VP-Abspaltung vor der Gemeinderatswahl. Bisheriger VP-Gemeinderat Erich Radlbauer wird im Jänner mit einer eigenen „Bewegung“ antreten.

Von Michael Bouda. Erstellt am 03. Dezember 2019 (06:04)
Symbolbild
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St. Leonhards Bürgermeister Hans-Jürgen Resel (VP) wird bei der kommenden Gemeinderatswahl Konkurrenz aus den eigenen Reihen bekommen. Denn der bisherige VP-Gemeinderat Erich Radlbauer wird sich mit einer neuen „Bewegung“ der Wahl stellen.

Ein rund 30-köpfiges Team steht hinter dem 51-jährigen Landesbediensteten, fix sind sechs Namen, die auf der Liste stehen werden: neben Radlbauer die beiden derzeitigen Gemeinderäte Gerhard Dragovits (parteilos) und Franz Schönbichler (VP), Franz Hörmann (Musikschullehrer und Musiker), Hans-Peter Buber (Microtronics-Geschäftsführer) und Reinhard Kerschner (Strabag-Vorstand, parteilos).

Warum sagt Radlbauer der eigenen Partei den Kampf an? „Wir haben alles versucht, um uns mit der bestehenden ÖVP zu einigen, aber es passt aus unserer Sicht nicht mit der Führung der Gemeinde“, erklärt Radlbauer im Gespräch mit der NÖN. Inhaltlich stieß man sich vor allem an der Zusammenarbeit mit der Nachbargemeinde Ruprechtshofen. „Wir sind für eine Neuausrichtung der Gemeindepolitik, für ein besseres Miteinander mit unserer Nachbargemeinde Ruprechtshofen. Es müssen vertrauensbildende Initiativen im Hinblick auf die Zusammenarbeit gesetzt werden, die wir in der derzeitigen Führung völlig vermissen“, kritisiert Radlbauer.

VP-Ortschef Hans-Jürgen Resel kann die Abspaltung nicht nachvollziehen.
Gleiß

Den Ausgang hatte die Abspaltung bei einem Workshop Anfang November genommen, im Rahmen dessen rund 25 St. Leonharder um Radlbauer analysierten, wie es um die Gemeinde steht. „Dabei haben sich viele Unterstützer für unsere Bewegung gefunden, namhafte Persönlichkeiten“, sagt Radlbauer.

Zwei Tage später übermittelte man dem VP-Gemeindevorstand ein Schreiben mit der Forderung, die Hälfte der wählbaren Listenplätze zu bekommen. „Damit wir Gewicht haben bei künftigen Entscheidungen“, erläutert Radlbauer. Resel kam diesem Ansinnen aber nicht nach. „Das war wie ein Erpressungsschreiben“, kritisiert der Ortschef die Vorgehensweise. „Erich Radlbauer ist jetzt seit fünf Jahren Gemeinderat. Vor fünf Wochen hat noch alles gepasst und jetzt, acht Wochen vor der Wahl, passt auf einmal überhaupt nichts mehr? Ich lasse mich nicht erpressen.“

„Schritt ist mir natürlich nicht leichtgefallen“

VP-Gemeinderat Erich Radlbauer erhofft sich Veränderungen.
privat

Da auch ein persönliches Gespräch am Montag vergangener Woche keine Lösung brachte, zog Radlbauer die Reißleine. „Dieser Schritt ist mir natürlich nicht leichtgefallen. Jetzt hoffen wir, dass die Bevölkerung goutiert, was wir machen“, blickt Radlbauer in Richtung Wahltermin am 26. Jänner. Wie sieht er die Chancen, dass seine „Bewegung“ in Zukunft eine gewichtige Stimme im St. Leonharder Gemeinderat hat? „Ich schätze sie gut ein, da wir ein gutes Team präsentieren können. Aber das hängt natürlich vom Votum der Bevölkerung ab.“ Und wie sieht Resel seine Konkurrenz? „Jeder hat demokratisch das Recht, anzutreten.“

Geplant ist ein Antreten unter dem Namen „VPL – Volks-Partei-Leonhard“. Ob dies möglich ist, wird bei einem Gespräch diese Woche mit der Landespartei erörtert.