Theater in Melk: Feinschliff vor der Premiere. Sommerspiele Melk starten nächste Woche. Die NÖN nahm in den noch leeren Publikumsreihen Platz.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 09. Juni 2021 (05:30)
Theaterprobe in Turnschuhen:
Das Sommerspiele-Ensemble probt bis zu acht Stunden am Tag.
 
Denise Schweiger

Ein Schrei hallt durch die Wachauarena. Von Erinnerungen heimgesucht springt Sebastian Pass auf, blickt um sich, reibt sich die Augen. „Was hast du?“, fragt Sophie Prusa. Auf den Stiegen der Sommerspiele-Bühne beginnt ein verbales Tauziehen zwischen den Schauspielern: Ob es richtig gewesen sei, was sie getan haben? „Wohin geht die Erinnerung, wenn sie verflogen ist?“, fragt Pass.

„Die entscheidenden Fragen bleiben manchmal ungelöst“, antwortet Prusa. „Super, die Szene machen wir gleich nochmal“, grätscht Alexander Hauer, Regisseur der Sommerspiele Melk, von der Seite dazwischen. „Und bleib‘ dieses Mal bitte auf den Stufen stehen, Sophie.“

Zehn Gebote in Wachauarena

Nächste Woche feiert das diesjährige Sprechstück „Die zehn Gebote“ in der Wachauarena Premiere. Damit bei den Vorstellungen jede Bewegung und jeder Satz sitzt, probt das Ensemble unter den wachsamen Augen und Ohren Hauers auf der Bühne. Wenige Tage vor der Premiere geht es um den Feinschliff: Der Text sitzt schon, an der Positionierung der Darsteller, Pausen und Betonungen wird gefeilt. „Grundsätzlich lege ich besonderen Wert auf die Erzählung, ich bin einerseits Dirigent und füge zusammen, gleichzeitig bin ich auch der erste Zuschauer, deshalb wechsle ich auch die Plätze“, gibt Hauer Einblick.

Es gehe ihm um die „Spannungsverhältnisse auf der Bühne“ und wie diese wirken: „Deshalb involviere ich auch die Darsteller in den Theaterproben.“ Und die verlangen sowohl den Schauspielern als auch Hauer einiges ab. Täglich wird bis zu acht Stunden geprobt. „Das ist alles ganz genau getaktet“, erläutert er, „das Ensemble hat aber natürlich auch Zeit, sich selbst in das Stück einzuarbeiten. Das Besondere dieses Jahr für sie ist, dass es ja zehn einzelne Dramolette sind, sprich zehn unterschiedliche Situationen auf der Bühne.“ Und das heißt auch, dass es für jedes Dramolette ein eigenes Kostüm gibt.

Ab dieser Woche Proben in Kostüm

Beim Lokalaugenschein steht das Ensemble noch in Turnschuhen, Sommerkleid und T-Shirt auf der Bühne. Blütenpollen tanzen um die Schauspieler, Vögel ziehen zwitschernd und neugierig ihre Kreise im Zelt. „Ab dieser Woche wird in den Kostümen geprobt – und es gibt auch eine eigene Umzugsprobe, denn das muss schnell gehen“, berichtet der Intendant. Sebastian Pass geht wieder auf Position, gleich ist sein Einsatz. „Bevor du anfängst, rückst du bitte etwas nach links?“, beginnt Hauer wieder zu dirigieren.