Zu Fuß auf der Donau unterwegs?!. Vor 35 Jahren fror der Strom im Bereich von Marbach zu. Ein NÖN-Rückblick zwischen Eisschichten und Klimawandel.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 01. Januar 2021 (03:14)
1996/1997 (links): Schnee und Eis bedeckten das Land und den Fluss.
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Weiße Weihnacht? Weitgehend grün präsentierten sich die Festtage im Bezirk Melk. Je nach Region bewegte sich die Temperaturanzeige diesen Winter nur wenig unter die Null-Grad-Grenze.

Ein Umstand, der sich in der österreichweiten Jahresbilanz der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) spiegelt: Das Jahr 2020 war laut ZAMG-Aufzeichnungen eines der wärmsten Jahre der Messgeschichte, der Klimawandel wird deutlich spürbar. Früher war es im Bezirk erheblich kälter – das zeigen NÖN-Recherchen im Donau-Raum.

Denn vor 35 Jahren konnte man über den zugefrorenen Strom im Bereich von Marbach (oder Krummnußbaum, je nach Uferseite) spazieren. Im Winter 1984/1985 bedeckte die Donau eine dicke Eisschicht. So dick, dass man sie zu Fuß – oder gar mit dem Auto – überqueren konnte. Zur Erinnerung: Die Donaubrücke Pöchlarn wurde erst 2002 für den Verkehr freigegeben, das Überqueren der Donau zu Fuß war eine Sensation.

„Das war eine richtige Völkerwanderung“

„Ich kann mich gut erinnern, ich war damals 21 und schon bei der Polizei. Wenn man bei minus 20 Grad Dienst hat, sind das lange Stunden“, lacht Peter Grafeneder, heutiger VP-Bürgermeister von Marbach. Er selbst ging damals mit Freunden über die zugefrorene Donau, sie kehrten in einem Gasthaus in Krummnußbaum ein, ehe sie wieder zurückmarschierten. „Manche fuhren mit dem Auto drüber, andere mit dem Dreirad, die meisten waren aber zu Fuß unterwegs. Das war eine richtige Völkerwanderung auf der Donau“, berichtet der Ortschef gegenüber der NÖN.

Fotos vom Marbacher Winter 1984/1985
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Eine gute Woche war der Fluss begehbar, danach fror die Donau, wie in den Gemeinde-Chroniken nachzulesen ist, rund um Marbach erst wieder im Winter 1996/1997 zu.

Schleuse Ybbs war 2012 nicht befahrbar

Von seiner extremen Seite zeigte sich auch der Winter 1928/1929 im Donau-Raum. Die Hydrologie Österreich verzeichnete in diesem Zeitraum den kältesten Winter der vergangenen 200 Jahre: In Wien wurden Temperaturen von minus 25,8 Grad gemessen. Entlang der Donau, von der Wachau bis nach Hainburg, bildete sich eine fast durchgehende Eisdecke von rund 50 cm Dicke.

2012 war die Schleuse Ybbs aufgrund der großen Mengen an Packeis auf der Donau nicht mehr für Schiffe befahrbar. In diesem Abschnitt war die Flussoberfläche zwischen 40 und 100 Prozent von Eis, zwischen fünf und 15 cm dick, bedeckt. In solchen Fällen kommen sogenannte „Eisbrecher“ zum Einsatz – Schiffe, die speziell dafür gemacht werden, um das Eis zu durchstoßen und das Gewässer wieder „schiffbar“ zu machen.

Ob die Donau je wieder zufriert? Diese Frage ließen die Experten der ZAMG auf NÖN-Anfrage unbeantwortet. Ein Linzer Magazin stellte sich diese Frage, bereits im Jahr 2018, ebenso. Dazu brauche es – weitläufig – mindestens zwei Wochen lang Temperaturen von minus zehn Grad oder kälter.