Hilferufe von mehreren Ufern. Maßnahmen an Melk- und Mank-Fluss in St. Leonhard und Ruprechtshofen dürfen nicht umgesetzt werden, kritisieren Ortschefs.

Von Michael Bouda. Erstellt am 21. Juli 2021 (05:52)
St. Leonhards Bürgermeister Hans-Jürgen Resel (ÖVP).
Gleiß, Gleiß

Der Dangelsbach bereitete St. Leonhard beim Hochwasser am vergangenen Wochenende die größten Sorgen, aber auch bei der Mank und bei der Melk, bei der auch Ruprechtshofen betroffen ist, stand es Spitz auf Knopf. „Es war sehr knapp – wir hatten großes Glück“, lässt St. Leonhards ÖVP-Bürgermeister Hans-Jürgen Resel die bangen Stunden Revue passieren.

Dabei hätten die betroffenen Bewohner in der Nähe von Melk und Mank deutlich entspannter sein können, kritisieren Resel und sein Ruprechtshofner Amts- und Parteikollege Leopold Gruber-Doberer. Denn seit geraumer Zeit wolle man die beiden Flüsse von Anlandungen befreien und Bäume sowie Sträucher im Uferbereich entfernen. „Damit dem Wasser mehr Platz gegeben wird“, erklärt Gruber-Doberer. Doch bei den rund 6,5 Kilometern der Mank von der St. Leonharder Gemeindegrenze bis zur Mündung in die Melk und bei dem rund einen Kilometer langen Teilstück der Melk ab der Mündung flussabwärts handelt es sich um ein „Natura 2000“-Schutzgebiet, wonach Eingriffe in die geschützten Natur-Güter erst geprüft werden müssen. Und bisher haben die Gemeinden noch keine Freigabe erhalten.

Der Ruprechtshofner ÖVP-Ortschef Leopold Gruber-Doberer.
privat, privat

„Anscheinend steht Naturschutz über Menschenschutz“, moniert Gruber-Doberer, dass zahlreiche Gespräche keinen Erfolg gebracht hätten. Weiterhin dürfe nur minimal eingegriffen werden, wie Resel erläutert. „Bei der Mank durften wir nur eine kleine Entnahme im Flussbett machen – ein Tropfen auf dem heißen Stein. Bei der Melk liegt das Ansuchen noch immer bei der Behörde. Das geht nicht mehr länger so“, sagt Resel mit Verweis auf das bedrohte Hab und Gut der Anrainer. Gruber-Doberer hakt ein: „Das kann es nicht sein.“

Die zuständige Naturschutzbehörde ist die Bezirkshauptmannschaft Melk. Im NÖN-Gespräch erläutert Bezirkshauptmann Norbert Haselsteiner, dass es eine naturschutzbehördliche Begutachtung durch einen Sachverständigen gegeben habe, dieser aber einen Interessenskonflikt zwischen den Schutzgütern und den geplanten Maßnahmen festgestellt habe. „Das ist leider ein klassischer Interessenskonflikt zwischen Naturschutz und Erhaltungs- und Räumungsmaßnahmen“, erklärt Haselsteiner. Im August soll nun bei einem gemeinsamen Termin mit dem Sachverständigen und den Bürgermeistern ein Kompromiss mit weitestmöglichem Interessensausgleich gefunden werden.