Neukonzeption von Dollfuß-Museum: „Für Menschen. Keine leere Hülle“

Erstellt am 25. Jänner 2023 | 06:07
Lesezeit: 6 Min
Die Schritte zur Neukonzeption des „Engelbert-Dollfuß-Museums“ in Texingtal wurden präsentiert. Eine Einordnung des Informationsabends in vier Punkten.
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Alexander Hauer holt tief Luft. „Wie Sie vielleicht merken“, sagt der Obmann des Melker Gedenkvereins „MERKwürdig“, „haben wir den herausfordernden Weg gewählt.“ Ja, das merkt man, an diesem Abend am vergangenen Mittwoch im Gasthaus Schrittwieser in St. Gotthard im Texingtal.

Seit rund einem Jahr arbeitet „MERKwürdig – Zeithistorisches Zentrum Melk“ an der Aufarbeitung des Texingtaler Engelbert-Dollfuß-Museums. Genauer gesagt ist nun ein Prozess mit dem Namen „Demokratieforum Alpenvorland“ im Laufen. Dieser beinhaltet die Neustrukturierung des Museums im Geburtshaus des 1934 ermordeten Kanzlers, der den Ständestaat ausrief, sowie die Diskussion um die Benennung des Dr.-Dollfuß-Platzes in Mank.

Und an jenem Mittwochabend fand die erste Infoveranstaltung dazu statt, um einen Einblick in die Vorarbeiten und einen Ausblick auf die nächsten Schritte zu geben. Das Thema Dollfuß ist in der Region ein heikles, ein mit Emotionen aufgeladenes. Demnach war es zwischenzeitlich auch eine Herausforderung, die Diskussion sachlich zu halten. Aber der Reihe nach.

Gemeinsam zu einem neuen Konzept

Die Kernaussage des „Demokratieforums Alpenvorland“ ist, dass es sich um einen interaktiven Prozess handelt, dessen Ergebnis aktuell auch noch offen ist. Im Sommer 2022 ist ein wissenschaftlicher Beirat eingesetzt worden, mit dabei: der emeritierte Universitätsprofessor Ernst Bruckmüller, die Historikerin Lucile Dreidemy, der Experte für niederösterreichische Sozial- und Zeitgeschichte Ernst Langthaler, die Kunsthistorikerin und Kuratorin Eva Meran, der emeritierte Universitätsprofessor Carlo Moos, die Historikerin Verena Pawlowsky und Christian Rapp, wissenschaftlicher Leiter des Hauses der Geschichte in St. Pölten. Parallel dazu erarbeiten Freiwillige aus der Bevölkerung das Vermittlungskonzept innerhalb von Workshops. „Dafür wird es grundsätzlich vier Termine geben, wir wollen möglichst bald starten“, erläutert Martin Hagmayr vom Museum Arbeitswelt Steyr.

Expertinnen und Experten aus der 2019 mit dem Museumspreis ausgezeichneten Einrichtung begleiten den Prozess. Zurück zu den vier Terminen: Im ersten Schritt werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer das Engelbert-Dollfuß-Museum besichtigen und „kennenlernen“, danach folgt eine – kostenlose – Exkursion in die Museumswelt Steyr samt Besuch des „Stollens der Erinnerung“ und der „Politikwerkstatt“ vor Ort. „Beim dritten Termin stellen wir uns dann die Frage, wie eine Neukonzeption aussehen könnte“, informiert Hagmayr. Zuletzt steht die Präsentation der Ergebnisse an. Wie viele Gruppen gebildet werden, richtet sich nach der Anzahl jener, die sich für die Mitarbeit melden. Fix ist bereits, dass auch ein Workshop mit der NMS Mank geplant ist. Zudem stehen auch mehrere öffentliche Events, weitere Workshops, Themenvorträge und auch Podiumsgespräche an.

Zwischenrufe, Opium und „rote“ Elefanten

Dass die Diskussion im Rahmen des Informationsabends nicht immer rein sachlich geführt werden wird, war angesichts der Thematik wenig überraschend. Auch nicht, dass der Manker Ex-SPÖ-Stadtrat Anton Hikade als eine der kritischsten Stimmen punkto Dollfuß in der Region nichts vom Aufarbeitungsprozess hält. Dass der langjährige Lokalpolitiker, der die Straßenbezeichnungsschilder des Manker Dollfuß-Platzes entfernte, aber so gut wie nie die Hand hob, um sich zu Wort zu melden, sondern einfach den anderen ins Wort fiel, überraschte durchaus. Da half auch das Zurechtweisen Alexander Hauers oder auch von anderen Personen im Publikum nur wenig.

