Manker Tierärztin: „Es ist nicht wie ein Streichelzoo“. 30 Jahre lang war Karin Einsiedler Tierärztin in Mank. Eine Zeit voller positiver Erlebnisse, aber auch Herausforderungen – und Wandel im Beruf.

Von Michael Bouda. Erstellt am 20. März 2021 (05:16)
Karin Einsiedler war 30 Jahre Tierärztin in ihrer Manker Praxis in Hörsdorf 37. Nun genießt sie auch mit ihrer Hündin Elly ihre Pension. Sie bedankt sich bei ihren langjährigen Kunden, ihren Mitstreitern und ihrer Nachfolgerin Jennifer Riedelmayer.
Michael Bouda, Michael Bouda

„Ich habe sehr intensive 30 Jahre gearbeitet“, erzählt Karin Einsiedler beim NÖN-Besuch in ihrer Wohnung in Melk. Vor 34 Jahren zog es die Tierärztin von Wien aufs Land. Zunächst praktizierte sie, als zweite Tierärztin im gesamten Bezirk, in Ruprechtshofen, vor 30 Jahren eröffnete sie ihre Kleintierpraxis in Mank. Vor Kurzem ging sie in Pension und blickt auf drei ereignisreiche Jahrzehnte zurück.

„Es ist nicht wie ein Streichelzoo, eher wie ein Krankenhaus mit zum Teil schwer erkrankten Tieren“, spricht Einsiedler von einem „sehr spannenden Beruf, der einen aber auch sehr vereinnahmt“.

Viele positive Momente waren dabei, beispielsweise bei älteren Tieren, wenn sich die Besitzer lange nicht entscheiden konnten, ob noch ein großer Eingriff durchgeführt werden sollte. „Da gab es zum Beispiel eine 15 Jahre alte Yorkshire-Terrier-Hündin mit einem Eierstocktumor. Letztendlich haben sich die Besitzer für eine Operation entschieden und der Hund hat danach noch eineinhalb Jahre gelebt, was für einen Hund eine sehr lange Zeit ist.“

„Zu Beginn haben sich die Menschen kaum getraut, mit Hund oder Katze zu mir zu kommen.“ Karin Einsiedler

Im Gedächtnis bleiben ihr aber auch viele bedrückende Erfahrungen. „Besonders tragisch ist es, wenn junge Tiere sterben. Zum Beispiel Welpen an Parvovirose, die man drei, vier Wochen stationär betreut, die es dann aber nicht schaffen“, blickt Einsiedler zurück und fügt hinzu: „Aber auch ältere Hunde, die an Menschen gewöhnt sind und die einen dann schon kennen, wenn man sie mehrere Tage pflegt. Da ist es schon sehr traurig, wenn man sie dann erlösen muss.“

Dennoch würde Einsiedler auch heute wieder Tierärztin werden wollen: „Wenn man bei diesem anstrengenden, fordernden Beruf eine Heilung sieht, ist das ein so positives Feedback, das man in kaum einem anderen Beruf bekommt.“

Einsiedlers 30-jährige Tätigkeit bedeutete aber nicht nur eine Fülle an herausfordernden wie schönen Erlebnissen, sondern spiegelt auch die Entwicklung des Tierarztberufs als Ganzes wider. Zum einen, was die Kundschaft betrifft. „Zu Beginn haben sich die Menschen kaum getraut, mit Hund oder Katze zu mir zu kommen. ‚Das dürfen die Nachbarn nie erfahren‘, haben viele gesagt“, kann sich Einsiedler noch gut erinnern.

Zum anderen hat sich die Tierärzteschaft stark verändert. War Einsiedler in ihren Anfangszeiten als Frau zwischen vielen männlichen und auf Großtiere spezialisierten Kollegen allein auf weiter Flur, sind es nun überwiegend Frauen, die den Beruf ausüben. Noch dazu sei es früher gang und gäbe gewesen, eine eigene Praxis zu eröffnen, während heute oft ein Anstellungsverhältnis bevorzugt werde, wie Einsiedler schildert.

Beim Start vor 30 Jahren war Einsiedlers Praxis die einzige reine Kleintierpraxis im Bezirk und die einzige mit 24-Stunden-Notdienst für Kleintiere. Was in der Anfangszeit noch ungewöhnlich in der Branche war: Einsiedler arbeitete bewusst immer im Team: „Dadurch kann man Fälle besser lösen und die Last auf mehrere Schultern verteilen.“ Über 30 fast ausschließlich Tierärztinnen bildete sie in ihrer Ordination aus. „Aber auch ich habe viel von ihnen gelernt.“

Zu lernen gab es generell immer genug, denn in den 30 Jahren veränderten sich sowohl die „Patienten“ wie auch deren medizinische Behandlung. So nahmen beispielsweise Kaninchen zu, während Einsiedler einen deutlichen Rückgang bei der privaten Vogelhaltung sah. Was Notfälle betrifft, seien insbesondere Vergiftungen häufiger geworden. „Man hat exotischere Pflanzen und mehr Chemikalien zuhause und die Tiere kosten davon gern“, sagt Einsiedler.

Ähnliche Erkrankungen wie beim Menschen

Generell gebe es, auch weil die Tiere aufgrund der medizinischen Versorgung immer älter werden, zum Teil ähnliche Erkrankungen wie beim Menschen – von Diabetes über Herzerkrankungen bis zu Tumoren. „Wir arbeiten in vielen Bereichen ähnlich wie in der Humanmedizin“, sagt Einsiedler.

So werden zur Abklärung oft eine Blutuntersuchung, ein Röntgen und ein Ultraschall durchgeführt. Einsiedler betont, wie wichtig der technische Fortschritt war und ist: „Es ist wirklich toll, wie sich die Veterinärmedizin entwickelt hat, dass man Tieren heutzutage so gut helfen kann.“

Dies sei aber natürlich auch immer mit Kosten verbunden, was angehende Tierbesitzer immer beachten sollten. Um für höhere Beträge, beispielsweise bei Operationen, gerüstet zu sein, empfiehlt Einsiedler eine Krankenversicherung für Tiere. „In Österreich ist das noch sehr selten, vor allem in Skandinavien oder Großbritannien ist es aber üblich“, erklärt sie.

Einsiedler möchte sich jetzt ein Jahr mehr ihrer Familie widmen und Segeln lernen. Sie ist „sehr froh, in Jennifer Riedelmayer eine junge, engagierte, kompetente Nachfolgerin gefunden“ zu haben, die die Praxis in ihrem Sinne weiterführt. Es gibt weiterhin einen 24-Stunden-Notdienst und das Team ist auch das selbe. „Ich wünsche meiner Nachfolgerin viel Freude und Erfolg mit der Weiterführung meiner Praxis.“