Steinadler attackierte Joggerin in Loosdorf. Greifvogel entwischte seinem Falkner und packte in Loosdorfer Ofenloch 23-Jährige an ihrem Bein.

Von Markus Glück, Gerhard Weber und Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 18. November 2020 (06:17)
Symbolbild
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Diese Joggingrunde durch das beliebte Naturschutzgebiet Ofenloch wird eine 23-jährige Kellnerin aus Loosdorf wohl so schnell nicht vergessen. Um ein wenig abzuschalten, startete sie ihren Lauf, der jäh unterbrochen wurde: Ein Steinadler stürzte auf die 23-Jährige herab und attackierte sie.

„Ich habe plötzlich einen stechenden Schmerz im Ober- und Unterschenkel des linken Fußes gespürt“, schildert die 23-Jährige, die natürlich sofort an eine Hunde-Attacke dachte. Doch beim Blick zurück entpuppte sich der Angreifer als ausgewachsener Steinadler. Mit seinen messerscharfen Krallen packte er das Bein der jungen Frau und ließ nicht mehr los. „Ich war chancenlos, das Tier abzuschütteln, hatte zudem alle Hände voll zu tun, den Schnabel, mit dem er immer wieder auf mich losging, abzuwehren“, erinnert sich die Läuferin beim Gespräch mit der NÖN. Lange und qualvolle Minuten, in denen sie allerdings so viel Ruhe bewahrte, um noch die Rettung zu alarmieren.

Noch vor der Rettung kam ihr ein Retter zu Hilfe, der zufällig im Ofenloch unterwegs war und den Kampf der jungen Frau mit dem Adler mitbekam. Er schaffte es, dass der Vogel von seinem Opfer abließ, ohne das Tier dabei zu verletzen. In der Folge gelang es ihm auch, den Steinadler mit einer Kette an einem Wegweiser festzubinden. Wenig später traf auch der Besitzer des 13-jährigen Adlers, ein Falkner aus der Region, ein und übernahm sein Tier. „Er hat mir sofort Hilfe angeboten und mir versichert, dass das noch nie passiert sei“, erzählt die Kellnerin. Der Falkner selbst wurde von der NÖN kontaktiert, er wollte aber bis zum Redaktionsschluss keine Stellungnahme abgeben. Er betonte aber, dass er den Zwischenfall sehr bedauere.

Die Polizei in Loosdorf bestätigt, dass sich der Adler von seinem Falkner aus bisher ungeklärten Gründen losgerissen hat. „Es hat mit diesem Adler oder dem Falkner noch nie ein Problem gegeben. Der Falkner war dann auch gleich vor Ort und hat den Adler eingefangen“, betont der Polizist.

Klar ist, dass der Adler ordnungsgemäß gehalten wurde, der Falkner selbst überrascht von der Reaktion seines Adlers war. „Er hat keine Erklärung gehabt, warum sich der Karabiner geöffnet hat. Der Vogel ist auch nicht aggressiv gewesen“, meint der Polizist. Vonseiten der Staatsanwaltschaft droht dem Falkner laut Exekutive auch keine Anzeige. „Es handelt sich um einen Versicherungsfall“, meint der Polizist.

Die Kellnerin wurde nach dem Angriff im Krankenhaus ambulant behandelt. Den Fall hat sie dem Rechtsschutz übergeben. „Ich konnte zum Glück gleich wieder nach Hause“, sagt die Loosdorferin. Eine Infektion mit Tollwut hat sie nicht zu befürchten, der Schreck steckt ihr aber noch immer in den Knochen. „Wenn ich zurückdenke, läuft es mir kalt über den Rücken – das hätte auch ganz anders ausgehen können.“