Melker setzten Zeichen gegen NS-Verbrechen

Am Bahnhofsplatz und in der Linzer Straße wurden „Steine der Erinnerung“ für sechs Juden, die aus ihrer Heimatstadt Melk vertrieben und ermordet wurden, gesetzt.

Erstellt am 20. Oktober 2021 | 03:20
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Im Rahmen der Steinsetzungsfeier sorgten Moritz Weiß und Ivan Trenev für die musikalische Untermalung. Zu den „Steinen der Erinnerung“, im Bild jene in der Linzer Straße, wurden Blumen gelegt und Kerzen gestellt.
Foto: Foto Schweiger

Rudolf und Pauline Weiss. Olga Schneider. Paula und Elisabeth Porges. Elisabette Kraus. Sechs Namen, sechs Leben. Sechs Menschen, die nicht in Vergessenheit geraten dürfen. Es sind die Namen von sechs Juden, die 1938 aus ihrer Heimatstadt Melk vertrieben und von den Nazis ermordet wurden. Für sie wurden nun goldene „Steine der Erinnerung“ gesetzt, am Bahnhofsplatz und in der Linzer Straße. Ihre letzten freiwilligen Wohnorte.

„Das heutige Datum (Anm.: 15. Oktober) ist nicht zufällig gewählt worden. Exakt heute vor 83 Jahren wurden die letzten Juden aus Melk vertrieben“, informierte Christian Rabl, wissenschaftlicher Leiter des Zeithistorischen Zentrums, bei der Steinsetzungsfeier. Dabei berichtete Rabl nicht nur bei den einzelnen Steinen über die verschiedenen Lebensgeschichten. Im Rahmen eines Workshops setzen sich Schüler des Stiftsgymnasiums Melk mit dem Thema auseinander und präsentierten Gedichte und Zeichnungen.

Der Steinsetzungsfeier wohnten auch Nachkommen einer jüdischen Familie bei, in der nur zwei Angehörige den Holocaust überlebten. Ruth Wallner und ihre Kinder teilten mit dem Zeithistorischen Zentrum ihre Familiengeschichte. „Ich möchte mich bei allen bedanken, dass dies möglich geworden ist. Meine Großmutter hatte hier eine glückliche Kindheit“, sagte Alexander Wallner. Und er spannte den Bogen ins Jetzt. „Es ist absurd, anderen Menschen nicht helfen zu wollen. Ich appelliere an die Herzensbildung, das Mitgefühl und die Menschlichkeit.“