Donauuferbahn: Kaufangebot für einen Euro

Erstellt am 15. Dezember 2021 | 03:10
Lesezeit: 4 Min
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Im Jahr 2018 starteten die Abrissarbeiten der Bahngleise der ehemaligen Donauuferbahn.
Foto: NÖN/ Archiv
Ortschef-Aktion gegen Bahn löste Aufschrei bei Donauuferbahn-Rettern aus.
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Vor zwei Wochen war die Euphorie bei den Förderern der Donauuferbahn groß. Nach Gesprächen von Ex-Staatssekretärin und nunmehriger Gemeinderätin in Persenbeug-Gottsdorf Christa Kranzl mit den Parlamentsfraktionen, signalisierten diese, eine Studie zur Wiederbelebung aller stillgelegten Nebenbahnen in Österreich in Auftrag zu geben.

Dem Ansinnen der Bahnbefürworter schoben vergangenen Woche aber die Bürgermeister aus Hofamt Priel, Persenbeug-Gottsdorf, Marbach, Leiben und Klein-Pöchlarn einen Riegel vor. Bei einem Treffen sprachen sie sich deutlich gegen die Wiederbelebungsfantasien aus. Neben dem Beschluss einer Resolution gegen die erneute Inbetriebnahme der Bahn, wandten sich die Bürgermeister auch an Landesrat Ludwig Schleritzko (ÖVP): Dieser soll die Diskussion endlich beenden.

Der Aufschrei nach der Aktion, vor allem in den sozialen Netzwerken, folgte: Denn, sich im 21. Jahrhundert als Bürgermeister gegen eine Bahnlinie zu stellen, kommt nicht bei jedem Bürger gut an. „Wollen diese Schildbürgermeister noch einen sündhaft teuren Radweg für Touristen auf ehemaligen Bahnstrecken, statt für die lokale Bevölkerung einen attraktiven Nahverkehr zu schaffen?“, kommentierte ein Facebook-Nutzer auf der NÖN-Facebookseite.

Einer, der lange für den Erhalt der Bahn kämpfte, Marbachs Ex-Ortschef Anton Gruber, meldete sich ebenso zu Wort: „Diese Kurzsichtigkeit der Bürgermeister ist bezeichnend. Ein klares Nein gegen eine durchgängige Verbindung von Krems nach Linz ist nicht nachvollziehbar. In anderen Regionen kämpfen die Lokalpolitiker für den Erhalt von Nebenbahnen, bei uns sind sie dagegen.“ Er ärgert sich aber auch darüber, dass tausende Unterschriften einer überparteilichen Initiative für den Erhalt der Donauuferbahn von Bürgern von Krems bis Grein – die vor Jahren gesammelt wurde – von der Lokalpolitik einfach vom Tisch gewischt werden. Und, da wäre auch noch der Gemeinderatsbeschluss in Persenbeug-Gottsdorf über eine Volksbefragung.

Klimaticket als Chance

für Donauuferbahn

Bei der Verkehrswende, die sich seit Jahren für die Rettung der Donauuferbahn einsetzt, spricht Dieter Schmidradler von einer sehr „destruktive medienwirksame Aktion der Gemeindeoberen“. Er sieht in einem offenen Brief der Verkehrswende (die NÖN berichtete darüber) den Ausschlag für die „überstürzte Aktion“. Von einer „falschen Entscheidung“ der Ortschefs spricht auch Kranzl: „Es tut mir leid, dass uns die Gemeinden nicht die Gelegenheit geben, die neuen Entwicklungen in Ruhe zu besprechen. 410 Haushalte haben den Kampf für die Rettung der Donauuferbahn unterstützt. Die persönliche Entscheidung von fünf Bürgermeistern kann daher nicht auf die Gemeinden umgelegt werden.“ Klare Kante zeigt Kranzl auch bei den Aussagen der Bürgermeister, dass rund 60 Prozent der Bahngrundstücke bereits verkauft seien. „Das Land NÖ hat dafür gesorgt, dass jederzeit eine Bahnstrecke errichtet werden kann. Dafür muss ein Streckenband freigehalten werden“, betont Kranzl.

Ebenso wie Kranzl sieht auch Schmidradler das neue Klimaticket in Verbindung mit der Donauuferbahn als „Segen für die Menschen und die Regionalentwicklung“. „Wir sind fest der Überzeugung, dass unter den gegebenen Umständen kein legitimer Grund mehr besteht, den Menschen und Betrieben der Region diese riesige Zukunftschance zu verbauen“, meint Schmidradler.

Dank der Initiative von Kranzl stellten die NEOS im Parlament eine Anfrage zur „Rettung der Donauuferbahn“ an Umweltministerin Leonore Gewessler (Grünen). Die NEOS-Kritik: Seit der Auflassung im Jahr 2013 gibt es nördlich der Donau keine direkte Verkehrsanbindung zwischen Ober- und Niederösterreich sowie Wien. Durch das Herausreißen des Streckenabschnitts haben fünf Gemeinden überhaupt keine Bahnanbindung mehr. Die NEOS greifen aber auch das Angebot des Landes NÖ, die Donauuferbahn, um einen symbolischen Euro, an den Bund zu verkaufen, auf. „Wird diese Initiative aufgegriffen um eine Reaktivierung der Bahn zu prüfen und mit den Ländern über angemessene Beiträge zu den Kosten von Bau, Betrieb und Instandhaltung zu verhandeln“, so die NEOS.

Angebot des Landes NÖ liegt auf dem Tisch

Aus dem Büro von Landesrat Schleritzko heißt es, dass das Angebot des Landes auf dem Tisch liegt. „Klar ist aber, dass dazu auch eine Zustimmung der Region gehört. Das Land NÖ wird sich nicht über den Willen der Gemeinden hinwegsetzen. Die Initiative rund um Kranzl hat hier Hausaufgaben zu erledigen“, heißt es aus dem Büro von Schleritzko.

Ob die Resolutionen in allen Gemeinderatssitzungen in dieser Woche aber auch beschlossen werden, ist indes noch nicht fix. So gibt es bei der FPÖ in Marbach, dem Koalitionspartner von ÖVP-Ortschef Peter Grafeneder, noch keine Entscheidung. „Die einzige Rettungschance wäre, wenn Bund und ÖBB die Bahn zurücknehmen. Wir werden uns in der Fraktion die Resolution anschauen und auch schauen, was die SPÖ dazu sagt“, meint Marbachs Vizebürgermeister Manfred Mitmasser (FPÖ).

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