Es gab aber nicht nur Zwischenrufe, sondern natürlich auch Fragen. Warum denn etwa niemand den Elefanten im Raum anspreche, fragte Wolfgang Trachta aus Mank, ehemaliger Lehrer an einer AHS. „Der Elefant, der mit seinen Füßen dieses Thema losgetreten hat, ist ‚rot‘. Ich werde das Gefühl nicht los, das alles, was hier geschieht, einer Partei zuzuordnen ist“, führte er aus. Er sprach zudem angesichts der Gruppen-Workshops von „Opium für die hiesige Bevölkerung“. „Das ist kein Opium“, hielt Hauer dagegen: Man wolle die Bevölkerung miteinbeziehen.

Und man wolle den Auftrag – den die „schwarz“-regierte Gemeinde Texingtal gab – bestmöglich umsetzen. Nachdem die Wortmeldungen tendenziell immer länger wurden, legte Hauer eine Redezeit von einer Minute pro Person fest. Trachtas Vorschlag darauf: Hauer könne die Zeit gerne beschränken – allerdings bitte erst, wenn er fertig gesprochen hätte.

Niklas Perzi, Historiker aus Hürm, betonte indes, dass es wichtig sei, „zu benennen, was Sache ist“: Für ihn höre sich das so an, als gebe es einerseits einen „erlauchten Kreis“, den wissenschaftlichen Beirat, andererseits „Beschäftigungstherapie für die Bevölkerung“, die Gruppen-Workshops. „Was ist der Mehrwert für die Neugestaltung darin?“, fragte er. „Wie im dritten Punkt beschrieben fließen die Ergebnisse in den Gruppen ein“, antwortete Hauer.

Man hätte es sich auch einfach machen können, ganz ohne Diskussionsprozess. „Wie Sie vielleicht merken, haben wir den herausfordernden Weg gewählt. Verschiedenste Standpunkte werden in der Neukonzeption Platz haben“, sagte Hauer. Das Ziel sei „ein Museum für Menschen“: „Keine leere Hülle.“

Die Finanzierung

Neben der grundsätzlichen Infragestellung des Prozesses erkundigte sich Anton Hikade auch über die geplanten Kosten – und wer diese tragen werde. Eine Zahl könne man aktuell noch nicht nennen, dafür seien laut Hauer noch zu viele Faktoren offen. Jene Arbeiten, die bisher im Auftrag der Gemeinde Texingtal erledigt wurden, habe jedenfalls der Verein „MERKwürdig“ vorgestreckt. Man werde bei verschiedenen Stellen – etwa dem Land oder auch dem Zukunftsfonds – einreichen. „Sobald klar ist, wer was zahlt, werden wir das natürlich auch transparent machen“, versprach Hauer.

Auch der Dringlichkeitsantrag des Ybbser Nationalratsabgeordneten Alois Schroll und der Abgeordneten Sabine Schatz (beide SPÖ) an Innen-, Wissenschafts- und Kulturministerium zur Finanzierung der Überarbeitung des Museums kam zur Sprache. „Laut den Antworten zahlt da keines der Ministerien etwas“, meinte Hikade.

Da das Projekt aktuell noch nirgends eingereicht wurde, sei es aber nicht verwunderlich, dass die Antworten so ausfielen, hielt Hauer dagegen. Die Beantwortungen liegen auch der NÖN vor: Bislang ist aus keinem der drei Ministerien Geld für das Dollfuß-Museum geflossen.

Mitmachen

Wer sich an der Neustrukturierung des Vermittlungskonzepts im Museum beteiligen möchte, kann sich bis Sonntag, 29. Jänner, bei Martin Hagmayr melden: Mail an martin.hagmayr@museumarbeitswelt.at oder telefonisch unter 07252/7735119. Die genauen Daten und Uhrzeiten für die Workshops werden direkt mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern abgestimmt.

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