Sperrgebiet missachtet: Anzeige gegen Wanderer. Unbekannte beschädigten mutwillig einen Maschendrahtzaun, um zur Grüntalkogelhütte marschieren zu können. Das könnte den Hüttenbetrieb in Gefahr bringen. Grundbesitzer ist verärgert.

Von Gila Wohlmann und Michael Bouda. Erstellt am 03. Februar 2021 (04:46)
Unbekannte haben einfach die Absperrung des forstlichen Sperrgebietes aufgezwickt, um weiter wandern zu können. Grundbesitzer Leopold Karner hat Anzeige wegen Sachbeschädigung erstattet. Franz Ebner, Hüttenwart der Grüntalkogelhütte, appelliert an die Wanderer.
LPD NÖ

Leopold Karner, Grundbesitzer und Jagdleiter in Frankenfels, ist sauer. Er hat auf Eigenkosten einen Weg für Wanderer angelegt, damit diese aus dem Bezirk Melk durch seinen Forst zur Grüntalkogelhütte marschieren können.

Grund seines Grolls: „Viele Benützer nehmen kaum Rücksicht auf Forstkulturen, Ruhezonen oder Futterstellen des Wildes. Forstliche Sperrgebiete werden missachtet“, weiß er.

„Manchem Waldbenützer ist es in seiner Gedankenlosigkeit nicht bewusst, in welche Gefahr er sich selbst oder auch andere dadurch bringt.“Leopold Karner

Jetzt hat er Anzeige bei der Polizei erstattet. Der Anlass: Unbekannte Wanderer beschädigten mutwillig die Absperrung seines Sperrgebietes und marschierten durch – und das, obwohl er sogar eine Tafel mit genauer Angabe des Zeitraums der Sperre positioniert hatte. Deutlich waren Spuren im Schnee zu sehen.

„Manchem Waldbenützer ist es in seiner Gedankenlosigkeit nicht bewusst, in welche Gefahr er sich selbst oder auch andere dadurch bringt“, gibt er zu bedenken. Arbeiten im Wald seien gefährlich.

Außerdem sind sie vom Forstgesetz vorgeschrieben. Dazu zählen die Aufarbeitung von Schad- und Totholz, nicht zuletzt wegen Gefährdung Dritter, und Pflegemaßnahmen für einen vitalen Wald. Ein derartiges Agieren von Waldnutzern ist für Karner „eine Entwicklung, die unzumutbar ist“. Finanzieller Schaden bliebe durch das undisziplinierte Verhalten nicht aus.

Auch Gefahr für viele verschiedene Wildarten

Überdies sieht er den Wildbestand gefährdet. „Für die im Wald lebenden Wildarten ist diese Beunruhigung, gerade in der Notzeit, aber auch in und nach der Setzzeit, wo die Muttertiere samt Nachwuchs Ruhe und zum Schutz vor Raubwild Deckung brauchen, eine unzumutbare Lebensbedrohung“, erklärt er.

Waldnutzung für alle könne nur funktionieren, wenn sich Besucher an die gekennzeichneten Wanderwege halten, Hinweise über Wildruhegebiete und Fütterungsbereiche beachten und forstliche Sperrgebiete akzeptieren. Er erinnert, dass es sich bei den meisten Wäldern um Privateigentum handelt. Karner: „Diese sollten als solches gesehen werden.“ Sollten sich die unliebsamen Vorfälle häufen, zieht er in Erwägung, den Weg zu sperren: zum Schutz des Wildes – und zum Eigenschutz undisziplinierter Waldnutzer.

Hüttenwart Ebner: „Ich appelliere an alle“

Das Aus für den Weg würde die Güntalkogelhütte, die zwischen 1. Mai und 26. Oktober jeweils samstags, sonntags und an Feiertagen geöffnet hat, hart treffen.

„Das ist unser Versorgungsweg. Wenn der Weg gesperrt werden würde, wäre das ganz schwierig für uns. Wir könnten die Hütte nicht mehr versorgen, was dazu führen würde, dass wir zusperren müssten“, erklärt Hüttenwart Franz Ebner, der über die Sachbeschädigung bereits informiert wurde und kein Verständnis für das Verhalten einiger Wanderer hat.

Er betont, dass der Großteil die Spielregeln beachten würde, mahnt aber: „Ich appelliere an alle, dass sie sich an die Vorgaben halten. Vor allem, wenn es ein befristetes forstliches Sperrgebiet ist, wo Arbeiten stattfinden, ist es ganz wichtig, dass sich alle daran halten, weil auch Lebensgefahr besteht.“