Hochratner: „Emmersdorf darf nicht Las Vegas werden“. Was ist der Unterschied zwischen einer freien Trauung und dem Standesamt, was hat Emmersdorf mit Vegas zu tun? NÖN klärt auf.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 09. September 2020 (03:24)
Sonja Maria Thyri ist freie Hochzeitsrednerin.
Zimmerhackl

Ein veröffentlichtes Foto einer Hochzeit am Emmersdorfer Donaustrand sorgt bei BNE-Ortschef Richard Hochratner für Ärger. „Emmersdorf darf nicht Las Vegas werden!“, meint er. Fälschlicherweise wird auf dem Foto eine freie Traurednerin als Standesbeamtin bezeichnet. „Das sind Show-Trauungen. Die Hochzeiten gelten ja erst, wenn die Paare auf dem Standesamt waren“, erläutert er. Ob Emmersdorf tatsächlich zum „Las Vegas der Wachau“ wird? Die NÖN klärt auf.

„Ich wurde unrichtigerweise als Standesbeamtin bezeichnet, ich trete allerdings nicht in dieser Funktion auf“, erläutert Sonja Maria Thyri, freie Hochzeitsrednerin auf dem Foto. Zwischen freien Trauungen und standesamtlichen Hochzeiten gibt es eben Unterschiede – und punkto „Show-Hochzeiten“ ortet sie Erklärungsbedarf.

„Die ‚Individuelle Freie Trauung’ ersetzt nicht die standesamtliche Trauung als zivilrechtliche Eheschließung mit Wirkung eines Rechtsakts, sondern ergänzt als persönliche, private Zeremonie mit dem Erlebnis unvergesslicher, sehr emotionaler Momente, eingehend auf die individuellen Wünsche des Paares – etwa im Garten, am Strand, auf dem Boot, im Weingarten, im Helikopter“, erklärt Thyri. Auf den Punkt gebracht: Eine offizielle Heiratsurkunde gibt es nur beim Standesamt, eine freie Trauung unterliegt aber keinen Grenzen bei der Planung, sei es die Religion der Eheleute oder die Wahl der Location.

Standesbeamtin Silvia Hausmann
privat

Silvia Hausmann leitet das Standesamt der Gemeinde. Prinzipiell habe sie nichts gegen freie Trauredner: „Was uns stört, ist, dass die Hochzeiten am Donaustrand mit ihr beworben werden und sie als Standesbeamtin dargestellt wird“, erläutert sie. Und Hausmann betont weiters: „Wir am Standesamt lassen uns auf unsere Brautpaare ein, es wird an einer individuellen Trauung gearbeitet.“

Pichler: „Suchen nach Lösungen für Paare.“

Zudem gebe es eine Niederschrift von den Locationbetreibern der Gemeinde, die besagt, dass Trauungstermine vorab am Standesamt vereinbart werden sollen. „Es ist nicht so, dass alle Hochzeiten am Donaustrand von der freien Traurednerin gestaltet werden. Aber wir wünschen uns eine bessere Kommunikation, damit es zu keinen Missverständnissen kommt“, erklärt sie. Veranstaltet werden die Hochzeiten am Donaustrand von der Familie Pichler.

„Ich bin Gemeinderat und Emmersdorfer, natürlich hat bei uns auch das örtliche Standesamt Vorrang“, stellt Franz-Josef Pichler klar. Aus „terminlichen Gründen“ sei es aber manchmal notwendig, auf die Hochzeitsrednerin zurückzugreifen. „Wir suchen immer nach Lösungen für die Paare“, informiert er.