Mostviertler Start-up ermöglicht „Mars im Wohnzimmer“

St. Leonharder Start-up nutzte die ersten NASA-Bilder des US-Mars-Rovers „Perseverance“, um den Roten Planeten digital hautnah erkunden zu können.

Erstellt am 24. März 2021 | 04:05
Lesezeit: 2 Min
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Moritz Wilhelm (rechts) und seine Kollegen (hier Paul Schmidl) sind viel im Außeneinsatz, um genaue 3D-Modelle zu erstellen. Ihr technisches Know-how nutzten sie nun auch, um einen Teil der Mars-Oberfläche zu digitalisieren.
Foto: privat, NASA/ JPL-Caltech, ASU, privat, NASA/ JPL-Caltech, ASU

Seit jeher fasziniert der Mars die Menschheit, die ersten nachgewiesenen Beobachtungen reichen bis ins Alte Ägypten im zweiten Jahrtausend vor Christus zurück. Dass man den Roten Planeten nun hautnah erleben kann, praktisch vom Sofa im eigenen Wohnzimmer aus, ist einem St. Leonharder Unternehmen zu verdanken.

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Denn das in der Marktgemeinde ansässige Start-up RealityCloud macht die Marsoberfläche virtuell begehbar: Dazu nutzte man Bilder, die nach der Landung des US-Mars-Rovers „Perseverance“ entstanden sind, um die Umgebung rund um den Roboter virtuell dreidimensional abzubilden.

„Normalerweise machen wir das bei Denkmälern oder anderen Bauwerken, die wir digitalisieren.“Moritz Wilhelm

„Aus privaten Gründen haben wir diese Mars-Mission mitverfolgt“, blickt Moritz Wilhelm von RealityCloud auf den 18. Februar 2021 zurück, als die Sonde im Rahmen der Mission „Mars 2020“ auf der nördlichen Marshalbkugel im sogenannten Jezero-Krater landete.

Eine Woche später begannen Wilhelm und seine fünf Mitstreiter, die von der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA veröffentlichten Bilder zu verarbeiten. „Wir haben gesehen, dass das Material ähnlich zu jenem ist, das wir normalerweise für 3D-Modelle verwenden“, erzählt Wilhelm.

Sein Unternehmen war ursprünglich in der Eventbranche tätig, im Zuge dessen begann man nebenbei, mit der Erstellung von genauen 3D-Modellen eine eigene Sparte aufzubauen. „Normalerweise machen wir das bei Denkmälern oder anderen Bauwerken, die wir digitalisieren. Dabei versuchen wir, die Objekte optisch und geometrisch so genau wie möglich zu erfassen“, schildert der 30-jährige St. Leonharder. Vor allem seit Beginn der Corona-Pandemie konzentriert man sich auf den neuen Bereich.

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Foto: privat, NASA/ JPL-Caltech, ASU

Bei den Bilddaten vom Mars probierte es das Team zunächst einfach einmal, diese durch die Rechner zu jagen. „Zu Beginn war das Projekt nur ein Versuch. Aufgrund der limitierten Datensätze waren unsere Erwartungen mit diesem Prozess bescheiden, das Ergebnis hat diese allerdings übertroffen“, konnten es Wilhelm und seine Kollegen kaum fassen.

Denn das Resultat nach fünf vollen Arbeitstagen, wobei jeweils in der Nacht die Computer mit Rechnen beschäftigt waren, kann sich, im wahrsten Sinne des Wortes, sehen lassen: Eine Fläche von über einem Quadratkilometer rund um den Landebereich hat RealityCloud digitalisiert, von zu Hause aus kann man sich über das Areal virtuell frei bewegen und sogar kleine Felsformationen betrachten.

„Was Sie hier sehen, ist erst der Anfang“

Und es soll noch weitergehen. „Was Sie hier sehen, ist erst der Anfang“, sagt Wilhelm und kündigt einen Ausbau der interaktiven 3D-Umgebung in den kommenden Wochen und Monaten an, sobald mehr Daten von der NASA zur Verfügung stehen – unter anderem sollen Aufnahmen von Drohnenflügen den virtuell begehbaren Bereich noch deutlich vergrößern und zusätzliche Perspektiven schaffen. Wer sich persönlich einen Eindruck von der Mars-Oberfläche verschaffen will, besucht https://realitycloud.at/demos/mars.