Die Jagd auf den „bösen Wolf“. Auf „Problemwölfe“ darf nach Änderung des Jagdgesetzes geschossen werden. Im Bezirk Melk gibt es Unterstützer, aber auch Skeptiker.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 25. September 2018 (04:30)
APA (dpa/Symbolbild)
Der Wolf lebt gefährlich in Niederösterreich

Im Jänner fing es an: Zum Jahresbeginn lichtete die Wildkamera von Gustav Strauß zum ersten Mal einen Wolf in seinem Jagdrevier in Heiligenblut (Gemeinde Raxendorf) ab. Einen Monat später ließ sich erneut ein Wolf im südlichen Waldviertel blicken: im etwa zehn Kilometer entfernten Eitental.

Seitdem wächst die Angst vor „Meister Isegrim“ kontinuierlich. Besonders bei den Landwirten, die um das Leben ihrer Tiere fürchten. Bislang kam es allerdings zu keinerlei Begegnungen zwischen Wolf und Mensch oder zu Rissen im Bezirk Melk.

Egger: „Niemand will den Wolf ausrotten“

Am vergangenen Donnerstag fasste der Landtag den Beschluss, das Jagdgesetz zu ändern: Bei Gefahr sind „Problemwölfe“ in Zukunft zum Abschuss freigegeben. Wenn es nach Bezirksjägermeister Bernhard Egger geht, ist das die richtige Entscheidung: „Der Wolf hat keinen natürlichen Feind. Das sind neugierige Tiere, die sehr gefährlich werden können.“ Ihm ist allerdings wichtig zu betonen, dass die Novelle kein Freibrief zum Schießen der Tiere ist. „Niemand will den Wolf ausrotten. Es geht darum, ihn zu regulieren. Sein Lebensraum gehört abgegrenzt“, findet Egger.

Ein schwieriges Unterfangen, denn der Wolf legt große Strecken zurück. „Wenn er heute auf einer Wildkamera bei uns im Bezirk aufgenommen wird, kann er morgen schon in Oberösterreich sein und dann über Zwettl wieder zurückkommen“, erläutert der Bezirksjägermeister die Verhaltensweisen des Wildtieres. Die Vergrämung mit Gummi-Geschossen hält Egger für wenig zielführend: „Dafür müsste man wohl denselben Wolf mehrmals treffen, damit er daraus lernt.“

„Auf selbst gestrickte Einschätzungen – wie die von Strasser – gebe ich nichts. Für Fakten gibt es Experten.“Ingrid Hagenstein, Naturschutzbund

Kritische Stimmen – die vor allem vonseiten der Grünen oder von Umweltschutz-Organisationen kommen – verweist der Bezirksjägermeister an jene Landwirte, die bereits Tiere bei Wolfsangriffen verloren haben: „Meistens schreien die auf, die noch nie gesehen haben, was nach einem Riss übrig bleibt. Der Wolf ist kein Kuscheltier.“

„Aber auch keine Bestie“, hakt Ingrid Hagenstein, Leiterin der Wolfinitiative des Naturschutzbundes, ein. Die Organisation brachte ihre Bedenken vor der Gesetzesänderung in Form eines Briefes an VP-Landesrat Stephan Pernkopf. Naturgemäß hat Hagenstein keine Freude daran, dass der Landtag die Novelle schlussendlich doch beschließt. „In der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie steht bereits festgeschrieben, dass der Wolf, wenn nicht anders möglich, entnommen werden kann. Das heißt konkret: töten“, erläutert das Naturschutzbund-Mitglied gegenüber der NÖN.

Hagenstein: "Beruhigungspille für Bevölkerung und Landwirte"

Für Hagenstein hat die Gesetzesnovelle mehr den „Effekt einer Beruhigungspille für Bevölkerung und Landwirte“, als dass sie das Problem tatsächlich löst. „Die meisten informieren sich nicht, sie kennen den Wolf und sein Verhalten nicht. Der Abschuss der Tiere kann nicht die Lösung sein“, argumentiert sie. Richtiges Wolfsmanagement und Herdenschutz sind für die Leiterin der Wolfsinitiative die Ansätze, die in der Causa verfolgt werden müssen.

In einem NÖN-Interview äußerte sich auch Bauernbund-Präsident Georg Strasser aus Nöchling zum Thema Rückkehr des Wolfes in Österreich. Einerseits denkt er ebenso, dass Herdenschutz (etwa auch mit Herdenschutzhunden) und Zäune die Wildtiere fernhalten sollen – andererseits fordert er, den Schutzstatus des Wolfes zu senken. Denn ein „gefährdetes Tier ist er nicht mehr“ – dafür gäbe es in Europa schon ausreichend Population.

„Von solchen selbst gestrickten Einschätzungen, wie die von Georg Strasser, halte ich nichts. Für objektive Fakten gibt es Experten. Und der Wolf ist nach wie vor eine vom Aussterben bedrohte Tierart“, kontert Hagenstein die Aussagen des Bauernbund-Präsidenten.

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