Wahlkampf: Drohbriefe bewegen St. Leonhard. St. Leonharder Liste „Vision Leonhard“ erhielt drei untergriffige Schreiben, in welchen VP- und Bauernbund-Ausschluss angedroht wird. Urheber sind noch unbekannt.

Von Michael Bouda. Erstellt am 14. Januar 2020 (05:12)
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„Dass das jetzt so ausufert!“ Gerhard Dragovits, derzeit noch parteilos für die VP im St. Leonharder Gemeinderat und für die kommende Gemeinderatswahl auf der Liste von „Vision Leonhard“, greift sich auf den Kopf. Der Grund: Die Liste rund um Spitzenkandidat Erich Radlbauer erhielt mittlerweile drei Drohbriefe, in welchen einzelne Personen eingeschüchtert werden sollen.

Die ersten beiden Schreiben, die der NÖN vorliegen (siehe Faksimile), wurden in Ybbs aufgegeben und kurz vor Weihnachten zugestellt. Darin werden einzelne Akteure, die „Vision Leonhard“ unterstützen, attackiert: der VP-Mandatar Franz Schönbichler, der für die Liste kandidiert, und eine zweite Person, die namentlich nicht genannt werden will. Auch ein dritter Brief ist eingegangen, über den Inhalt wollen sich die Betroffenen aber nicht äußern. Dragovits sieht die Intention in den Bestrebungen von „Vision Leonhard“, die Zusammenarbeit mit Ruprechtshofen zu intensivieren: „Ich glaube, das Hauptmotiv ist, dass wir mit Ruprechtshofen eine starke Region bilden wollen.“

„Solche Aktionen gehören verbannt und es muss aufgedeckt werden, wer der Urheber ist.“Erich Radlbauer, Listenerster, „Vision Leonhard“

Der Wortlaut der Drohbriefe – es wird der Ausschluss vom Bauernbund sowie die Enthebung aus VP-„Ämtern“ angedroht – legt nahe, dass es sich bei dem Verfasser jeweils um eine Person mit Entscheidungsgewalt entweder bei der VP oder dem Bauernbund oder beidem handelt. Diesen Vermutungen erteilt St. Leonhards VP-Bürgermeister Hans-Jürgen Resel eine deutliche Absage: „Meine Person und die ÖVP St. Leonhard distanzieren sich ganz klar von diesen Briefen“, sagt Resel und betont: „Wir leben in einer Demokratie und da darf jeder seine Meinung sagen, aber solche anonymen Angriffe sind keine Art und Weise, mit Menschen umzugehen – auch nicht im Wahlkampf. Ich lehne das ab.“

Auch ein Zusammenhang mit Führungspersonen aufseiten des Bauernbunds der Marktgemeinde wird dementiert. Stefan Riegler-Nurscher, Bauernbund-Obmann von St. Leonhard und VP-Gemeinderat: „Diese Briefe kommen zu 100 Prozent nicht von uns. Wir verurteilen das schwer – so geht man nicht miteinander um.“

NÖN

„Vision Leonhard“-Spitzenkandidat Erich Radlbauer hofft, dass es bei den bisherigen Briefen bleibt, und will eine lückenlose Aufklärung: „Solche Aktionen gehören verbannt und es muss aufgedeckt werden, wer der Urheber ist.“

Dragovits sieht in den Briefen „eine Form von Hassposting“. „Mit der Besonderheit, dass der Absender die eigene politische Gesinnung mächtig in Misskredit bringt.“ Stark kritisiert wird das Vorgehen im Wahlkampf auch vom ehemaligen St. Leonharder VP-Bürgermeister Hans Schellenbacher. „Ein Drohbrief von mehreren ist mit ‚Wir Bäuerinnen und Bauern‘ gekennzeichnet. Dagegen verwahre ich mich. Ich bin Bauer und Pensionist. Ich bin wie viele meiner Berufskollegen Bauernbund- und Seniorenbundmitglied der ÖVP. Ich lasse mich nicht generell von einer wildgewordenen, undemokratischen, anonym handelnden Gruppe als Adressat benutzen.“

Anzeigen wurden bisher keine erstattet. Die Betroffenen würden versuchen, sobald der oder die Verfasser bekannt sind, die Thematik zwischenmenschlich zu klären, erläutert Dragovits.