Blick in Hürmer Stall: Qualität hat ihren Preis. Dass Tierwohl und Tierzucht kein Widerspruch ist, zeigt ein Hürmer Betrieb.

Von Michael Bouda und Denise Schweiger. Erstellt am 29. April 2021 (05:37)

Schweinefleisch, das von Tieren kommt, die von der Geburt bis zur Schlachtung am eigenen Hof waren: Gut zwei Jahre ist es her, dass die Familie Marchat in Inning ihren Hofladen eröffnete, und es war der ausschlaggebende Punkt dafür, dass man nun einen Betrieb führt, in dem die Schweine den Hof nie verlassen und länger – und die meiste Zeit auf Stroh – leben können.

„Die Schweine stehen natürlich unter großem Stress, wenn sie auf den Lkw hinaufgejagt werden.“ Andrea Marchat

Logistische Gründe und das Tierwohl standen im Fokus. „Wir haben damals lange diskutiert“, erinnert sich Andrea Marchat. Fleischereien holen die Tiere erst ab einer größeren Menge, dann muss noch der Rücktransport des Fleischs im Kühlwagen organisiert werden. „Und die Schweine stehen natürlich unter großem Stress, wenn sie auf den Lkw hinaufgejagt werden“, gibt Marchat zu bedenken. Also baute man den Hof in Inning kurzerhand um.

Die Tiere kommen im Betrieb auf die Welt und sind dann rund vier Wochen bei der Mutter. Im Maststall wachsen sie auf – und das rund drei Monate länger als üblich.

„Wir haben beschlossen, die Mastschweine nicht mit 90 oder 100 Kilo zu schlachten, sondern erst, wenn sie größer sind, weil das Fleisch eine ganz andere Qualität hat, es ist viel zarter – und das sagen uns auch viele Leute“, erzählt Marchat. Mit einem Gewicht von rund 150 Kilogramm kommen die Tiere dann für zwei Wochen in den Wartestall, wo sie auch vom Tierarzt inspiziert werden. Dann führt eine Verbindungstür in den Schlachtraum. „Da gehen sie einfach ganz ruhig hinein“, spricht Marchat das stressfreie Prozedere an.

Futter zum Großteil von eigenen Feldern

Die Tiere bekommen Mais, Weizen und Gerste von den eigenen Feldern, das Soja wird entlang der Donau angebaut. „Wir wollten kein Soja aus Südamerika, sondern aus Europa“, betont Marchat. Die Mutterschweine und ein Teil der Mastschweine leben auf Stroh, ein Teil noch auf Spaltböden.

„Das wollen wir in den nächsten Monaten zu einem Tierwohlstall umbauen, damit dann alle Tiere teilweise auf Stroh sind“, kündigt die Bäuerin an. Die Haltung auf Stroh – das ebenfalls von den eigenen Feldern kommt – bedeute zwar einen Mehraufwand – von der Produktion über die rund 3.000 Strohballen, die jährlich in die Ställe gebracht werden, bis zum Ausmisten. Aber die Strohhaltung habe, wie Marchat betont, deutliche Vorteile.

„Die Tiere sind einfach gesünder“

„Man erkennt es bei den Tieren – sie haben nie etwas mit den Füßen, sie sind einfach gesünder. Und sie brauchen auch immer ein Spielzeug“, schmunzelt Marchat. „Die Schweine spielen oft mit den Ballen, wühlen im Stroh und wälzen sich darin.“

Die Inningerin ist sich sicher, dass die Familie einen nachhaltigen Weg eingeschlagen hat. „Es wird auch in der Zukunft in diese Richtung gehen – von Stroh bis Freilauf für die Tiere.“ Auch Johannes Zuser, Bezirksbauernkammer-Obmann, ist überzeugt: „Regionalität hat Chance“.

Gerade die Corona-Krise habe viele Konsumenten dazu bewogen, sich mit der Herkunft von Fleisch zu beschäftigen – wobei der Trend auch schon vor dem Ausbruch der Pandemie spürbar war. „Dieses Umdenken hat für etliche Betriebe im Bezirk neue Perspektiven geschaffen“, sagt Zuser. „Und dieses Bewusstsein ist wichtig, denn die Landwirte arbeiten tagtäglich dafür, um Qualitätsfleisch zu produzieren“, betont er.

Ohne diese Wertschätzung haben es die Schweinebauern in der Region noch schwerer, im Kampf gegen die Handelsketten mit zum Teil horrenden Rabattaktionen mitzuhalten. „Dieser Aktionismus ist ein Problem. Qualität muss etwas wert sein“, betont der Bezirksbauernkammer-Obmann.

Für ihn ist es auch wichtig, die Herkunft der Produkte zu kennzeichnen (siehe Artikel unten): „Wir fordern die verpflichtende Herkunftskennzeichnung auf alle Fälle in der Gemeinschaftsverpflegung. In der Gastronomie basiert das aktuell auf freiwilliger Basis“, sagt Zuser.