Mangel an neuen Zahnärzten?. Zwei behandelnde Ärzte aus Region gehen in Pension. Für beide Stellen gibt es keinen Nachfolger.

Von Anna Faltner. Erstellt am 27. September 2017 (00:05)
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Die Auswahl des Zahnarztes ist oft eine lang- und wohlüberlegte Entscheidung. Und hat man endlich den Arzt seines Vertrauens gefunden, kann einem Folgendes passieren: Er geht in Pension. Das ist momentan in der Region gleich zweimal der Fall.

Mit Ende September verabschiedet sich Günther Staudinger in den Ruhestand. Für so manchen Patienten doch sehr überraschend: Bisher war noch keine Information über den Pensionsantritt an die Öffentlichkeit gelangt.

„Wenn ein Zahnarzt aufhört, dann macht er das normalerweise selbst rechtzeitig publik. Häufig vermittelt er seine Patienten an die umliegenden Ärzte weiter“, beschreibt Petra Wurstbauer von der Pressestelle der NÖ Gebietskrankenkasse das übliche Prozedere. Seit Jänner 1992 betreute Staudinger seine Zahnarzt-Praxis in Persenbeug. Ein Nachfolger wurde bis dato noch nicht gefunden.

„Patienten wissen, dass es bald so weit ist“

„Die Stelle wurde zwei Quartale lang ausgeschrieben. Leider hat sich niemand gemeldet. Wir werden es weiter versuchen“, berichtet Wurstbauer. Insgesamt existieren in Niederösterreich 465 Planstellen. „Davon sind acht Stellen unbesetzt und acht ruhend gestellt“, erklärt sie.

Im Bezirk Melk gibt es 26 Zahnarzt-Praxen. Neben jener in Persenbeug, die vorerst leer stehen wird, ist auch eine Planstelle in Loosdorf unbesetzt.

In gut einem Jahr hat auch Gottfried Geyrhofer vor, in Rente zu gehen. Er ist praktischer Arzt mit Zahnbehandlungs-Befugnis und betreut pro Tag etwa sieben bis acht Patienten in seiner Praxis in Münichreith. Einen konkreten Zeitpunkt für seinen Ruhestand hat er nicht gewählt. „Aber meine Patienten wissen, dass es bald so weit ist. Manche haben sich nach einem neuen Arzt umgesehen, manche Stammkunden bleiben bis zum Schluss“, erzählt Geyrhofer. Auch ihm folgt niemand nach.

Bis zu 50 Patienten täglich

Damit haben die verbleibenden Ärzte in der Region alle Hände voll zu tun. Das kann Katharina Bayerl aus Marbach nur bestätigen: „Wir haben jetzt schon einen sehr großen Patientenstock. Deswegen sind wir ziemlich eingeschränkt mit der Neuaufnahme von Patienten.“ Seit 2008 sind rund 5.500 Patienten in der Marbacher Ordination ein und aus gegangen. An langen Tagen behandelt Bayerl bis zu 50 Patienten.

Die Schließung der Praxis in Persenbeug sieht sie kritisch: „Es wäre wichtig, dass die Stelle nachbesetzt wird. Doktor Geyrhofer geht auch bald in Pension. Dann kommt nochmals eine Patientenflut auf uns zu.“ Denn auch die Folgen des Aus in Persenbeug waren für sie bereits spürbar. „Die Situation ist wirklich problematisch. Es wollen keine Fachärzte mehr aufs Land. Viele sind deswegen überfordert und müssen sogar Patienten mit Schmerzen wegschicken. Auch zu uns sind bereits Leute gekommen, die zuvor weggeschickt wurden“, sagt sie.