Wirbel um geplantes Jungbunzlauer-Werk. Die Firma Jungbunzlauer evaluiert derzeit Standort in der Region Pöchlarn. Noch bevor etwas fixiert ist, sorgen Projektgegner für Gegenwind: „Geht um Flora und Fauna.“

Von Denise Schweiger und Jutta Streimelweger. Erstellt am 31. Oktober 2017 (05:00)
Jutta Streimelweger
Hier könnte die neue Produktionsstätte der Firma Jungbunzlauer entstehen. Derzeit läuft ein Evaluierungsprozess.

Seit 50 Jahren lebt Karin Selhofer in Freiningau (Zelking Matzleinsdorf) im Einklang mit der Natur: „Ich genieße es, spazieren zu gehen, die Tiere in der Au zu beobachten.“ Doch diesen Frieden sieht die Sekretärin gefährdet. Der Grund: Die Firma Jungbunzlauer zieht in Betracht zwischen dem Umspannwerk Bergern und der Firma Lasselberger ein Produktionswerk zu errichten.

Jungbunzlauer stellt biologisch abbaubare Inhaltsstoffe wie Zitronensäure her. Betroffen wären Gründe auf dem Gemeindegebiet von Pöchlarn, Leiben und Zelking-Matzleinsdorf. Grundstücksumwidmungen stehen noch aus, derzeit laufen Gespräche für einen optionalen Grundstücksverkauf mit Landwirten.

"Evaluieren verschiedene Standpunkte"

Um zu verhindern, dass „das letzte bisschen Au in der Gegend“ verschwindet, initiierte Selhofer mithilfe von Peter Pruzina (Liste Pilz) ein Zusammentreffen von Projektgegnern, Unternehmen und Politik. „Wir evaluieren derzeit verschiedenste Standorte“, bestätigt Josef Gaß, Leiter für Produktion und Technologie von Jungbunzlauer. „Derzeit ist aber noch nichts fix. Erst gegen Ende des ersten Quartals 2018 werden wir eine Entscheidung treffen.“ Und dann wäre es auch geplant gewesen, die Bevölkerung zu informieren.

„Wir haben ja nichts zu verheimlichen.“ Sollte sich das Unternehmen tatsächlich für den Standort entscheiden, würden längerfristig bis zu 200 Arbeitsplätze geschaffen. „Natürlich gibt es vor solch einem Bau auch Gutachten von Sachverständigen und Auflagen, die wir erfüllen werden“, betont Gaß, dass sich die Situation der Bürger nicht verschlechtern werde: „Im Gegenteil. Es würde zu regionaler Wertschöpfung und Arbeitsplätzen kommen.“ Die Ängste der Projektgegner nimmt er dennoch sehr ernst. „Sollten wir wirklich hier bauen, können wir im Jänner gerne eine Projektvorstellung machen. Wir würden uns dann auch in die Dorfgemeinschaft einbringen wollen.“

Gegner sehen Auen als schützenswert

„Das ist alles schön und gut. Geht aber am Problem vorbei“, ärgert sich Selhofer. Ihr und den Gegnern gehe es nicht um das Unternehmen, das hier vielleicht bauen wird, sondern „darum, dass hier überhaupt gebaut wird“. „Mir ist der Lebensraum für Flora und Fauna wichtig. Diesen müssen wir schützen.“ Weiters gehe es auch um Lärm- und Geruchsbelästigung.

„Zu rechnen sind etwa mit 20 Lkw täglich“, erklärt Gaß. Eine Schiffsanlegestelle oder eine Gleisverbindung sind zunächst nicht geplant. Vorerst werde auf zehn bis 15 Hektar gebaut, am Ende sollen 25 bis 30 Hektar genutzt werden. „Wir betonieren diese Fläche aber nicht zu“, beschwichtigt der Firmenvertreter: „Natürlich wird es auch Grünflächen geben.“

Inwiefern es zu Lärm- und Geruchsbelästigung kommen könnte, will VP-Bürgermeister Gerhard Bürg (zelking-Matzleinsdorf) in Pernhofen (Bezirk Mistelbach) selbst überprüfen – hier hat Jungbunzlauer bereits ein Werk, dieses ist allerdings größer als das geplante. „Ich werde auch mit den Leuten im Wirtshaus reden und mir alles genau berichten lassen.“