung. Lärm, Geruch, Beeinschränkungen des Landschaftsbildes, dazu noch die Nähe zum Weltkulturerbe und Natura 2000-Gebiet – das sind schlagkräftige K.o.-Kriterien“, wittern List und Nagler Chancen, die Pläne zu kippen.

„Werk wird man vom Stift aus nicht sehen“

Und wie reagiert Jungbunzlauer auf dieses Aufgebot? Unbeeindruckt. „Erstens grenzt der mögliche Firmenstandort nicht direkt an das Natura-2000-Areal, ein Weg ist dazwischen. Und zweitens wird man das Werk vom Stift aus gar nicht sehen“, meint Josef Gaß, Leiter für Produktion und Technologie von Jungbunzlauer. Dass ein UVP-Verfahren durchgeführt werden wird, steht für Gaß außer Frage.

„Natürlich stellen wir uns allen Gutachten und Überprüfungen. Zuerst war es der Lärm, der Geruch und jetzt ist es die Nähe zum Weltkulturerbe. Nur weil jemand am lautesten schreit, hat er nicht zwingend recht“, stichelt der Jungbunzlauer-Vertreter in Richtung der „Ritter“. Und er legt nach: „Diese, meiner Meinung nach kleine Gruppe, sträubt sich einfach gegen jede Veränderung. Ich habe den Eindruck, dass die Mehrheit der Bevölkerung nichts gegen unsere Firmenansiedlung hat.“