Raser im Bezirk Melk: „Gefahr für Leib und Leben“. Bereits über 3.200 Strafen an Raser im Bezirk Melk ausgeteilt: Durch neue Regelung wird Schnellfahren jetzt teurer.

Von Lisa Schinagl. Erstellt am 08. September 2021 (04:05)
440_0008_8173219_mel36darueber_erlauf.jpg
Bereits vor zwei Jahren sagte die Gemeinde Erlauf Rasern den Kampf an. Seit der Installierung von Anzeigetafeln habe sich die Situation gebessert. 
Haunschmid

Zu schnelles Autofahren beispielsweise im Ortsgebiet, soll Rasern nun zum Verhängnis werden. Geschwindigkeiten jenseits der vorgegebenen Begrenzungen sind auch im alltäglichen Straßenverkehr zu finden. Die Regierung schnürt daher mit erstem September ein Raser-Paket, welches höhere Strafen und einen längeren Führerscheinentzug, von etwa sechs Monaten mit sich bringt. Der Beobachtungszeitraum von Rasern wird mit vier Jahren ebenfalls verdoppelt. Eine Erhöhung der Kosten droht nun bei jeglicher Überschreitung der Geschwindigkeitsbegrenzung.

Im Bezirk Melk gibt es Straßen und Regionen, die zuletzt zu schnelleren Geschwindigkeiten verleiteten, wobei auch Unfälle entstanden. Herbert Oberklammer, Kriminaldienstreferent des Bezirkspolizeikommandos Melk, schildert, dass als klassische Raser-Strecken vorwiegend die Bundesstraßen im Bezirk zu betiteln sind. Im ersten Halbjahr 2021 sei es laut Oberklammer bereits zu zahllosen Überschreitungen der vorgegebenen Geschwindigkeiten gekommen: „Von Jänner bis Juli wurden bereits mehr als 3.200 Geschwindigkeitsüberschreitungen geahndet.“ Um derartige Überschreitungen künftig zu vermeiden, gebe es bei der Bezirkshauptmannschaft Melk jährlich eine Besprechung zwischen Straßenmeisterei und Polizei, die der Entschärfung von „Unfallhäufigkeitspunkten“ dienen soll, weiß er.

„Fahrzeuglenker, welche im Ortsgebiet die erlaubte Höchstgeschwindigkeit massiv überschreiten, sind eine Gefahr für Leib und Leben.“ Herbert Oberklammer Bezirkspolizeikommando

Vergleichbare Entschärfungen seien laut Oberklammer bereits an der Auffahrt der B1 zur B25 passiert sein. „Früher kam es bei der Auffahrt immer wieder zu schweren Verkehrsunfällen“, beschreibt er und erklärt, dass ein Kreisverkehr hier die Situation entschärft. Seit es den Kreisverkehr dort gibt, sei es laut Oberklammer zu keinen Verkehrsunfällen mit Personenschaden mehr gekommen.

Auch auf der B36 kam es etwa durch die Aufstellung von zusätzlichen Leitbaken an gefährlichen Kurven zu einer Verbesserung der Situation. Die B36 sei außerdem eine beliebte Motorradstrecke, wo bereits mehrere Maßnahmen gegen das Rasen getätigt worden sind.  „Durch das Schnellfahren kam es in der Vergangenheit bereits zu tödlichen Unfällen“, bedauert Oberklammer. Neuralgische Punkte seien hier wieder die Bundesstraßen im Bezirk Melk. Die nun strengeren Strafen im Bereich des Rasens seien laut ihm unbedingt erforderlich: „Fahrzeuglenker, welche im Ortsgebiet die erlaubte Höchstgeschwindigkeit massiv überschreiten, sind eine Gefahr für Leib und Leben“, meint er und verweist auf eine erst kürzlich zurückliegende Überschreitung von 103 km/h im Ortsgebiet im Bezirk.

Für die Tuning-Szene im Land könnten die neuen, verschärften Regelungen rund um die Strafen für das Schnellfahren nun zum Verhängnis werden, Oberklammer ist eine derartige Szene im Bezirk Melk aber nicht bekannt. 

Hohe Geschwindigkeit in Gemeinde Erlauf

Eine bisher stark von Rasern betroffene Gemeinde war Erlauf, die sich in der Vergangenheit etwa mit Anzeigentafeln zu helfen versuchte. Im Jahr 2019 deuteten grün leuchtende „Smileys“ auf einer Anzeigentafel auf eine Einhaltung der vorgegebenen 50er-Begrenzung hin. Die zusätzlichen Messungen zeigten hier Überschreitungen, die deutlich über dieser Begrenzung lagen. Im darauffolgenden Jahr wurde die Einfahrt in der Nähe des Friseursalons „Hairzstück“ geschlossen, um so dem Rasen entgegenzuwirken.

Erlaufs ÖVP-Bürgermeister Franz Engelmaier schildert, dass sich die Situation seit den verstärkten Kontrollen grundlegend gebessert habe. Jedoch „gibt es immer noch ein paar schwarze Schafe“, bedauert er. Der Ortschef appelliert hier spezifische, infrastrukturelle Maßnahmen zu tätigen, sodass Lenker ihren Fuß vom Gas nehmen. In Erlauf gab es Messungen von mehr als 120 km/h in der Nacht im Ortsgebiet, erklärt er. „Dies könnte aber auch ein Einsatzfahrzeug gewesen sein“, beschreibt er und versichert, dass sich derartige Übertretungen der Geschwindigkeitsbegrenzungen tagsüber in Grenzen halten. „Mit den Anzeigen funktioniert das relativ gut“, freut sich Engelmaier. Die strengeren Strafen befürwortet er: „Das Zureden scheint nicht zu helfen, also kann man es nur über das Finanzielle versuchen.“ Der ein oder andere werde nun von zu hohen Geschwindigkeiten absehen, hofft er.

Umfrage beendet

  • Gesetzesnovelle seit 1.9.: Ist das härtere Strafen bei Rasen notwendig?