Kritik am System: Landwirte fordern Fairness. Bauern orten Ungerechtigkeit bei Berechnungen der Hagelversicherung: Geschädigte fallen um Geld um, da Versicherung nicht anschlägt. Optimierungen sind geplant.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 18. September 2018 (04:00)
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Braune Felder in Kracking (Gemeinde Marbach): Die Hitzewelle zeichnet ein tristes Bild für die Landwirte im südlichen Waldviertel. Zahlreiche Bauern, unter anderem Marbachs FP-Landeskammerrat Manfred Mitmasser, fordern eine Reform der Hagelversicherung. 

Staubtrocken und mit braunen Flecken lässt der Rekord-Sommer die Felder im südlichen Waldviertel zurück. Die Ernteausfälle sind aber nicht das Einzige, was die Landwirte vor Herausforderungen stellt. FP-Landeskammerrat und Landwirt Manfred Mitmasser aus Marbach ortet Ungerechtigkeit bei der Hagelversicherung.

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FPLandeskammerrat Manfred Mitmasser fürchtet eine Degradierung von Martin Huber.

„Wenn man sich die diesjährigen Berechnungen ansieht, kann man hier nur mehr von Frotzelei sprechen“, ärgert er sich. Obwohl viele Gebiete und Gemeinden im südlichen Waldviertel Totalausfälle im Grünland verzeichnen, werden sie gering bis gar nicht entschädigt. „Das jetzige System ist ein reines Computermodell, das auf wahre Begebenheiten keine Rücksicht nimmt. Schäden müssen an Ort und Stelle begutachtet werden“, fordert Mitmasser eine praxistauglichere Reform der Hagelversicherung.

Und die soll sich laut Mitmasser an der früheren Regelung bei Katastrophenfällen anlehnen: „Eine Schadenskommission sollte die Ertragsverluste in den Gemeinden feststellen. So wird wenigstens sichergestellt, dass allen Gemeinden ein kleiner Teil des Schadens ersetzt wird. So schauen auch kleinere Betriebe nicht durch die Finger.“

„Das Ziel ist, die Dürreversicherung für Grünland so anzupassen, damit in Zukunft die Treffsicherheit noch genauer wird.“Georg Strasser

Um die Kritik an der Hagelversicherung weiß auch Bauernbund-Präsident Georg Strasser. „Geschädigte Landwirte haben sich bei mir gemeldet und mir ihre Situation erklärt. Teilweise fallen die Bauern um viel Geld um, da die Versicherung nicht anschlägt. Ich habe mich umgehend mit der Hagelversicherung in Verbindung gesetzt“, informiert der Nöchlinger.

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Georg Strasser

Dort werden die Weichen für eine Optimierung der Versicherung gestellt. „Als Partner der Landwirtschaft ist das hochgesteckte Ziel eine 100-prozentige Kundenzufriedenheit. Wenn man aber erstmals und einzigartig in Europa mit einer Indexversicherung für das Grünland beginnt, muss man das Produkt kontinuierlich weiterentwickeln“, heißt es vonseiten der Hagelversicherung.

Mitmassers Wunsch, dass die Probleme vor Ort besichtigt werden, wird auch schon erfüllt. Und zwar von Kammerobmann und Hürms VP-Bürgermeister Johannes Zuser. „Derzeit ist Johannes Zuser damit beschäftigt, betroffene Betriebe zu informieren und ihre Fälle zusammenzutragen“, erläutert Strasser die weitere Vorgehensweise. Anhand der Informationen aus der Region wird ein Vorschlag erarbeitet, der anschließend bei einem Treffen mit der Hagelversicherung präsentiert wird.

„Das Ziel dabei ist, die Dürreversicherung für Grünland so anzupassen, damit in Zukunft die Treffsicherheit der Dürreversicherung noch genauer wird“, betont Bauernbund-Präsident Strasser.