Aufreger in Ybbs: Mozart statt Mittelalter?. Walter Labuda wünscht sich schon seit Langem, dass der mittelalterliche Stadtkern saniert wird. Anstelle wirbt die Stadt mit Mozart, obwohl vieles nicht den Fakten entspricht.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 29. September 2017 (05:00)
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„Als Mozart vor 250 Jahren in Ybbs war“– unter diesem Titel spielte letzte Woche Johann Simon Kreuzpointner ein Orgelkonzert in der Pfarrkirche. Dass Mozart in Ybbs war, darüber sind sich wohl Musiker und Historiker einig. Das war‘s allerdings auch schon.

Auf der Ybbser Orgel gespielt

„Mozart hat auf der Ybbser Orgel gespielt, das beweist ein Bild im Linzer Landesmuseum. Alles andere, z. B. dass der Virtuose auch in Ybbs geschlafen hat, ist eine bloße Annahme“, klärt der ehemalige Bundesratsdirektor und frühere Obmann des Kulturvereins „OKAY“ Walter Labuda auf. Daher stellt er auch den Ybbser Mozartsaal infrage:

„Es wurde angenommen, dass, wenn Mozart in Ybbs schläft, er wohl im besten Hotel nächtigen würde. Das war damals das Gasthaus zur Sonne. Niemand weiß, ob er wirklich eine Nacht dort verbracht hat. Der Mozartsaal ist schlichtweg erfunden.“ Auch dass sich der Komponist per Bleistift auf der Orgel verewigt hätte, wagt Labuda stark zu bezweifeln: „Dass Mozart selbst seinen Namen dort geschrieben hätte, kann ich mir nicht vorstellen. Vielleicht war es ein Zeitzeuge – das weiß aber auch niemand.“

Mittelalterlicher Stadtkern

Labuda bietet Stadtführungen an und kennt die Donaustadt wie seine Westentasche. Und so auch ein paar Geheimnisse abseits von Mozart: „Viele wissen gar nicht, dass Ybbs einen mittelalterlichen Stadtkern hat. Es ist ein Teil der Altstadt, direkt beim Salzamt.“

Warum dieser Teil hinter verschlossenen Türen bleibt, ist für Labuda unverständlich:

„Der Bürgermeister hat versprochen, den Mittelalter-Abschnitt bis zur 700-Jahr-Feier zu renovieren. Geschehen ist nichts.“ Für ihn steht jedenfalls fest: „Dieses Mozart-Aushängeschild basiert auf Scheinfakten. Der Mittelalterteil definitiv nicht.“

Auf die historischen Vorwürfe reagiert SP-Stadtchef Alois Schroll nicht. Allerdings betont er, dass er den mittelalterlichen Kern von Ybbs nicht vergessen hat: „Die Arbeiten wurden verschoben, weil wir sonst während der Festivitäten einen Kran in der Altstadt stehen gehabt hätten.“ Die Generalsanierung steht auf seiner Agenda. „Ich habe noch viel vor, solange ich Bürgermeister bin“, beschwichtigt Schroll.