Konkurrenzkampf um die Schulsprengel. Weil Schüler um sprengelfremden Schulbesuch in Yspertal ansuchen, entfachte Streitpunkt zwischen Ortschefs und Direktoren.

Von Anna Faltner. Erstellt am 10. Juli 2018 (04:38)
Schüler, die eigentlich der Neuen Mittelschule Persenbeug-Gottsdorf zugeteilt wären, wollen jetzt wechseln.
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Ab Herbst startet die Neue Mittelschule Yspertal mit dem Schwerpunkt Sport. Ein Ziel dahinter war auf jeden Fall der Gewinn neuer Schüler – auch aus den Nachbargemeinden. Wenn es nach denen geht, sollten die Schüler allerdings in ihren zugeteilten Sprengeln bleiben.

„Wir wurden wirklich vor den Kopf gestoßen. Da war nichts abgesprochen“, ärgert sich Herbert Gruber, NMS-Direktor in Persenbeug-Gottsdorf. Für ihn ist der Sportzweig nur ein „Scheinwerfer“, der ausgespielt wird, um Kinder und Eltern anzulocken. „Alle Schulen unterrichten Sport. Da geht es um einen Unterschied von zwei Stunden Sport pro Woche.“

„Im Endeffekt liegt das bei den Gemeinden. Wir können sie nicht zwingen, und das will ich auch nicht.“Veronika Schroll, NMS Obfrau und VP-Ortschefin Yspertal

Die ersten Ummeldungen sind bereits da. Einen sprengelfremden Schulbesuch müsste die Heimatgemeinde des jeweiligen Schülers bezahlen. Das lehnen bis auf Nöchling alle Nachbargemeinden ab. Dort haben sich drei Schüler auf der Gemeinde gemeldet. „Wir wollen ihnen das nicht verwehren“, betont VP-Ortschef Roman Grabner. Die Kopfquote von 2.000 Euro pro Schüler und Schuljahr wird von der Gemeinde übernommen.

Aktuell sind es fünf Schüler, die dem Sprengel Persenbeug-Gottsdorf zugeteilt sind und nach Yspertal wollen. Alle fünf wohnen in Maria Taferl. Zahlen will die Gemeinde aber nicht.

Die Neue Mittelschule in Yspertal lockt ab Herbst mit dem Schwerpunkt Sport und der neuen Kletterhalle. Das sorgt in den Nachbargemeinden für wenig Freude.
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„Wir haben einen Gemeinderatsbeschluss, in dem das dezidiert drinsteht. Ich kann das jetzt nicht aufreißen, das wäre unfair. Aber die Eltern wollen das einfach nicht verstehen“, berichtet VP-Bürgermeister Heinrich Strondl. Für ihn gäbe es nur eine Möglichkeit: „Der Schulsprengel Yspertal könnte die Kosten übernehmen.“ Das kann Yspertals VP-Bürgermeisterin und NMS-Obfrau Veronika Schroll noch nicht kommentieren: „Wir bieten ein Angebot und hoffen, dass es positiv angenommen wird. Im Endeffekt liegt das bei den Gemeinden. Wir können sie nicht zwingen, und das will ich auch nicht.“ Die Kopfquote, die für Nöchling vereinbart wurde, bietet sie auch den anderen Gemeinden an.

Die meiste Kritik in der Causa musste bisher Yspertals NMS-Direktor Johann Zeilinger einstecken. „Das war zum Teil schon sehr untergriffig und auf einer höchst emotionalen Ebene“, erzählt er. Ihm geht es in erster Linie um das Wohl der Kinder. „Ein kleiner Wettbewerb zwischen den Schulen schadet der Qualität bestimmt nicht. Wie die Bürgermeister das in der Gemeinde rechtfertigen, liegt bei ihnen“, meint er.

Wie sich herausstellte, wird bereits auf eine Öffnung der Schulsprengel in ganz Niederösterreich spekuliert. Angeblich soll die schon in den nächsten Monaten über die Bühne gehen.