Das Schienenradl übersiedelt. Abschied aus Ruprechtshofen nach acht Jahren. Diskussion über Nachnutzung hat begonnen.

Von Michael Bouda. Erstellt am 18. Dezember 2018 (05:01)
Das Schienenradl soll statt in Ruprechtshofen spätestens ab 2020 von Lunz aus starten.
Wolfgang Duchkowitsch

Rund 60.000 Kunden hat das Mostviertler Schienenradl verzeichnet, seit es 2011 in Betrieb gegangen ist. Nun ist aber klar, dass zum Saisonschluss im Herbst das letzte Mal ein Schienenrad über die Strecke zwischen Ruprechtshofen und Reisenhof gerollt ist: Geschäftsführer Johannes Eßmeister will sein Unternehmen nach Lunz verlegen.

„In Ruprechtshofen hat es super funktioniert“, erklärt Eßmeister, dass nicht die bisherige Situation, sondern die aus seiner Sicht besseren Bedingungen in Lunz ausschlaggebend für den Umzug sind: „Wenn wir nicht in Lunz sein könnten, wären wir weiter in Ruprechtshofen.“

„Es wurde der Beschluss gefasst, dass eine Nachnutzung als Radweg voranzutreiben und zu prüfen ist.“Leopold Gruber-Doberer, Bürgermeister, Ruprechtshofen

Eßmeister führt dabei das „touristische Potenzial im Raum Lunz, Lackenhof und Göstling“ ins Treffen: Es gebe eine direkte Anbindung an den Radweg Waidhofen-Lunz und zum Ötscherland-Express, die Zielgruppe in der Region entspreche jener des Schienenradls, wodurch auch eine Kooperation mit Anbietern anderer Freizeitaktivitäten möglich sei und Synergien genutzt werden könnten.

Außerdem biete die Strecke, die von Lunz bis zur Umkehrstation in Stiegengraben verläuft, Vorteile: eine deutlich geringere Steigung, keine Kreuzung mit einer Landesstraße und auch die Möglichkeit eines Winterbetriebs. „Außerdem kann in Kooperation mit Ötscherland das Bahnhofareal Lunz gemeinsam genutzt und gepflegt werden“, erklärt Eßmeister.

Einfache Übersiedlung der Ausrüstung

Eine erhebliche Erleichterung für den Umzug stellt die Tatsache dar, dass Eßmeister die bestehende Ausrüstung praktisch zur Gänze mitnehmen kann. Viele Details sind aber noch ausständig. „Es ist alles ein Teil von sehr weit gediehenen Gesprächen“, verweist Eßmeister auf die Einbindung von Anrainern und weiteren Beteiligten.

Martin Ploderer, VP-Bürgermeister von Lunz, blickt der Verlegung sehr positiv entgegen: „Generell ist es ein cooles Projekt, das zur Attraktivierung des Ortes beitragen wird.“ Ein Start 2019 ist zwar nicht auszuschließen, wahrscheinlicher ist aber, dass im nächsten Jahr die Übersiedlung stattfindet und mit der Saison 2020 dann gestartet wird.

In Grenzen hält sich die Freude freilich in Ruprechtshofen. VP-Bürgermeister Leopold Gruber-Doberer: „Es ist schade um alles, was Ruprechtshofen verliert, aber man muss wirtschaftliche Entwicklungen zur Kenntnis nehmen.“

Platz für Neubeginn

Die Veränderung bietet aber im wahrsten Sinn des Wortes auch Platz für einen Neubeginn. Denn mit dem Rückbau der Gleisanlagen – vor allem zwischen Ruprechtshofen und Grabenegg – fällt auch die Teilung der dort bestehenden Ackerflächen weg. Gleichzeitig böte sich der Raum aber für einen neuen Radweg an. In der vergangenen Gemeinderatssitzung wurde die Diskussion für einen Kompromiss nun offiziell gestartet. „Es wurde der einstimmige Beschluss gefasst, dass eine Nachnutzung als Radweg voranzutreiben und zu prüfen ist, allerdings unter Einbeziehung der Interessen der Landwirtschaft“, berichtet Gruber-Doberer.

Die Lösung könnte darin bestehen, den Radweg entlang des Schlattenbachs zu errichten und die Bahntrasse zu beseitigen, sodass die Fläche wieder ungeteilt von den jeweiligen Bauern genutzt werden kann. Gruber-Doberer: „Ich will eine Win-win-Situation.“