Hochwasser im Bezirk Melk: Zittern, pumpen, anpacken. Unwetterfolgen sorgten für Einsätze quer durch den Bezirk Melk. Eine Rekonstruktion.

Von Denise Schweiger und Michael Bouda. Erstellt am 21. Juli 2021 (05:29)

Auf Dauer-Regen, Blitz und Donner folgte Sirenengeheul: Am vergangen Sonntag kam es aufgrund der anhaltenden Unwetter im Bezirk laufend zu Unfällen und Einsätzen.

Besonders betroffen

Neben der Gemeinde Schönbühel-Aggsbach, die am Montag zum Katastrophengebiet erklärt wurde, heulten die Sirenen in den vergangenen Tagen auch besonders oft in Petzenkirchen und St. Leonhard. Der Dangelsbach trat übers Ufer, zahlreiche Keller mussten ausgepumpt werden. „Ab 6 Uhr Früh starteten am Sonntag die Vorbereitungsarbeiten, gegen 11 Uhr dachten wir, dass das Schlimmste hinter uns liegt. Doch da ist es erst richtig losgegangen“, berichtet Harald Hömstreit von der Feuerwehr St. Leonhard.

Im Dauer-Einsatz

Keller ausgepumpt wurden etwa auch in Erlauf oder Persenbeug-Gottsdorf. In Blindenmarkt und Krummnußbaum wurden Unterführungen geflutet. Mithilfe zweier Großpumpen konnten die Einsatzkräfte die Wassermassen eindämmen. Diese waren im Laufe des Sonntags an mehreren Orten im Bezirk im Einsatz. Verschont blieb keine der 40 Gemeinden des Bezirks: Es kam querbeet zu Vermurungen, Verklausungen und Überflutungen. Tiere mussten aus landwirtschaftlichen Stallungen evakuiert werden, tausende Sandsäcke wurden gefüllt. Gegen 21.30 Uhr, dem Höhepunkt des sonntäglichen Sturms, waren 1.142 Florianis von 65 Wehren im Einsatz, wie Günter Annerl seitens des Bezirksführungsstabes berichtet.

Zittern entlang der Donau

In den Gemeinden entlang der Donau wurde am Sonntag vorsorglich der Donau-Hochwasserschutz aufgebaut. Wie sich herausstellte, ging die Gefahr bei diesem Unwetter von den Bächen, Flüssen und Zubringer-Gewässern aus. „Glücklicherweise ist die Donau im Bezirk nicht so stark gestiegen“, betont Annerl.

Menschenrettung in der Melker Au

Trotz Gefahrensmeldungen ließen sich manche nicht davon abbringen, im Bezirk „Hochwasser und Unwetter schauen“ zu gehen. Wie Benjamin Steyrer vonseiten der Feuerwehr Melk gegenüber der NÖN berichtet, wurden die Floranis am Sonntag zu einer Menschenrettung alarmiert: Ein Urlauberpärchen war während des Unwetters in der Au unterwegs, als Bäume umstürzten und die Donau übers Ufer trat. Nach einer – kurzen – Suchaktion brachten die Floranis sie in Sicherheit.

Aufräumarbeiten zum Wochenstart

Hunderte Einsatzkräfte sind seit Montagfrüh dabei, den Bezirk von Unrat, Wasser und Schlamm zu befreien – auch die Melker Pioniere und ein Verstärkungstrupp aus Lilienfeld waren vor Ort im Einsatz.

Das sagt der Bezirksfeuerwehrkommandant

Tief betroffen zeigte sich Roman Thennemayer, der von einer Katastrophe spricht: „Es ist ein Ausmaß, das unwahrscheinlich ist – noch schlimmer als im vorigen Jahr in Bischofstetten, Kilb und Mank“, sagt der Bezirksfeuerwehrkommandant mit besonderem Blick auf Aggsbach-Dorf. Am Dienstag kamen fünf Tankwägen, drei KHD-Züge aus Waidhofen/Thaya, Eggenburg und Purkersdorf, drei Teleskoplader, drei Unimog-Spezialfahrzeuge und zwei Großtanklöschfahrzeuge, um bei der Beseitigung der Schäden in Aggsbach-Dorf zu helfen, ein KHD-Zug aus Horn kam nach Häusling, wie Thennemayer berichtet.