Marbachs Neo-Gemeindespitze im Doppelinterview. Neo-Ortschef Peter Grafeneder (ÖVP) und Vize Manfred Mitmasser (FPÖ) über die gemeinsame Vergangenheit und die Zukunft der Gemeinde Marbach.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 24. März 2020 (04:45)
Das Foto von Peter Grafeneder und Manfred Mitmasser (v. l.) wurde vor der Coronakrise aufgenommen.  
DS

Die „rote Bastion“ Marbach ist gefallen. Die NÖN bat die Neo-Gemeindespitze rund um VP-Bürgermeister Peter Grafeneder und seinen FP-Vize Manfred Mitmasser zum ersten Doppelinterview.

NÖN: Herr Grafeneder, vom Ergebnis der Gemeinderatswahl waren Sie überrascht. Bei der konstituierenden Sitzung haben die Koalitionsvereinbarungen mit der FPÖ gehalten. Wie war es für Sie, als das Ergebnis zehn zu neun feststand?

Peter Grafeneder: Ich habe mich natürlich gefreut. Die ÖVP war jahrelang „der ewige Zweite“ und jetzt ist es etwas geworden. Worauf hätten wir warten sollen? Dass der Schmerz um den Verlust der Absoluten in der SPÖ tief liegt, kann ich aber nachvollziehen.

Sie und Herr Mitmasser haben eine gemeinsame Vergangenheit. Bevor Mitmasser zur FPÖ wechselte, waren Sie beide von 2005 bis 2010 VP-Gemeinderäte. Wie ist es für Sie, nun in dieser Konstellation zusammenzuarbeiten?

Grafeneder: Ich kenne Manfred schon viele Jahre. Er ist ein verlässlicher Partner, das weiß ich aus Erfahrung.

Manfred Mitmasser: Wir hatten bei den Koalitionsgesprächen freien Handelsspielraum. Die Vorwürfe, von wegen die Landespartei hätten uns in irgendeiner Weise gelenkt, lasse ich nicht gelten.

Grafeneder: Und ich auch nicht. Ich wünsche mir für die Zukunft Marbachs ein konstruktives Miteinander.

Damit haben Sie mir eine Frage vorweggenommen. Es gab also keinen Druck vonseiten der Landespartei zu Blau-Schwarz?

Grafeneder: Nein, das ist kompletter Blödsinn. Wäre es so gewesen, hätte unser Wahlkampf anders angesehen.

Vonseiten der SPÖ gab es Kritik für die Erhöhung des Gemeindevorstandes von fünf auf sechs Mitgliedern. Das soll nur passiert sein, um Mitmasser als Vize zu installieren. Was sagen Sie dazu?

Grafeneder: Wenn man eine Koalition eingeht, ist das eben so. Zudem stimmt die Rechnung nicht, es sind keine 25.000 Euro auf fünf Jahre mehr, die deswegen auf die Gemeinde zukommen. Wir sprechen hier von rund 15.000 Euro. Dieses Zahlenspiel kann man vergessen.

Noch eine SP-Kritik: Laut Wahlergenis hätten die Marbacher mit rund 85 Prozent eine rot-schwarze Regierung gewählt. Nun ist eine Version mit rund 53 Prozent an der Spitze. Für die SPÖ entspricht das nicht dem Wählerwillen.

Grafeneder: Fakt ist, dass wir dazugewonnen hat und die SPÖ Stimmen verloren hat. Auch das kann man als Wählerwille sehen.

Herr Mitmasser, SP-Gemeinderat Karl Zimmerl kreidete Ihnen an, dass Sie am Gängelband von Landbauer und Waldhäusel hängen. Zudem betonte die SPÖ, genau hinzusehen, falls die FPÖ „schräg“ wird.

Mitmasser: Ich muss Karl einmal fragen, ob er mich nicht schon lange genug kennt. Ich möchte mit allen Fraktionen arbeiten. Parteipolitik hat hier nichts zu suchen.

Welchen Projekte wollen Sie sich jetzt widmen?

Grafeneder: Wir müssen das Gemeindeamt barrierefrei gestalten. Zudem ist seit elf Jahren die wasserrechtliche Bewilligung für den Kanal in der Marktstraße abgelaufen. Es gibt viel zu tun, was die derzeitige Situation um den Coronavirus nicht einfacher macht.

Mitmasser: Außerdem wollen wir verstärkt die Unternehmer der Gemeinde mit ins Boot holen.