Ein Tunnel auf der Alm für 67 Kühe. Damit die Tiere selbstständig zur Weide gelangen, wurde ein unterirdischer Weg unter der Straße für sie errichtet.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 03. August 2019 (06:28)
in St. Oswald: ein Weidetunnel für die Kalbinnen.
Eine Sensation auf der Ober Burgstallweide

Die Weidegenossenschaft St. Oswald auf der Ober Burgstallweide gibt es seit dem Jahr 1912. Wenn die Kalbinnen (Anmerkung: weibliche Rinder, die noch nicht gekalbt haben) auf die andere Seite der Weide wollen, musste jedes Mal die Straße abgesperrt werden, damit die Kühe gefahrenlos passieren können. Zumindest bis jetzt.

Im Zuge des 70. Almwandertags, der am Donnerstag, 15. August, stattfindet, gelang ein besonderes Projekt: ein Weidetunnel, durch den die Kühe unterhalb der Straße durchgehen können. „Das ist eine tolle Sache“, strahlt Leopold Brandstetter, Obmann-Stellvertreter der Weidegenossenschaft St. Oswald. „Bislang hielten wir immer den gesamten Verkehr auf, vom Schulbus bis zum Milchtransporter mussten alle warten. Jetzt können die Tiere überall ohne Hilfe hingelangen“, schmunzelt er.

NOEN

„Eingeweiht“ wurde der Tunnel von den insgesamt 67 Kalbinnen noch nicht. „Die letzten Arbeiten gehen gerade noch vonstatten“, informiert Brandstetter. Eine allzu große Umstellung wird der unterirdische Weg für die Tiere nicht sein, wie der Landwirt mutmaßt. „Kühe gewöhnen sich schnell um, sie sind neugierig. Beim ersten Mal zeigen wir ihnen den Weg, dann funktioniert das schon.“

 Rund um die Uhr an der frischen Luft

 Seit Ende April sind die Tiere auf der Alm. Die Weidegenossenschaft St. Oswald ist die einzige in ganz Niederösterreich nördlich der Donau, zudem verfolgen die Bauern den Bio-Gedanken. Für die Kalbinnen heißt das: rund um die Uhr an der frischen Luft, auch bei Wind und Wetter. Die Hitze macht den Tieren besonders zu schaffen. „Da flüchten sie dann schon gerne in den Schatten“, berichtet Brandstetter gegenüber der NÖN.

Die heißen Temperaturen könnten auch dazu führen, dass die Landwirte die Kühe früher als sonst von den Almen treiben. „Normalerweise machen wir das gegen Ende September. Wenn es weiterhin so trocken bleibt, müssen wir handeln“, hofft der Obmann-Stellvertreter auf baldige Niederschläge. Futter mussten sie jedenfalls schon zukaufen.