Wachauer Tourismusregion fehlen die Touristen. Deutliches Minus bei Nächtigungen 2020. Die NÖN erkundigte sich in Tourismusgemeinden.

Von Denise Schweiger und Markus Glück. Erstellt am 20. Januar 2021 (05:02)
Markus Haslinger/extremfotos.com

Einen drastischen Rückgang gibt es bei den Nächtigungszahlen im Jahr 2020. Bisher liegen zwar nur die Daten bis Ende November vor, diese zeigen aber einen Rückgang in den einzelnen Gemeinden von bis zu 50 Prozent.

Insgesamt verzeichnete die Tourismusregion Wachau-Nibelungengau-Kremstal 512.380 Nächtigungen – ein Rückgang von knapp 272.700 Nächtigungen (35 Prozent) im Vergleich zum Vorjahr. Die meisten Gäste kamen im Jahr 2020 mit 125.231 Nächtigungen aus dem deutschen Sprachraum.

Betrachtet man die Zahlen der Hauptsaison für die Tourismusregion, ergibt sich allerdings auf dem österreichischen Markt ein Plus von über fünf Prozent bei den Nächtigungen. „Man sieht, dass wir mit der Entscheidung, unsere Marketing-Kampagne, auf den Inlandsmarkt zu fokussieren, in dieser schwierigen Coronazeit etwas bewegt haben“, erklärt der Geschäftsführer der Donau Tourismus Niederösterreich GmbH, Bernhard Schröder.

Melk : Noch im Jänner 2020 jubelten die Touristiker in Melk dank knapp 78.900 Nächtigungen über ein Rekordjahr 2019. Ein Jahr später zählt die Stadt mit einem Minus von rund 45 Prozent und nur mehr 42.078 Nächtigungen zum größten Verlierer im Bezirk. Wie hoch der finanzielle Schaden für die Stadt ist, kann erst nach Vorlage des Rechnungsabschlusses gesagt werden, VP-Stadtchef Patrick Strobl geht aber von einem „hohen sechsstelligen“ Betrag aus. Alleine bei der Entsorgungsanlage für Donauschiffe beträgt das Minus rund 100.000 Euro.

Mit einer eigenen Kampagne samt unterschiedlichen Ausflugsangeboten versuchte die Stadtgemeinde, Individualtouristen nach Melk zu locken, die Kosten betrugen 40.000 Euro. „Der Individualtourismus hat in Melk ein Revival erlebt. Im Sommer waren die Zahlen gut, da hat die Imagekampagne eine große Rolle gespielt“, erklärt Gastronom Markus Madar.

Der Vertrieb der Pakete lief über die Firma Zwölfer Reisen. Dort ist Geschäftsführer Michael Ringsmuth mit dem ersten Jahr zufrieden: „Ich glaube, wir werden die Pakete sicherlich weiterführen. Da es im letzten Jahr relativ kurzfristig war, ist es heuer aber wichtig, den Gästen bereits im Vorfeld die Möglichkeiten aufzuzeigen.“ Bezüglich der Verbesserungen soll es in den nächsten Wochen noch Gespräche mit der Stadtgemeinde und den Tourismusverantwortlichen geben.

Emmersdorf

Als Tourismusgemeinde hat die Coronakrise auch Emmersdorf hart getroffen. Franz-Josef Pichler ist als VP-Gemeinderat für die Agenden des Tourismus‘ zuständig, kennt die Problematik als Hotelier aber auch aus erster Hand. Das vergangene Tourismusjahr sei eine große Herausforderung gewesen, im Sommer habe es aber kurze Lichtblicke gegeben.

„Wir konnten doch viele inländische Gäste begrüßen, als Deutschland Österreich aber auf die ‚rote Liste‘ setzte, kam es zu einer Welle an Stornierungen“, berichtet er. Daher fehlen Emmersdorf im Budget erhebliche Einnahmen (etwa aus der Ortstaxe), die man auch „bei Weitem nicht mehr aufholen konnte“.

Um das Budgetdefizit in den Tourismusgemeinden wieder aufzufüllen, sieht Pichler es als „Notwendigkeit, dass die Kommunen in die Tasche greifen“. „Wir müssen den Gästen etwas bieten. Dafür gilt es, in die Region zu investieren. Auf lange Sicht werden dadurch auch die Einnahmen wieder zurückkommen“, meint Pichler.

Maria Taferl

Ähnliches berichtet Andreas Frey aus Maria Taferl, seines Zeichens der für den Tourismus zuständige VP-Gemeinderat als auch Betreiber des Familienbetriebs „Zum Goldenen Löwen“. Er spricht von einem „wahnsinnig guten“ Sommer, im November und Dezember sei die Zahl der Touristen aber „massiv“ eingebrochen.

„Aktuell ist Maria Taferl eher ‚Maria Schlaferl‘. Die Planbarkeit in unserer gesamten Branche fehlt einfach“, wünscht sich Frey eine Langzeitstrategie für den Tourismus. Die „irrsinnig lange Flaute“, wie er die aktuelle Situation beschreibt, nutze er und sein Team, um sich die Struktur seines Betriebs genau anzusehen und zu verbessern.

Strategie Tourismus

In einem Strategiepapier legt der Tourismusverband Donau Niederösterreich die Themenfokussierungen bis zum Jahr 2025 fest. Durch den Wegbruch der wichtigen Märkte in Asien und den USA sollen in den nächsten Jahren vor allem Deutschland und die Schweiz verstärkt betreffend Kreuzfahrttourismus bearbeitet werden.

Wichtig ist weiterhin auch die Lenkung der Besucherströme. So sollen durch neue regionale Ausflugsprodukte die derzeitigen Hotspots entlastet und damit auch die Lebensqualität der Bewohner wieder angehoben werden. Neben der Entzerrung der Besucherströme ist auch das neue Bus-Parkleitsystem Wachau für die Region immens wichtig. Bei der Positionierung wird weiterhin der Wandel zu einer Ganzjahres-Aufenthaltsregion vorangetrieben. Der Aufenthaltstourismus soll durch eine verbesserte Kommunikation bei den Kurzurlaubs- und Urlaubsangeboten erfolgen.

Ausblick

Laut Schröder kam das Nächtigungsminus 2020 stark aus den ausländischen Quellmärkten, wie Asien oder den USA. Für diese Märkte rechnet Schröder auch 2021 nicht mit einer Rückkehr auf die Zahlen von 2019.

„Hier wird die Erholung länger dauern. Wir setzen in diesem Tourismusjahr auf Kurzurlauber und rechnen damit, dass die Österreicherinnen und Österreicher vermehrt ihren Urlaub in Österreich verbringen“, betont Schröder.

Ringsmuth, der auch das Busunternehmen Zwölfer Reisen betreibt, ist im steten Austausch mit den Reedereien. „Wir hoffen, dass die Schiffe im April starten können. Der große Schwung wird aber erst im Juni starten. Bei uns liegen die Bestellungen bereits vor“, hofft Ringsmuth auf einen baldigen Tourismusaufschwung.